Eltern und Kind


Kinderkrankheiten

Keuchhusten

Der Keuchhusten (Pertussis) verdankt seinen Namen dem typischen Keuchen, das am Ende eines Hustenanfalls auftreten kann. Er tritt vor allem bei Kindern im Kindergarten- und frühen Schulalter auf, aber auch bei Jugendlichen und Erwachsenen. Keuchhusten gehört im Säuglingsalter zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten.

Leitbeschwerden

Ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene:

  • Zunächst über 1–2 Wochen „laufende“ Nase, uncharakteristischer Husten und leichtes Fieber (katarrhalisches Stadium)
  • Danach schwere Hustenanfälle, die oft auch nachts auftreten und mit Atemnot verbunden sind. Der Hustenanfall endet typischerweise mit einer „juchzenden“, keuchenden Einatmung („Aufziehen“, Reprise) und dem Aushusten bzw. Auswürgen von farblosem zähen Schleim, oft mit Erbrechen. Dieses konvulsive Stadium dauert etwa 4 Wochen
  • Danach klingt der Husten über Wochen langsam ab (Rekonvaleszenzstadium)
  • Bei Erwachsenen kann Keuchhusten auch ohne die typischen Hustenanfälle wie ein hartnäckiger Husten verlaufen.

Babys:

  • Uncharakteristischer Husten
  • möglicherweise Atemstörungen oder Atempausen (Apnoen).

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn Husten nach einer Woche schlimmer wird

Heute noch, wenn Beschwerden auftreten, die zu Keuchhusten passen

Sofort, wenn

  • Sie bei Ihrem Baby Keuchhusten vermuten
  • Ihr Kind schwere Atemnot hat.

Die Erkrankung

Keuchhusten wird von dem Bakterium Bordetella pertussis ausgelöst, das durch Tröpfchen übertragen wird, die entweder eingeatmet oder über die Hände weiter gegeben werden. Besonders ansteckend ist der Keuchhusten im Anfangsstadium, in dem die Erkrankung oft wie eine normale Erkältung verläuft. Mehrere andere Infektionskrankheiten können ähnlich wie ein Keuchhusten verlaufen, z. B. die durch Parapertussis-Bakterien, Adeno-Viren oder RS-Viren ausgelösten Luftwegsinfekte.

Während der Husten bei den meisten Erkältungskrankheiten durch das in den Atemwegen produzierte Sekret verursacht wird, werden die Keuchhustenanfälle direkt durch einen von dem Erreger produzierten Giftstoff ausgelöst, der mit dem Blut ins Gehirn gelangt und dort die Hustenanfälle auslöst. Bei Säuglingen wirkt dieser Giftstoff manchmal anders: Statt Husten auszulösen können lebensbedrohliche Atempausen (Apnoen) entstehen.

Häufigste Komplikationen des Keuchhustens sind eine Mittelohr- oder Lungenentzündung.

Keuchhusten ist von Beginn der Beschwerden etwa 4 Wochen lang ansteckend, die Inkubationszeit beträgt 7–21 Tage. Schon Neugeborene können erkranken, weil die Abwehrstoffe für den Erreger in der Schwangerschaft nicht von der Mutter auf das Kind übergehen.

Das macht der Arzt

Vermutet der Arzt Keuchhusten, so entnimmt er möglicherweise Blut – das Blutbild zeigt typische Veränderungen. Durch einen speziellen Rachenabstrich kann der Erreger nachgewiesen werden.

Der Arzt verordnet dann ein Antibiotikum (z. B. Erythromycin). Allerdings kann dadurch die Dauer des Hustens nur im Anfangsstadium abgekürzt werden. Wird die antibiotische Behandlung erst im späteren (konvulsiven) Stadium begonnen, helfen Antibiotika kaum noch, da sie die hustenauslösenden Giftstoffe nicht abbauen. Immerhin wird aber die Ansteckungsfähigkeit bekämpft, so dass eine antibiotische Behandlung für die Menschen in der Umgebung vorbeugend wirkt. Kinder dürfen 4 Tage nach Beginn der antibiotischen Behandlung wieder in den Kindergarten oder in die Schule gehen.

