Magen und Darm


Erkrankungen des Dünn- und Dickdarms

Blinddarmentzündung

Akute Blinddarmentzündung (Appendizitis): Akute Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendix vermiformis) des Blinddarms, des ersten Dickdarmabschnitts im rechten Unterbauch, der blind endet. Sie tritt besonders häufig im Kindes- und Jugendalter auf. Um einen lebensgefährlichen Blinddarmdurchbruch zu vermeiden, muss der Wurmfortsatz rasch entfernt werden. Aus diesem Grund wurden früher, als es noch keinen Bauchultraschall gab, viel zu viele vermeintliche Blinddarmentzündungen operiert, die häufig nur harmlose Nabelkoliken waren. Die Operation ist heute sicher und risikoarm.

Wenn von Blinddarmentzündung gesprochen wird, ist immer die akute Blinddarmentzündung gemeint. Von dieser abzugrenzen ist die chronische Blinddarmentzündung, bei der wiederholt leichte, akute Blinddarmentzündungen auftreten, die aber spontan wieder heilen. Trotzdem kann es durch die entzündlichen Sekrete zu Verklebungen und Verwachsungen im rechten Unterbauch und dadurch zu Einengungen und Verwachsungen des Wurmfortsatzes mit der Bauchdecke kommen, was die Gefahr eines späteren mechanischen Darmverschlusses erhöht.

Leitbeschwerden

  • Beginn der Schmerzen typischerweise in der Magengegend oder um den Bauchnabel, erst nach einigen Stunden wandert der Schmerz in den rechten Unterbauch
  • Dumpfer lokaler Druckschmerz im rechten Unterbauch
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Leichtes Fieber (~ 38 °C), typischerweise ist das rektale Fieber deutlich stärker als das unter der Achsel gemessene, Temperaturdifferenz mindestens 1 °C.

Bei Säuglingen kann man naturgemäß die typischen Beschwerden nicht feststellen, bei Schwangeren können sie völlig falsch gedeutet werden und bei älteren Menschen sind sie oft nur gering ausgeprägt.

Wann zum Arzt

Heute noch, wenn

  • Schmerzen im rechten Unterbauch nicht aufhören, besonders wenn sie in der Magen- oder Bauchnabelregion begonnen haben
  • Zusätzlich Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Unwohlsein bestehen.

Sofort ins Krankenhaus, wenn

  • Die Schmerzen im rechten Unterbauch unerträglich stark werden
  • Der Bauch sich hart anfühlt
  • Sich der Zustand zunehmend verschlechtert.

Die Erkrankung

Die Bezeichnung "Blinddarmentzündung" ist nicht ganz korrekt, da es sich um eine Entzündung des Wurmfortsatzes des Blinddarms und nicht des Blinddarms selbst handelt. Mehr als 5 % aller Menschen werden in Deutschland im Laufe ihres Lebens wegen einer akuten Blinddarmentzündung operiert, meist im Kindesalter. Obwohl sie so häufig vorkommt, ist noch immer nicht ganz geklärt, was zu dieser Entzündung führt. Als Anfangsursache wird eine Verlegung des Wurmfortsatzes vermutet, z. B. durch Abknicken des Blinddarms, durch ein verfestigtes Stück Stuhl, einen Fremdkörper oder den Befall mit Würmern. Die dadurch im verlegten Blinddarm eingeschlossenen Bakterien vermehren sich und lösen eine eitrige Entzündung aus. Schreitet die Entzündung unbemerkt fort, kann der Wurmfortsatz platzen und die Entzündung breitet sich in den Bauchraum aus; es droht eine Bauchfellentzündung (Peritonitis). Manchmal bleibt der Durchbruch auch auf die Umgebung des Blinddarms begrenzt und es bildet sich eine Eiteransammlung um den Wurmfortsatz (perityphlitischer Abszess) oder im tiefsten Abschnitt des Beckens (Douglas-Abszess). Beide Abszessformen müssen operiert werden.

Es gibt keine eindeutigen Symptome für eine akute Blinddarmentzündung. Charakteristisch ist der Schmerzbeginn in der Magengegend oder um den Bauchnabel, wobei die Schmerzen innerhalb von einigen Stunden in den rechten Unterbauch wandern. Bei Kindern ist das wichtigste Symptom oft fehlender Appetit. Das Fieber steigt in der Regel nicht über 39 °C, und in 50 % der Fälle kann eine Temperaturdifferenz von über 1 °C zwischen der Messung in der Achselhöhle und im Enddarm festgestellt werden. Häufig treten Übelkeit und Erbrechen auf, Stuhlunregelmäßigkeiten sind selten.

Bei älteren Menschen sind die Krankheitszeichen oft nur gering ausgeprägt. Bei Schwangeren können die Schmerzen durch Verlagerung des Blinddarms auch im rechten Ober- oder Mittelbauch auftreten.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Die Diagnose „akute Blinddarmentzündung“ ist schwierig und erfordert viel ärztliche Erfahrung. Es kommen verschiedene Erkrankungen in Betracht, die ähnliche Beschwerden machen, wie die Blinddarmentzündung. Die Diagnose basiert heute im Wesentlichen auf zwei Elementen:

  • Den Schmerzpunkten: Bei unklaren Bauchschmerzen tastet der Arzt den Bauch vorsichtig ab und drückt auf bestimmte Punkte im rechten Unterbauch, die bei einer Blinddarmentzündung Schmerzen hervorrufen. Besonders charakteristisch ist der Loslassschmerz, der entsteht, wenn die Hand des Untersuchers langsam den rechten Unterbauch eindrückt und dann rasch loslässt. Auch die Austastung des Enddarms ist für den Betroffenen schmerzhaft, ebenso der Druck auf einen Punkt im linken Unterbauch und der anschließende Loslassschmerz, das Ausstreichen des Dickdarms in Richtung Blinddarm sowie das Anheben des rechten Oberschenkels gegen einen Widerstand oder das Hüpfen auf dem rechten Bein.
  • Dem Bauchultraschall: Moderne, hoch auflösende Geräte erlauben in vielen Fällen die eindeutige Diagnose und können in anderen Fällen zumindest sonstige Erkrankungen als Ursache der Beschwerden ausschließen.