Die gängigen Hustenmittel vermindern den Husten nicht.

Säuglinge unter sechs Monaten werden bei einer Keuchhusteninfektion ins Krankenhaus überwiesen, damit sie wegen der drohenden Atempausen mit einem Monitor überwacht werden können.

Vorsorge

Eine gut verträgliche Impfung ist Teil der Regel-Kinderimpfungen. Da der Impfschutz nur 5–10 Jahre anhält, wird die Impfung inzwischen zu Schulbeginn und im Jugendalter aufgefrischt. Ein vielversprechender Ansatz in Großbritannien ist, alle Schwangere zwischen der 28. und 38. Schwangerschaftswoche gegen Keuchhusten zu impfen – die über die Plazenta auf das Kind übertragenen Antikörpern schützen offenbar so effektiv, dass die Keuchhustenfälle um über drei Viertel zurückgehen.

Hat ein Säugling Kontakt zu einem Keuchhustenkind gehabt, kann der Arzt dem Säugling vorbeugend Antibiotika verordnen.

Masern, Mumps und Röteln

Masern, Mumps und Räteln sind durch die für alle Kinder empfohlenen Impfungen selten geworden.

Masern

Masern (Morbilli) werden vom Masern-Virus verursacht. Nach einer Inkubationszeit von 8–12 Tagen zeigen sie sich zunächst durch ein etwa drei Tage dauerndes Vorstadium mit Fieber bis 39 °C, Husten, Schnupfen und Halsbeschwerden. Auffällig ist dabei die Rötung der Augenbindehäute, die „verschwollenen“ Augen sowie die weißlichen, kalkspritzerartigen Flecken an der Wangeninnenseite gegenüber den Backenzähnen (Koplik-Flecken). Nach kurzzeitiger Besserung steigt das Fieber auf bis zu 40 °C. Dem Kind geht es schlecht; die Lymphknoten am ganzen Körper schwellen an, und es zeigt sich der typische Hautausschlag: hochrote, zunächst ganz kleine erhabene Fleckchen, die rasch größer werden und zusammenfließen. Die Flecken können teils blutig unterlaufen. Der Ausschlag beginnt meist im Gesicht und hinter den Ohren und breitet sich dann über den Körperstamm sowie über Arme und Beine aus. Nach 4–7 Tagen verblasst der Ausschlag, und das Fieber wird geringer.

Masern sind komplikationsträchtig: ~ 1 % der betroffenen Kinder bekommt eine Kehlkopfentzündung, die aber meist mild verläuft. Genauso häufig ist eine Mittelohrentzündung. Sie heilt ebenfalls meist ohne Folgeschäden. Gefährlicher ist die Lungenentzündung, die oft im Krankenhaus mit Antibiotika behandelt werden muss. Einer von 2 000 Masernkranken entwickelt eine masernbedingte Gehirnentzündung (Masernenzephalitis) mit Krampfanfällen, Bewusstseinsstörungen und Nervenausfällen. Bei rund jedem vierten dieser Kinder bleiben Dauerschäden am Gehirn zurück; bei schätzungsweise jedem sechsten verläuft die Masernenzephalitis sogar tödlich (Details zur Gehirnentzündung). Sehr selten, aber gefürchtet ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), die nach Jahren zum Tod führt. Eine SSPE entwickelt sich vor allem bei Infektionen im Säuglingsalter.

Einer Studie der Princeton-Universität zufolge weisen Menschen nach durchgemachter Masern-Erkrankung für bis zu drei Jahren eine erhöhte Sterblichkeit für andere Infektionserkrankungen auf. Die Vermutung ist, dass es durch die Masern zu einer Art Immun-Amnesie kommt, die die Betroffenen anfälliger für andere Erkrankungen macht, da sich die Immunzellen auf das Masern-Virus einschießen und für andere Erreger nicht mehr zur Verfügung stehen. Laut den Forschern kann demnach eine Masern-Impfung auch vor Folgeinfektionen schützen.

Mumps

Vom Mumps-Virus ausgelöst, zeigt sich Mumps (Ziegenpeter, Parotitis epidemica) nach einer Inkubationszeit von 14–24 Tagen durch eine zuerst einseitige, schmerzhafte Schwellung einer Ohrspeicheldrüse. Das Fieber ist oft nur leicht. Die Schmerzen „in der Backe“ strahlen zum Ohr und in den Hals aus und werden durch Öffnen des Mundes, Kauen oder Schlucken verstärkt. Nach wenigen Tagen greift die Schwellung dann auch auf die andere Ohrspeicheldrüse über. Rund ein Drittel aller Kinder, die sich mit dem Mumps-Virus anstecken, zeigen keine Krankheitszeichen. Sie machen den Mumps also unbemerkt durch.

Bei den meisten Kindern bleibt der Mumps ohne Folgen. Bei etwa 1–2 % der Erkrankten tritt aber eine, meist nur leichte, Hirnhautentzündung (Meningitis) auf. Auch Gehirnentzündungen kommen vor. Sie können mit Komplikationen, z. B. Schwerhörigkeit verbunden sein; sie sind aber glücklicherweise sehr selten. Stecken sich Jungen nach der Pubertät an, entwickelt sich bei ungefähr 30 % eine schmerzhafte Hodenentzündung. Sie kann in diesem Alter die Sperma bildenden Zellen schädigen, so dass eine Unfruchtbarkeit zurückbleiben kann. Eine weitere Komplikation ist die Bauchspeicheldrüsenentzündung; sie verläuft meist mild und zeigt sich durch Bauchschmerzen und Übelkeit.

Röteln

Die vom Röteln-Virus übertragenen Röteln (Rubella, Rubeola) sind für Kinder harmlos. Sie zeigen sich nach einer Inkubationszeit von 2–3 Wochen als geringfügige erkältungsähnliche Allgemeinbeschwerden, z. B. durch Abgeschlagenheit und leichtes Fieber. Eine Lymphknotenschwellung, vor allem hinter den Ohren und am Nacken, kann vorkommen.

Nur in 50 % der Fälle tritt ein typischer Ausschlag auf: Er ist hellrot, feinfleckig, die einzelnen Fleckchen sind dabei leicht erhaben. Meist beginnt der Ausschlag im Gesicht und breitet sich von dort nach unten über den Körper aus. Im Gegensatz zu den Masern laufen die einzelnen Flecken aber nicht zusammen. Der Ausschlag bildet sich in umgekehrter Reihenfolge nach etwa einer Woche zurück. Komplikationen, am häufigsten Gelenkbeschwerden oder eine Hirnhaut- bzw. Gehirnentzündung, sind sehr selten und verlaufen in aller Regel gutartig.

In der Schwangerschaft allerdings sind Röteln eine ernste Bedrohung: Die Viren gelangen vor allem in der Frühschwangerschaft leicht über den Mutterkuchen in den kindlichen Blutstrom. Schwere kindliche Schäden mit geistiger Behinderung, Schwerhörigkeit bzw. Taubheit, Sehbehinderung und/oder Herzfehlern sind in bis zu 50 % der Fälle die Folgen (Röteln-Embryopathie). Die Schwangere weiß oft gar nichts von der Infektion, da bei den Röteln die typischen Krankheitszeichen (wie etwa der Ausschlag) oft fehlen.

Pseudokrupp

Pseudokrupp (Krupphusten, subglottische stenosierende Laryngitis) ist eine für das Kleinkindalter typische Form der Kehlkopfentzündung. Unterhalb der Stimmbänder ist die Schleimhaut entzündet und so stark angeschwollen, dass der Luftweg eingeengt wird.