Ist der Blinddarm z. B. durch Darmgasüberlagerung im Ultraschall nicht einzusehen, kann ein CT die Diagnose sichern.

Laborwerte, so z. B. die Entzündungszeichen wie CRP, ergänzen die Diagnostik. Einen einfachen Urintest zur Diagnosesicherung entwickeln derzeit Wissenschaftler des Children's Hospital in Boston. Sie haben ein Protein identifiziert, das auf Blinddarmentzündung schließen lässt.

Therapie. Bei Kindern ist die operative Entfernung des Wurmfortsatzes im Fall einer akuten Entzündung unumgänglich. Sie wird möglichst innerhalb von 48 Stunden nach Schmerzbeginn in Vollnarkose durchgeführt. Neben dem klassischen Bauchschnitt bevorzugen viele Chirurgen mittlerweile das minimal-invasive Verfahren über eine Laparoskopie (Bauchspiegelung). Meist muss der Patient mit einem Krankenhausaufenthalt von einer Woche rechnen. Danach sollte er sich noch für einige Wochen schonen und auf das Tragen schwerer Lasten verzichten. Wenn eine sofortige Operation nicht möglich ist, wird der Patient zunächst mit Bettruhe und Antibiotika vorbehandelt und dann später operiert.

Leiden Erwachsene an einer leichten Blinddarmentzündung, plädieren inzwischen einige Experten dafür, zunächst unter stationärer Beobachtung eine Antibiotikatherapie einzuleiten. Studien weisen darauf hin, dass dies bei einer Mehrheit der erwachsenen Patienten ausreicht. Umstritten ist jedoch, ob sich dadurch das Risiko für eine Peritonitis (Bauchfellentzündung) erhöht.

Therapie des Blinddarmdurchbruchs. Auch beim Blinddarmdurchbruch wird sofort operiert; der Eiter wird abgesaugt und der Bauchraum wird gespült. Zur Verhinderung einer Bauchfellentzündung werden bereits zu Beginn der Operation und anschließend für mehrere Tage über Infusionen hochwirksame Antibiotika gegeben.

Komplikationen. Bei einer frühzeitigen Operation sind Komplikationen selten. Nach der Operation können allerdings bei der Narbenbildung manchmal Darmschlingen miteinander verkleben, oder es bilden sich Narbenstränge, die den Darm einengen (Briden, Darmschlingenverwachsungen). Im Extremfall kann es zu einem Darmverschluss (Bridenileus) kommen, der eine erneute Operation zur Lösung der Verwachsungen notwendig macht.

Blähungen

Blähungen (Meteorismus): Übermäßige Füllung von Magen und Darm mit Luft und anderen Gasen, die mit Völlegefühl, Darmgeräuschen und gehäuftem Abgang von Winden einhergeht. Meist haben Blähungen keinen Krankheitswert. Die Ursachen sind vielfältig; oft sind vorübergehende Blähungen eine Reaktion auf den Verzehr von Lebensmitteln, die eine verstärkte Gasproduktion bewirken. Blähungen treten auch bei einem Reizmagen oder Reizdarm auf; nur selten sind plötzlich auftretende Blähungen Anzeichen einer ernsten Erkrankung.

Zur Behandlung chronischer Blähungen reichen Verhaltensänderungen meist aus. Liegt eine Erkrankung zugrunde, muss diese behandelt werden. Leidet der Betroffene lediglich an stark gehäuften Windabgängen, spricht der Mediziner von Flatulenz; dabei gelten immerhin 24 Windabgänge pro Tag noch als normal.

Leitbeschwerden

  • Völlegefühl, Aufgeblähtsein
  • Vermehrter Abgang von Winden
  • Gelegentlich Druck oder Schmerz, vor allem im rechten oder linken Oberbauch
  • Rumorende Darmgeräusche.

Die Erkrankung

Blähungen sind weit verbreitetet und verschwinden meist schnell wieder. Es gibt aber auch Menschen, die ständig unter einem geblähten Bauch leiden und sich nicht zuletzt durch die häufigen nicht steuerbaren, oft hörbaren und unangenehm riechenden Windabgänge in ihrem täglichen Leben und in ihren sozialen Kontakten stark beeinträchtigt fühlen. Doch selten liegt den Blähungen eine ernste Krankheit zugrunde.

Ursachen chronischer Blähungen. Das meiste Gas, das sich im Darm sammelt, stammt aus der Luft, die man unbewusst beim Essen und Trinken verschluckt. Bei jedem Schluck gelangen 2–3 ml Luft in den Magen. In Stress- und Angstsituationen, bei hastigem Essen und Trinken, übermäßigem Konsum von kohlensäurehaltigen Getränken, bei trockenem Mund und auch bei vermehrter Speichelbildung (Kaugummikauen) ist der Anteil der verschluckten Luft noch weitaus höher. Auch beim tiefen Einatmen kann Luft in den Magen gelangen, und nicht zuletzt enthalten auch viele Lebensmittel Luft.

Ebenso können die Darmbakterien im Dickdarm große Gasmengen bilden, wenn schwer verdauliche Kohlenhydrate (z. B. Bohnen, Linsen, Erbsen, Zwiebeln oder Kohl) gegessen wurden, die weitgehend unverdaut den Dünndarm passiert haben und in den Dickdarm gelangen. Zudem fördern einige Fertiggerichte und Konservenkost die Neigung zu Blähungen, wenn Sie mit blähenden Zutaten zubereitet sind. Bei Krankheiten wie der Zöliakie oder einer Milchzuckerunverträglichkeit werden bestimmte Kohlenhydrate im Dünndarm nicht verdaut und gelangen in den Dickdarm, wo sie unter Gasbildung von den Darmbakterien abgebaut werden.

Ein Teil der verschluckten Luft und des im Darm gebildeten Gases wird normalerweise über die Darmschleimhaut aufgenommen und über das Blut abtransportiert. Einige Krankheiten, z. B. ein Pfortaderhochdruck (bei Leberzirrhose) oder eine Rechtsherzschwäche, behindern die Gasaufnahme und führen so zu Blähungen.

Die im Darm verbliebenen Gase gelangen schließlich über den Anus als Windabgang nach draußen.

Das macht der Arzt

Bei plötzlich einsetzenden Blähungen setzt der Arzt zur Ursachenklärung verschiedene Untersuchungen wie Bauchultraschall, Abdomenleeraufnahme und CT ein. Chronische Blähungen rufen bei den Betroffenen meist die Angst hervor, sie könnten unter einer schweren Krankheit leiden. Hier ist es die Aufgabe des Arztes, eine solche Erkrankung auszuschließen und die Betroffenen über die Harmlosigkeit ihrer Beschwerden zu informieren.

Wenn die Blähungen besonders hartnäckig sind, werden Medikamente wie Simeticon (SAB simplex®, Lefax®) eingesetzt; ihr Nutzen ist jedoch gering. Bei schmerzhaften „eingeklemmten Winden“ können kurzfristig entkrampfende Mittel wie Butylscopolamin (z. B. Buscopan®) helfen, die bei häufigerem Gebrauch jedoch selbst Blähungen hervorrufen.

Vorsorge

Luftschlucken vermeiden. Übermäßiges Verschlucken von Luft lässt sich vermeiden, indem Sie in Ruhe und mit Genuss essen, kleine Bissen zu sich nehmen und gründlich kauen. Hilfreich kann auch sein, viele kleine Mahlzeiten einzunehmen, beim Essen möglichst wenig zu sprechen und nach den Mahlzeiten einen Verdauungsspaziergang zu machen.

Verzicht auf blähende Lebensmittel. Meiden Sie blähende Lebensmittel wie Kohl, Zwiebeln, Knoblauch, Bohnen, Aprikosen, Kirschen, Beeren und kohlensäurehaltige Getränke (z. B. Mineralwasser, Bier, Sekt).

Kein Kaugummi, keine Zigaretten. Verzichten Sie auf Kaugummikauen und hören Sie mit dem Rauchen auf.

Selbsthilfe

Entblähende Kräutertees. Bei akuten Blähungen verschaffen Teeaufgüsse mit Kümmel, Pfefferminze, Fenchel, Anis oder Ingwer Linderung. Ebenso werden Kümmelöl oder Pfefferminzöl (z. B. kombiniert in Enteroplant®-Kapseln) traditionell zur Linderung von Blähungen eingesetzt.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED): Sammelbegriff für die chronischen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa mit jahrelangen Bauchschmerzen und Durchfällen, oft begleitet von starker Abgeschlagenheit. Sie treten gehäuft zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf, aber auch Kinder und Jugendliche können schon betroffen sein.

Beide Erkrankungen verlaufen schubweise. Gefürchtet und gefährlich sind die Komplikationen bei diesen Erkrankungen. Bei der Colitis ulcerosa kann es zu einer Überdehnung des Dickdarms (toxisches Megakolon) mit der Gefahr des Darmdurchbruchs kommen, zu einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung sowie zu starken Blutungen. Beim Morbus Crohn besteht die Gefahr eines Darmverschlusses aufgrund von Darmverengungen. Ebenso kommt es zu Darmfisteln (offene Verbindungsgänge zwischen verschiedenen Darmabschnitten und anderen inneren Organen oder der Körperoberfläche) und zu Abszessen, u. a. im Analbereich (Analabszess). Bei beiden Erkrankungen, besonders bei der Colitis ulcerosa, ist das Darmkrebsrisiko erhöht. Bei beiden Erkrankungen lassen sich die Beschwerden mit Medikamenten und operativen Maßnahmen lindern und Komplikationen zumindest teilweise vermeiden. Der Morbus Crohn ist bisher nicht heilbar; die Colitis ulcerosa könnte durch operative Entfernung des gesamten Dickdarms inklusive des Enddarms geheilt werden.

Leitbeschwerden

Morbus Crohn:

  • Regelmäßig auftretende, oft schleimige Durchfälle, meist ohne Blut
  • Wiederkehrende Bauchschmerzen, oft im rechten Unterbauch, ähnlich wie bei einer Blinddarmentzündung
  • Manchmal Gewichtsverlust und leichtes Fieber.

Colitis ulcerosa:

  • Blutige, schleimige Durchfälle
  • Bauchschmerzen, oft krampfartig vor der Stuhlentleerung
  • Gewichtsverlust
  • Eventuell Fieber.

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn der Durchfall mehr als 3 Tage lang anhält, ohne Tendenz zur Besserung.

Am gleichen Tag, wenn die Durchfälle blutig sind, starke Bauchschmerzen hinzu kommen oder Fieber ohne plausible Ursache auftritt.