Da früher die Diphtherie auch als „Krupp“ bezeichnet wurde, wird diese im Erscheinungsbild ähnliche Form zur Abgrenzung Pseudokrupp genannt.

Meist tritt der Pseudokrupp im Rahmen eines bereits bestehenden Virusinfekts der oberen Luftwege auf, am häufigsten im Herbst und Winter. Fast immer sind die betroffenen Kinder zwischen ein und fünf Jahren alt, Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.

Abzugrenzen ist der Pseudokrupp gegenüber der etwa im gleichen Alter auftretenden, allerdings sehr viel schwerer verlaufenden Kehldeckelentzündung (Epiglottitis). Wegen der Impfung gegen Haemophilus influenzae B ist diese bakterielle Entzündung des Kehldeckels heute sehr selten. Im Gegensatz zum Pseudokrupp besteht hohes Fieber; die Kinder sind schwer krank und haben oft starke Schluckbeschwerden sowie eine „kloßige“ Sprache. Die betroffenen Kinder müssen rasch vom Notarzt ins Krankenhaus gebracht werden, da der Kehlkopf lebensgefährlich zuschwellen kann.

Leitbeschwerden

  • Vorbestehende Erkältungskrankheit
  • Leichtes Fieber
  • Heiserkeit sowie trockener, bellender Husten – meist plötzlich, abends oder nachts beginnend
  • Atemnot
  • Hörbare, oft pfeifende Geräusche beim Einatmen (Stridor).

Wann zum Arzt

Am nächsten Morgen, wenn das Kind in der Nacht einen Pseudokrupp-Anfall gehabt hat

Sofort, wenn

  • Die anfangs leichte bis mäßige Atemnot sich durch Selbsthilfemaßnahme nicht bessert
  • Das Kind schwere Atemnot hat oder seine Haut sich blass oder bläulich verfärbt
  • Das Kind unruhig oder schläfrig wird
  • Die Haut über den Schlüsselbeinen und zwischen den Rippen beim Atmen einsinkt
  • Das Kind hohes Fieber oder eine kloßige Sprache hat, oder wenn es nicht mehr schlucken kann und ihm Speichel aus dem Mund läuft; hier könnte eine Kehldeckelentzündung vorliegen.

Die Erkrankung

Hauptursache des Pseudokrupps sind Grippeviren, besonders Parainfluenza-Viren, gefolgt von Influenzaviren des Typs A. Die virusbedingte Entzündung lässt die Schleimhaut unter den Stimmbändern anschwellen und engt die bei Kindern ohnehin noch engen Luftwege ein – das Kind bekommt Luftnot.

Die meisten Kinder haben in ihrem Leben nur ein bis zwei Pseudokrupp-Erkrankungen. Bei manchen Kindern jedoch tritt der Pseudokrupp häufiger oder auch noch jenseits der typischen Altersperiode auf. Nicht selten handelt es sich dabei um Kinder, die auch zu einem Asthma bronchiale neigen.

Das macht der Arzt

Das Medikament erster Wahl bei einem Pseudokrupp-Anfall sind entzündungshemmende Kortisonzäpfchen (z. B. Rectodelt®), die allerdings erst nach etwa einer Stunde richtig wirken. Nebenwirkungen des Kortisons sind nicht zu befürchten, da das Medikament nur sehr kurzfristig angewendet wird.

Manchmal ist die Inhalation von Adrenalin oder Epinephrin (z. B. in InfectoKrupp® Inhal) notwendig, damit die geschwollene Kehlkopfschleimhaut abschwillt und die Luftwege in wenigen Minuten erweitert werden. Nebenwirkungen sind ein schneller Herzschlag und manchmal auch Zittrigkeit, die jedoch von Kindern in aller Regel leicht „weggesteckt“ werden.

Sehr selten muss ein Kind mit Pseudokrupp ins Krankenhaus eingewiesen werden, sei es zur Beobachtung oder, in ganz schwierigen Fällen, zur künstlichen Beatmung. Meist verläuft ein Pseudokrupp-Anfall gutartig; nicht selten aber wiederholt er sich in der folgenden Nacht. Deshalb ist es sinnvoll, sich nach einem ersten Anfall Kortisonzäpfchen vom Arzt verschreiben zu lassen, um gewappnet zu sein, falls sich das Geschehen wiederholt.

Selbsthilfe

Die Kinder wachen oft nachts mit Husten und Atemnot auf. Am besten beruhigen Sie das Kind (körperliche Anstrengung und Angst verschlimmern die Atemnot) und gehen mit ihm an ein offenes Fenster oder gleich an die frische Luft. Die kalte Luft lässt die Schleimhäute abschwellen. Hilft das nicht, so rufen Sie am besten den Notarzt.

Oft wird auch empfohlen, im Bad heißes Wasser in die Badewanne oder aus der Dusche laufen zu lassen, das ist nach neueren Studien aber wenig wirksam.

Komplementärmedizin

Es sind keine naturheilkundlichen Verfahren mit sicherer Wirkung bekannt. Ätherische Öle dürfen auf keinen Fall inhaliert werden, da diese die Schleimhaut reizen und dadurch die Schwellung verstärken können.

Vorsorge

Virusinfekte der oberen Luftwege lassen sich bei Kindern nie ganz vermeiden. Passivrauchen erhöht nachgewiesenermaßen die Häufigkeit von Erkältungen und belastet die Selbstheilungskräfte der kindlichen Schleimhäute. Deshalb sollte Rauchen in der ganzen Wohnung tabu sein.

Ringelröteln

Ringelröteln (Erythema infectiosum) betreffen vor allem Kindergartenkinder. Sie sind meist harmlos, können aber bei Infektionen in der Schwangerschaft das Ungeborene schädigen.

Die Inkubationszeit bei Ringelröteln liegt bei 4–18 Tagen. Schon unmittelbar nach der Ansteckung kann die Erkrankung weiter übertragen werden. Mit Auftreten des Ausschlags ist die Ansteckungsfähigkeit so gut wie vorüber.

Leitbeschwerden

  • Meist Erkältungszeichen, z. B. leichtes Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen
  • flächige Rötung beider Wangen („schmetterlingsförmig“). Ausbreitung des Ausschlags oft in einem girlandenförmigen Muster auf den übrigen Körper, vor allem auf die Streckseiten der Arme und Beine.

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag zum Kinderarzt, wenn Sie bei Ihrem Kind einen auf Ringelröteln verdächtigen Hautausschlag beobachten

Am nächsten Tag zum Frauenarzt, wenn Sie schwanger sind und Kontakt mit einem an Ringelröteln erkrankten Kind hatten.

Die Erkrankung

Ringelröteln werden vom Parvo-Virus B19 ausgelöst. Die Übertragung erfolgt wahrscheinlich über Tröpfchen und über die Hände. Die meisten Infektionen verlaufen unbemerkt. Treten Krankheitszeichen auf, so steht der Hautausschlag an erster Stelle. Selten können auch schmerzhafte Gelenkentzündungen entstehen, vor allem an den kleinen Gelenken; sie heilen fast immer vollständig aus.

Ernste Komplikationen bei Ringelröteln betreffen vor allem Kinder mit Blutarmut, wie etwa der Sichelzellanämie. Dies liegt daran, dass das Virus die Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen im Knochenmark befallen kann. Letztere können dann nicht mehr rasch genug gebildet werden. Als Folge verschlimmert sich die Blutarmut.

Das macht der Arzt

Sind Kinder betroffen, so sind keine speziellen ärztlichen Maßnahmen erforderlich. Bei Schwangeren sind möglicherweise Blutuntersuchungen nötig, die zum einen feststellen, ob eine Empfänglichkeit besteht, und zum anderen eine eventuelle Ansteckung nachweisen können. Eine Behandlung ist bei Ringelröteln nicht möglich.