Die Erkrankungen

Morbus Crohn

Beim Morbus Crohn handelt es sich um eine Entzündung, die alle Schichten der Darmwand betrifft, wobei entzündete Darmabschnitte sich mit entzündungsfreien Bereichen abwechseln. Die Ursache ist unbekannt. Aktuellen Forschungen zufolge konnte nachgewiesen werden, dass Morbus-Crohn- Patienten einen Defensinmangel in der Darmwand haben. Defensine sind körpereigene Antibiotika. Die Forscher vermuten eine Autoimmunerkrankung bzw. eine gestörte Immunreaktion aufgrund einer genetischen Disposition, eventuell ausgelöst durch einen Infekt.

Für die Colitis ulcerosa trifft das nicht zu, hier wird weiter geforscht. Momentan diskutiert man eine veränderte Zusammensetzung des Schleims bzw. der Schleimhaut, die den Defensinen nicht ermöglicht, ihre Wirkung zu entfalten. Die beim M. Crohn zu wenig gebildeten Defensine führen zu einer geschwächten Immunabwehr der Darmschleimnhaut. Diese begünstigt eine Besiedelung der Wandschichten mit Bakterien, die wiederum für die chronische Entzündung verantwortlich gemacht werden.

Meistens sind das letzte Stück des Dünndarms (Ileum) und der sich daran anschließende Dickdarmabschnitt von der Krankheit betroffen. In etwas selteneren Fällen ist nur der Dünndarm oder der Dickdarm erkrankt. Prinzipiell kann der Morbus Crohn aber in jedem Abschnitt vom Mund bis zum Anus auftreten. Bei den meisten Patienten treten als erste Symptome der Krankheit wiederkehrende Bauchschmerzen und Durchfälle auf, eventuell begleitet von Fieber. Meist sind die Schmerzen im rechten Unterbauch lokalisiert; dort ist oft auch eine schmerzhafte Verhärtung zu ertasten. Bei einigen Patienten macht sich die Krankheit erst durch eine ihrer Komplikationen bemerkbar, z. B. durch Fistelgänge im Anal- und Vaginalbereich (Analfistel). Diese Fisteln oder Verbindungsgänge bilden sich zwischen den entsprechenden Entzündungsherden im Darm und Anus, in den Harnwegen oder der Scheide. Als weitere Komplikation bilden sich oft Vereiterungen im Darm sowie im Analbereich (Analabszess).

Wenn die entzündeten Stellen heilen, bleiben Narben zurück, die den Darm verengen können. Eine daraus entstehende Komplikation ist der Darmverschluss.

Bei ausgeprägtem Befall oder wenn größere Teile des Dünndarms herausoperiert werden mussten, kann es aufgrund der mangelhaften Aufnahme von Nährstoffen zu Gewichtsverlust, Blutarmut und anderen Mangelerscheinungen kommen. Darüber hinaus gibt es Nebenwirkungen durch die Therapie (z. B. Osteoporose wegen der Kortisonpräparate) und ein mäßig erhöhtes Darmkrebsrisiko.

Colitis ulcerosa

Bei der Colitis ulcerosa sind nur die oberflächlichen Schleimhautschichten der Darmwand von der Entzündung betroffen. Es entstehen Geschwüre, die leicht bluten. Die Erkrankung beginnt meistens im Enddarm und schreitet dann oft über den Dickdarm in Richtung Blinddarm fort. Bei vielen Menschen ist ausschließlich der Enddarm von der Erkrankung betroffen; bei einem Viertel der Erkrankten ist der ganze Dickdarm befallen. Bei den meisten Betroffenen (85 %) verläuft die Erkrankung in Schüben mit beschwerdefreien Perioden, die sich über Jahre erstrecken können. Bei 10 % der Patienten fehlen dagegen beschwerdefreie Abschnitte. In 5 % der Fälle nimmt die Krankheit einen sehr schweren Verlauf mit plötzlichem Beginn, massiven Durchfällen, hohen Temperaturen und Wasserverlust bis hin zum Kreislaufschock; diese schweren Verläufe können tödlich sein.

Während eines Krankheitsschubs leiden die Patienten unter blutigen und schleimigen Durchfällen, die bis zu 30-mal am Tag auftreten können. Hinzu kommen krampfartige Bauchschmerzen und eventuell Fieber. Die Patienten nehmen ab und entwickeln manchmal auch Beschwerden außerhalb des Magen-Darm-Bereichs wie Gelenk-, Augen- und Hautentzündungen sowie primär sklerosierende Cholangitis. Ist die Erkrankung auf den Enddarm beschränkt, weisen manchmal lediglich Schleimabgänge mit Blutbeimengungen auf die Krankheit hin. Bedrohliche Komplikationen sind Darmblutungen und das toxische Megakolon. Dabei haben die Entzündungen die Darmwand so stark geschädigt, dass es zu einer Darmlähmung kommt. Die Wandmuskeln erschlaffen; der Darminhalt wird nicht weitertransportiert und der Darm erweitert sich stark. Es kommt zu hohem Fieber und oft Zeichen einer Bauchfellentzündung. Wird nicht rasch operiert, droht ein lebensbedrohlicher Darmdurchbruch. Die Gefahr, an Dickdarmkrebs zu erkranken, ist bei einer lang andauernden Colitis ulcerosa stark erhöht; die Ärzte rechnen mit einer Entartung nach 10 Jahren chronisch aktiver Colitis ulcerosa.

Außerhalb des Darms gelegene Entzündungsherde

Bei 15 bis 20 % der Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sind Gelenke betroffen. Es handelt sich um eine entzündliche rheumatische Erkrankung der Wirbelsäule oder asymmetrisch einzelner großer Gelenke der Beine. Der Arzt spricht von einer Arthritis bei chronisch entzündlicher Darmerkrankung.