Vorsorge

Vorbeugen kann man gegen Ringelröteln nicht. Eine Meidung des Erregers ist schwierig, da die Ansteckungsgefahr meist schon vorüber ist, wenn der Ausschlag bei jemand sichtbar wird.

Scharlach

Scharlach(Scarlatina) ist eine unter Kindergarten- und Schulkindern häufige Sonderform der Streptokokken-Angina (Eitrige Mandelentzündung). Scharlach unterscheidet sich weder im Verlauf noch den Leitbeschwerden und Komplikationen von der „normalen“ Streptokokken-Angina. Zusätzlich zu den typischen Halsbeschwerden und dem Fieber treten beim Scharlach jedoch Haut- und Schleimhauterscheinungen auf:

  • Die Zunge ist zuerst gelb-weißlich belegt, ab dem 3. bis 4. Tag stark gerötet mit verdickten Zungenknospen (Papillen); dies erklärt den Namen Himbeerzunge.
  • Ab dem 2. bis 3. Tag erscheint ein sandpapierartiger, also dicht stehender und kleinfleckiger Hautausschlag. Er beginnt in der Achsel- oder Leistenregion und greift von dort aus auf den übrigen Körper über.
  • Das Gesicht und insbesondere die Wangen sind gerötet, die Gegend um den Mund bleibt aber ausgespart („Milchbart“).
  • Nach 1–3 Wochen kann eine grobe Schuppung der Haut auftreten, insbesondere an Händen und Füßen.

Der unterschiedliche Verlauf bei Scharlach gegenüber der „normalen“ Angina erklärt sich so: Scharlach wird von bestimmten Streptokokkenstämmen ausgelöst, die im Gegensatz zu den anderen Streptokokken-Typen ein Toxin (= Giftstoff) produzieren, das den typischen Hautausschlag hervorruft. Der Verlauf der Erkrankung ist beim Scharlach nicht schlimmer als bei einer durch andere Streptokokken-Stämme ausgelösten Angina, und auch die Diagnose, Behandlung und vorbeugenden Maßnahmen sind dieselben. Ebenso hat der Scharlach mit der „normalen“ Streptokokken-Angina gemeinsam, dass man ihn im Laufe des Lebens mehrmals bekommen kann.

Windpocken

Windpocken (Varizellen) betreffen vor allem Kindergarten- und Grundschulkinder. Sie sind so ansteckend, dass 90 % aller 10-Jährigen die Erkrankung durchgemacht haben. Sie hinterlässt eine lebenslange Immunität.

Leitbeschwerden

  • Uncharakteristisches Vorstadium mit etwas Fieber, Müdigkeit und Unwohlsein
  • Danach entwickelt sich der charakteristische Hautausschlag: Kleine Flecken, die sich innerhalb eines Tages in Knötchen und dann rasch in Bläschen mit zuerst klarem und später trübem Inhalt verwandeln. Die Bläschen trocknen ein und heilen unter Krustenbildung ab. Sie können auch die Schleimhäute (etwa im Mund oder die Bindehaut des Auges) betreffen. In der ersten Woche schießen immer wieder neue Bläschen auf – es entsteht ein „Sternenhimmel“ aus neuen und alten Windpocken.

Wann zum Arzt

Heute noch, wenn

  • Sie nicht sicher sind, ob Ihr Kind Windpocken oder eine andere Krankheit hat
  • Sie den starken Juckreiz bei Windpocken selbst nicht in den Griff bekommen
  • Sich die Haut stark entzündet (Sie bemerken dann zunehmende Schwellung, Rötung und Eiterung)
  • Ihr Kind unter sechs Monate als ist.

Sofort, wenn Ihr Kind einen steifen Nacken, Krämpfe oder Gleichgewichtsstörungen bekommt oder teilnahmslos wird.

Die Erkrankung

Auslöser ist das Varizella-Zoster-Virus, das zur Gruppe der Herpes-Viren gehört. Es wird vor allem durch eine Tröpfcheninfektion, seltener auch durch Kontakt mit dem Bläscheninhalt übertragen. Die Inkubationszeit beträgt 11–21 Tage. Windpocken sind schon 1–2 Tage vor dem Ausbruch des Ausschlags und bis zum Eintrocknen der letzten Blase ansteckend.

Für sonst gesunde Kinder sind Windpocken nur selten gefährlich. Manchmal können sich die Bläschen eitrig entzünden, z. B. wenn ein Kind die Bläschen aufkratzt. Es bleiben dann öfter kleine Narben zurück. Ernste Komplikationen, z. B. eine Lungenentzündung oder eine Entzündung des Großhirns (Enzephalitis) oder Kleinhirns (Zerebellitis) sind extrem selten.

Stecken sich ältere Kinder und Erwachsene mit Windpocken an, verläuft die Erkrankung oft schwerer, mit Fieber, schwerem Krankheitsgefühl und auch starkem Hautbefall. Auch bei Kindern mit einer Neurodermitis kommen wegen der bereits vorgeschädigten Haut schwere Verläufe vor. Abwehrgeschwächte Kinder, z. B. etwa Kinder mit einer Leukämie, können sogar lebensbedrohlich erkranken.

Komplikation Neugeborenenvarizellen. Junge Säuglinge erkranken in der Regel nicht an Windpocken, da sie durch die von der Mutter in der Schwangerschaft übertragenen Abwehrstoffe (Antikörper) geschützt sind. Wenn eine bisher nicht an Windpocken erkrankte Mutter aber fünf Tage vor bis zwei Tage nach der Entbindung an Windpocken erkrankt, fehlt dem Neugeborenen dieser Nestschutz, und es erkrankt möglicherweise sehr schwer. Diese Neugeborenen müssen noch vor Ausbruch der Bläschen mit Antikörpern und virenhemmenden Mitteln (Virostatika) behandelt werden.

Komplikation Varizellenembryopathie. Erkrankt eine Schwangere in den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln (vor allem in der 8.–21. Woche) an Windpocken, ist eine Schädigung des Ungeborenen möglich, aber glücklicherweise sehr selten.

Mögliche Folge: Herpes zoster

Wie alle Herpes-Viren kann auch das Varizella-Zoster-Virus nach der akuten Erkrankung im Körper bleiben. Im Laufe des Lebens kann es reaktiviert werden und eine Gürtelrose verursachen. Hiervon sind besonders Krebspatienten betroffen. Sie erkranken etwa doppelt bis achtmal häufiger an Gürtelrose als gesunde Menschen. Aber auch Bluthochdruck, Diabetes, Niereninsuffizienz oder rheumatoide Arthritis erhöhen das Risiko, eine Gürtelrose zu bekommen.
Da beide Erkrankungen – Windpocken und Gürtelrose – vom gleichen Virus ausgelöst werden, kann also z. B. die Großmutter durch ihre Gürtelrose ihren Enkel mit Windpocken anstecken.

Das macht der Arzt

Die Diagnose „Windpocken“ ist eine Blickdiagnose. Bei sonst gesunden Kindern ist keine Therapie erforderlich. Stört der Juckreiz sehr, kann der Arzt Lotionen (z. B. Tannosynth® oder Anaesthesin®) oder in schweren Fällen Antihistaminika als Tropfen verschreiben. Letztere helfen gegen den Juckreiz und machen zudem etwas müde und sorgen damit für einen besseren Schlaf. Entzünden sich aufgekratzte Bläschen eitrig, verordnet der Arzt Antibiotika.

Das virenhemmende Medikament Aciclovir (z. B. Zovirax®) wird nur bei abwehrgeschwächten Kindern mit einem besonders hohen Komplikationsrisiko oder bei Neugeborenen-Varizellen gegeben.