Man unterscheidet zwei Formen: Typ I tritt parallel zu akuten Schüben der Darmerkrankung auf. Entsprechend verschwinden die Gelenkentzündungen mit der erfolgreichen Behandlung der Darmentzündung. Gelenkzerstörungen treten praktisch nicht auf.

Beim Typ II sind mehr als fünf Gelenke betroffen. Die teilweise über Jahre anhaltenden Symptome treten unabhängig von der Aktivität der Darmentzündung auf. Gelenkzerstörungen sind möglich. Generell können die rheumatischen Symptome den Darmbeschwerden (Bauchschmerzen, Durchfälle und Gewichtsverlust) Monate bis Jahre vorausgehen.

Zur Arthritis können Entzündungen der Augen (Regenbogenhautentzündung), der Haut (Erythema nodosum), der Mundschleimhaut und der Gallengänge (primär sklerosierende Cholangitis) hinzukommen.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Da die Anzeichen einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung zu Beginn oft uncharakteristisch sind, führt der Arzt zunächst Blut- und Stuhluntersuchungen, eine genaue Untersuchung des Analbereichs, eine Tastuntersuchung des Enddarms sowie einen Bauchultraschall durch. Für die sichere Diagnose ist aber eine Spiegelung des Darms mit Entnahme von Gewebeproben zur feingeweblichen Untersuchung nötig, da nur so die charakteristischen Veränderungen nachgewiesen werden können. Wurde dabei festgestellt, dass ein Morbus Crohn vorliegt, müssen auch der Dünndarm – mithilfe einer speziellen Röntgenkontrastmittel-Untersuchung oder einem Kernspin – sowie der Magen und die Speiseröhre mithilfe einer Magenspiegelung auf weitere Befallsorte der Krankheit abgesucht werden.

Medikamentöse Therapie. Bei der Colitis ulcerosa können leichte und mittelschwere Schübe ambulant behandelt werden. Wenn die Durchfälle jedoch sehr häufig sind und Fieber hinzukommt, lässt sich ein Krankenhausaufenthalt meist nicht vermeiden. Ziel der in beiden Fällen erfolgenden Therapie ist, die Entzündung mit entzündungshemmenden Medikamenten so weit wie möglich zurückzudrängen. Bei leichteren Schüben wirkt Mesalazin, ein lang wirksamer Abkömmling der 5-Aminosalizylsäure (5-ASA; z. B. Claversal®, Salofalk®), meist ausreichend. Dieses Präparat wird bei leichterem Krankheitsverlauf in niedriger Dosis auch zur Aufrechterhaltung der beschwerdefreien Phase gegeben; diese Dauertherapie verringert darüber hinaus das Darmkrebsrisiko um bis zu 75 %. Ist nur der Enddarm oder der untere Dickdarm befallen, kann diese Substanz in Form von Zäpfchen, Einläufen, am besten aber als Rektalschaum angewendet werden. Bei einem schwereren Schub setzt der Arzt zumindest zeitweise Kortisonpräparate ein, die kurzfristig auch in höherer Dosis recht gut vertragen werden. Auch diese Mittel können bei einer auf den Enddarm oder den unteren Dickdarm beschränkten Entzündung als Einlauf oder Schaum in den Darm eingebracht werden. Bei sehr schwerem Verlauf, hochakutem Schub einer Colitis ulcerosa oder bei fehlendem bzw. nicht ausreichendem Ansprechen eines Morbus Crohn auf Kortisonpräparate werden Immunsuppressiva eingesetzt, die über eine Unterdrückung der Abwehrfunktionen die Entzündung hemmen. Beim Morbus Crohn werden Azathioprin, 6-Mercaptopurin oder Antikörper gegen Entzündungsfaktoren (Infliximab, z. B. Remicade®), bei der Colitis ulcerosa Ciclosporin A oder Azathioprin gegeben.

Wird 5-ASA als Dauerbehandlung nicht vertragen, gibt der Arzt lebende, nicht pathogene Escherichia-coli-Stämme (z. B. Mutaflor), um eine funktionsfähige Darmflora zu stabilisieren. Zur Aufrechterhaltung der beschwerdefreien Phase nach einem schweren Schub, der nur mit Ciclosporin A gebessert werden konnte, wird als Dauertherapie Azathioprin eingesetzt.

Fisteln und Abszesse bei Morbus Crohn können unter einer Antbiotikabehandlung völlig abheilen. In schweren Fällen können eventuell auch hier monoklonale Antikörper gegen den Entzündungsfaktor TNF alpha (Infliximab) helfen. Mit den Darmentzündungen einhergehende Durchfälle lassen sich mit Loperamid (z. B. Imodium®) oder Colestyramin stoppen.

Operative Therapie. Wenn Medikamente nicht weiterhelfen oder Komplikationen wie Blutungen, Darmverengung mit drohendem Darmverschluss, ausgedehnte Fisteln und Eiteransammlungen auftreten, ist bei beiden Erkrankungen eine Operation unumgänglich. Dabei werden die am stärksten betroffenen Darmabschnitte entfernt. Beim Morbus Crohn operiert der Arzt so spät und so wenig wie möglich, um zusätzliche Probleme durch den verkürzten Darm zu vermeiden. Wundheilungsstörungen wie nicht heilende Darmnähte und neu auftretende Fisteln und Abszesse sind nicht selten.

Wenn bei der Colitis ulcerosa akute Notsituationen wie ein toxisches Megakolon, massive Blutungen oder ein Darmdurchbruch auftreten, werden Enddarm und Dickdarm vollständig entfernt. Die Erkrankung ist sogar heilbar, d. h. der Patient lebt frei von Durchfällen und Bauchschmerzen. Dazu ist die Anlage eines ileoanalen Pouches, einer künstlichen Verbindung zwischen unterem Dünndarm (Ileum) und Anus notwendig. Meist gelingt es, den Schließapparat zu erhalten, so dass der Patient weiterhin die Kontrolle über seinen Stuhlgang hat. Dabei wird als Stuhlreservoir vor dem Schließmuskel aus Dünndarm eine neue Reservoirzone in Form eines Beutels (Pouch) gebildet.

Komplikationen der Operationen. Nach ausgedehnten Dünndarmoperationen drohen Verdauungsstörungen, da nicht genügend Darmschleimhaut zur Verfügung steht, um die Nahrungsbestandteile in den Körper aufzunehmen. Neben Gewichtsverlust treten oft weitere Mangelerscheinungen durch ungenügende Aufnahme von Vitaminen (z. B. Anämie durch Vitamin- B12-, Eisen- und Folsäuremangel) und weitere Beschwerden auf, die jeweils zusätzlich zur Grundkrankheit behandelt werden müssen.

Entzündungen am Reservoir des ileoanalen Pouches (Pouchitis) treten in 15 % der Fälle nach 1 Jahr und in bis zu 45 % innerhalb von 10 Jahren auf; sie können mit Metronidazol® meist gut behandelt werden.

Prognose

Mit dem Entfernen des gesamten End- und Dickdarms ist die Colitis ulcerosa geheilt; alle Symptome dieser Krankheit sind verschwunden. Leider ist der Morbus Crohn bisher nicht heilbar. Eine gute Therapie kann aber die Beschwerden lindern, so dass der Patient ein weitgehend normales Leben führen kann. Bei manchen Patienten nimmt die Krankheitsaktivität mit zunehmendem Alter ab. Bei der Colitis ulcerosa kommt es oft zu (manchmal jahrelangen) krankheitsfreien Intervallen.

Die Lebenserwartung ist bei beiden Erkrankungen meist normal, dies gilt bei der Colitis ulcerosa insbesondere wenn die Entzündung auf den Enddarm und den unteren Dickdarm beschränkt bleibt. Nach langjährigem Krankheitsverlauf steigt das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken; Deshalb müssen regelmäßige, jährliche Darmspiegelungen durchgeführt werden.

Selbsthilfe

Körperliche Schonung. Während eines akuten Schubs mit anhaltenden Durchfällen, Bauchschmerzen und Abgeschlagenheit ist es wichtig, dass Sie sich körperlich schonen oder Bettruhe einhalten, wenn es Ihnen sehr schlecht geht.

Astronautenkost. Im leichten akuten Schub entlasten Sie den Darm durch ballaststofffreie und/oder flüssige Nahrung (Astronautenkost); während eines schweren Schubs ist jedoch eine parenterale Ernährung mittels Infusionen in der Klinik nötig.

Meiden von unverträglichen Speisen. Eine Milchunverträglichkeit, mitunter auch der gesamte Krankheitsverlauf, bessert sich durch das konsequente Meiden von Milchprodukten und sonstigen Speisen, die Sie nicht vertragen.

Verzicht auf Nikotin. Der Verzicht aufs Rauchen vermindert die Gefahr eines neuen Schubs bei Morbus Crohn.

Ein CED-Pass (ein kleines Heft zur Dokumentation ihrer Erkrankung, der Untersuchungen und Therapien) hilft Ihnen, die Vorsorgeuntersuchungen nicht zu versäumen, und unterstützt auch neu mitbehandelnde Ärzte bei der Übersicht über die Therapien.

Einen schützenden Effekt – zumindest was die Colitis ulcerosa betrifft – hat offenbar Olivenöl, genauer die darin reich enthaltene Ölsäure. Mediziner vermuten, dass zwei bis drei Teelöffel eines ölsäurereichen Öls (auch Traubenkernöl oder Erdnussöl) pro Tag das Erkrankungsrisiko um bis zu 90 Prozent verringern.

Komplementärmedizin

Die Komplementärmedizin ist allenfalls eine Option im beschwerdefreien Intervall; während eines akuten Schubs ist sie keine Alternative zur medikamentösen Behandlung. Der Patient sollte abwägen, ob es nicht besser ist, in Phasen der Beschwerdefreiheit die Krankheit ganz loszulassen, anstatt durch wieder neue Therapien die Erkrankung weiter in den Lebensmittelpunkt zu stellen.

Homöopathie und Akupunktur. Verschiedene Erfahrungsberichte bestätigen vor allem der Hömöopathie und Akupunktur einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf.

Pflanzenheilkunde. Die Pflanzenheilkunde empfiehlt z. B. Blutwurz, Pfefferminze oder Schöllkraut bei Durchfall und Bauchkrämpfen. Besteht ein häufiger Wechsel der Stuhlkonsistenz zwischen Durchfällen und Verstopfung, sollte die regelmäßige Einnahme von Flohsamenschalen oder indischem Flohsamen (Verstopfung) erprobt werden. Als Basistherapie zur Stabilisierung der Stuhlkonsistenz steht Trockenhefe (z. B. Hamadin® N-Kapseln) zur Verfügung.

Weiterführende Informationen

  • www.leitlinien.net – Stichwortsuche Morbus Crohn: Ärztliche Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Morbus Crohn.
  • www.leitlinien.net – Stichwortsuche Colitis ulcerosa: Ärztliche Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa.
  • www.dccv.de – Website der Deutschen Morbus Crohn- und Colitis ulcerosa-Vereinigung e. V. (DCCV, Leverkusen): Bietet gute Links.
  • H. Jens; F. Hartmann: Wirksame Hilfe bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Trias, 2003. Umfassender Ratgeber zu beiden Erkrankungen.