Selbsthilfe

Hauptproblem ist bei Windpocken meist der Juckreiz, der mit frei verkäuflichen Lotionen (z. B. Lotio alba) gelindert werden kann. Auch kurz aufgelegte kühle Umschläge werden oft als lindernd empfunden. Auf Bäder sollte verzichtet werden, da die Bläschen im Bad aufweichen und dann leichter aufgekratzt werden (begünstigt die Narbenbildung). Die Kleidung sollte möglichst locker sitzen und nicht scheuern. Wärme und Schwitzen verstärken den Juckreiz. Den betroffenen Kindern sollten am Besten die Fingernägel kurz geschnitten werden.

Vorsorge

Die Impfung gegen Windpocken ab einem Alter von 11 Monaten gehört zu den empfohlenen Regelimpfungen. Seit Juli 2009 empfiehlt die STIKO eine Auffrischungsimpfung im Alter von 15 bis 23 Monaten. Viele Kinderärzte sehen die Impfung jedoch als ein zweischneidiges Schwert: Zu befürchten ist, dass natürliche Windpockeninfektionen immer seltener auftreten, und sich dadurch nichtgeimpfte Kinder erst spät, eventuell sogar erst im Erwachsenenalter oder in der Schwangerschaft anstecken. Der Verlauf der Krankheit ist dann oft schwer, und es drohen eher Komplikationen.

News

Brandverletzungen im Haushalt
Brandverletzungen im Haushalt

Risiko besonders zur Weihnachtszeit

Ob Kaminfeuer, brennende Kerzen oder die Tasse heißer Glühwein: Zur Weihnachtszeit tun sich im Haushalt viele Gefahrenquellen für Verbrennungen und Verbrühungen auf. Wie sich Risiken minimieren lassen.   mehr

Antibiotika wie lange einnehmen?
Antibiotika wie lange einnehmen?

Einnahmedauer mit Arzt absprechen

Antibiotika werden häufig länger eingenommen als notwendig. Doch ein zu frühes Absetzen ist mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Hinweise zur optimalen Einnahmedauer.   mehr

Bildschirmlicht stört Schlaf
Bildschirmlicht stört Schlaf

Kinderaugen besonders empfindlich

Heranwachsende, die häufig digitale Medien nutzen, schlafen weniger und schlechter. Forscher sind sich mittlerweile sicher, woran das liegt: an den hell strahlenden Bildschirmen.   mehr

„Raucherbein“ auf dem Vormarsch
„Raucherbein“ auf dem Vormarsch

Neue Leitlinien zur pAVK-Behandlung

Auch wenn sie im Volksmund als Raucherbein bekannt ist: Von der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) sind nicht nur Raucher betroffen. Nun wurden die Behandlungsleitlinien aktualisiert.   mehr

Abendessen ohne Kohlenhydrate?
Abendessen ohne Kohlenhydrate?

Was wirklich beim Abnehmen hilft

„Low Carb“ und „No Carb“ liegen im Trend: Vor allem beim Abendessen verzichten mittlerweile viele Abnehmwillige auf kohlenhydratreiche Kost. Doch purzeln ohne Brot und Nudeln tatsächlich über Nacht die Pfunde?   mehr

Alle Neuigkeiten anzeigen

Produkte

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Ihren Arzt oder Apotheker (bei Tierarzneimitteln Ihren Tierarzt).

Beratungsclips

Antibiotikumsaft mit Löffel

Antibiotikumsaft mit Löffel

Dieses Video zeigt Ihnen kurz und verständlich, wie Sie einen Antibiotikumsaft mit einem Dosierlöffel richtig einnehmen. Der Clip ist mit Untertiteln in Russisch, Türkisch, Arabisch, Englisch und Deutsch verfügbar.

Wir bieten Ihnen viele unterschiedliche Beratungsclips zu erklärungsbedürftigen Medikamenten an. Klicken Sie einmal rein!

Spitzweg-Apotheke
Inhaber Dr. Stefanie Brandt
Telefon 0531/23 80 70
E-Mail mail@spitzweg-apo-online.de