Darmdivertikel und Divertikulitis

Darmdivertikel (Divertikulose): Ausstülpungen der Dickdarmschleimhaut nach außen – am häufigsten im S-förmigen Dickdarm (Sigma-Kolon) gelegen. Ursache ist meist eine Kombination aus ballaststoffarmer Ernährung mit Neigung zur Verstopfung sowie zunehmende Bindegewebsschwäche im höheren Lebensalter: Mehr als die Hälfte der 80-Jährigen weisen symptomlose Divertikel auf. Bei 20 % der Betroffenen kommt es zur Entzündung eines oder mehrerer Divertikel, der Divertikulitis (Divertikelkrankheit).

Der Arzt nennt die hier besprochenen Darmdivertikel des höheren Lebensalters auch falsche Darmdivertikel, weil sich hier nur die Darmschleimhaut ausstülpt, und grenzt sie ab gegenüber den echten oder angeborenen Darmdivertikeln, wo die gesamte Darmwand ausgestülpt ist. Letztere sind selten.

Leitbeschwerden

Darmdivertikel:

  • Meist keine Symptome (80 %)
  • Oft chronische Verstopfung.

Divertikulitis:

  • Krampfartige Schmerzen im linken Unterbauch („Linksappendizitis“) oder im rechten Unterbauch (Symptome einer Blinddarmentzündung)
  • Gelegentlich Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung, Blähungen
  • Leichtes Fieber.

Die Erkrankung

Darmdivertikel entstehen als Folge einer Schwäche des Dickdarmbindegewebes und eines erhöhten Drucks im Innern des Darms. Vor allem dort, wo die Gefäße (Arterien und Venen) durch die Darmwand treten, drückt sich die Darmwand durch die Muskelschicht hindurch nach außen. Besonders häufig sind die beiden letzten Dickdarmabschnitte, das absteigende Kolon und das S-förmige Kolon (Sigma-Kolon) betroffen, weil hier der Druck durch den gesammelten Stuhl am größten ist.

In den Ausstülpungen der Darmwand sammelt sich Stuhl zusammen mit Bakterien; dies führt früher oder später zu einer Entzündung der Darmwand (Divertikulitis). Die Betroffenen klagen über krampfartige Schmerzen im linken Unterbauch, vor allem nach dem Essen. Dies nehmen viele Patienten über Jahre hin – nicht aber die weiteren Komplikationen, die sich daraus entwickeln können.

Entzünden sich in der Nähe des Blinddarms gelegene Divertikel, treten Schmerzen im rechten Unter- oder Mittelbauch auf, die den Beschwerden einer akuten Blinddarmentzündung gleichen können. Manchmal bilden sich auch Fisteln oder es kommt zu Blutungen. Weiter kann ein örtlich begrenzter Wanddurchbruch des Darms mit lokaler Eiteransammlung (Abszess) entstehen oder ein freier Durchbruch mit einer nachfolgenden lebensbedrohlichen Entzündung des Bauchfells (Peritonitis). Bestehen Fisteln, Abszesse oder ein Durchbruch spricht man von einer akuten komplizierten Divertikulitis. Eine chronische Divertikulitis liegt vor, wenn wiederholt Entzündungsschübe auftreten, bei denen Komplikationen wie eine Stenose oder Fisteln drohen.

Schließlich können die entzündeten Divertikel auch den Darm stark einengen und einen Darmverschluss auslösen.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Treten bei älteren Menschen Schmerzen im linken (oder seltener auch im rechten) Unterbauch auf, kann der Arzt zugrunde liegende entzündete Divertikel eventuell bereits mithilfe eines Bauchultraschalls erkennen. Reicht der Ultraschall zur Diagnose nicht aus, ist ein CT (oder Kernspin) nach rektaler Gabe eines wasserlöslichen Kontrastmittels die sicherste Nachweismethode. Nach Behandlung und Abklingen der akuten Entzündung ist jedoch eine Darmspiegelung unumgänglich, um weitere krankhafte Darmveränderungen, wie z. B. Polypen oder Darmkrebs, auszuschließen. Während der Akutphase ist die Darmspiegelung aufgrund des Risikos eines Darmwanddurchbruchs zu gefährlich.

Therapie. Eine Divertikulose erfordert keine Behandlung. Dagegen sollte die Behandlung der Divertikulitis in der Klinik erfolgen, wenn ein Entzündungsschub zum ersten Mal auftritt. Bei schweren Formen ist eine stationäre Behandlung mit Antibiotikagabe notwendig. Bei einem Darmwanddurchbruch (Darmperforation) wird sofort, bei einer Einengung des Dickdarms sowie bei Fistelbildung eventuell erst nach Abklingen der Entzündung operiert. Auch bei immer wiederkehrender Divertikulitis wird der Arzt eine Operation empfehlen.

Eine leichte Divertikulitis kann auch ambulant mit ballaststoffarmer Kost behandelt werden. Bei Begleiterkrankungen oder allgemeiner Abwehrschwäche ist zusätzlich eine Antibiotikagabe, mindestens aber engmaschige Kontrollen des Patienten, angezeigt. Krampflösende Mittel lindern die Schmerzen. Bei Abführmitteln und Einläufen ist Vorsicht geboten, da es bei schwerer Divertikulitis zu einem Darmwanddurchbruch kommen kann.

Selbsthilfe

Bereits vorhandene Divertikel können nicht rückgängig gemacht werden. Bereiten die Darmausstülpungen keine Beschwerden, sollten Betroffene sich ballaststoffreich ernähren und dem Körper viel Flüssigkeit zuführen. Dies und zusätzliche körperliche Bewegung auch im Alter sowie die Beachtung des Reizes zur Darmentleerung können dazu beitragen, dass keine neuen Divertikel entstehen.

Lässt sich eine chronische Verstopfung mit diesen Maßnahmen nicht beheben, kann der Einsatz von Weizenkleie, Leinsamen oder Flohsamen, die mit viel Flüssigkeit verzehrt werden, und gegebenenfalls auch Laktulose zu einem weicheren, gleitfähigeren Stuhl führen und die Darmentleerung erleichtern.

Bei einer leichten Diverkulitis indes empfiehlt es sich, auf Ballaststoffe eher zu verzichten, weil diese die Beschwerden verstärken können.

Darmkrebs

Darmkrebs (Kolorektales Karzinom): Zweithäufigster bösartiger Tumor in den Industriestaaten. Pro Jahr erkranken in Deutschland 67.000 Menschen; etwa jeder Vierte stirbt daran. Darmkrebs kommt besonders häufig im Alter zwischen 50 und 79 Jahren vor, bei Männern häufiger als bei Frauen. Das Darmkrebsrisiko beträgt für die Normalbevölkerung etwa 6 %, bei Risikogruppen (z. B. mit genetischer Disposition) beträgt es bis zu 15 %.

Darmkrebs verursacht zunächst meist keine bzw. uncharakteristische Symptome und wird deshalb oft erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt. Bei frühzeitiger operativer Behandlung und eventuell zusätzlicher Chemo- und Strahlentherapie ist die Prognose gut.

Leitbeschwerden

  • Veränderungen beim Stuhlgang (wie Verstopfung oder Durchfälle) ohne erkennbare Ursache, besonders verdächtig ist der Wechsel zwischen beiden (paradoxe Diarrhoe)
  • Ungewöhnlich viele Winde, typischerweise mit unmerklichem Stuhlabgang („falscher Freund“)
  • Blut im Stuhl
  • Gewichtsabnahme
  • Bauchschmerzen

Wann zum Arzt

In den nächsten beiden Tagen, wenn mehrere der obigen Beschwerden neu auftreten.

Die Erkrankung

Krebsentstehung. In den meisten Fällen entwickelt sich ein Darmkrebs aus einem zunächst gutartigen Dickdarmpolypen. Bei 10 % der Darmkrebsfälle sind genetische Faktoren beteiligt, die zu Zellveränderungen (Dysplasien) führen und die Entstehung eines Krebses begünstigen. Die größte Rolle bei der Entstehung spielen aber Begleiterkrankungen und Ernährungsgewohnheiten. Während eine ballaststoffarme, an tierischen Fetten und Eiweißen reiche Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel sowie langjähriger Nikotin- und Alkoholkonsum das Risiko erhöhen, schützt eine fett- und fleischarme, ballaststoffreiche Ernährung vor Darmkrebs. Eine Studie hat ergeben, dass mehr als 7 Gläser Alkohol pro Woche das Darmkrebs-Risiko bereits um 60 % erhöhen. Auch lange bestehende entzündliche Darmerkrankungen erhöhen das Risiko, insbesondere die Colitis ulcerosa, sowie bei der Frau Krebserkrankungen von Brust, Eierstöcken und Gebärmutter.

Übergewicht, v.a. ein erhöhter Taillienumfang scheint bei der Dickdarmkrebsentstehung ebenfalls eine Rolle zu spielen. Neuere Studien geben Hinweise darauf, dass die von Fettzellen abgegebenen Substanzen wahrscheinlich eine Krebsentstehung begünstigen. Deshalb ist es sinnvoll, auf ein normales Körpergewicht und insbesondere auf den Taillenumfang zu achten, um der Erkrankung vorzubeugen.

Lokalisation. Der Arzt unterscheidet beim Darmkrebs zwischen Kolonkarzinom (Dickdarmkrebs, 40 % der Fälle, je hälftig den S-förmigen Dickdarm und den weiter oben liegenden Dickdarm betreffend) und Rektumkarzinom (Mastdarmkrebs, 60 % der Fälle). Letzteres liegt vor, wenn der Krebs sich im Anus oder maximal 16 cm aufwärts befindet. 90 % der Darmkrebse gehen von den Drüsenzellen der Schleimhaut aus. Die übrigen 10 % gehen von anderen Zelltypen der Schleimhaut aus (für diese gilt das im Folgenden besprochene therapeutische Vorgehen nur zum Teil).

60 % der Darmkrebsfälle befinden sich im Enddarm, d. h. im etwa 16 cm langen Darmabschnitt oberhalb des Darmausgangs (Rektumkarzinom). 20 % liegen im davor befindlichen s-förmigen Dickdarm (Sigma-Karzinom) und die restlichen 20 % im übrigen Dickdarm.

Komplikationen. Mit zunehmendem Wachstum des Darmkrebses beginnt dieser häufig zu bluten – manchmal kann ein Patient zum Zeitpunkt der Diagnose literweise Blut verloren haben. Weitere Komplikationen sind Darmverschluss und Darmwanddurchbruch (Perforation) mit Gefahr einer Bauchfellentzündung (Perforationsperitonitis). Manchmal breitet sich der Krebs durch infiltrierendes Wachstum auch in die Nachbarorgane aus, z. B. in Blase und weibliche Geschlechtsorgane. Oder Tumorzellen werden über Lymph- und Blutgefäße in andere Organe verschleppt und wachsen dort zu Tochtergeschwülsten (Metastasen) heran. Von Metastasen werden vor allem benachbarte Lymphknoten oder die Leber befallen. Oftmals führen erst eingetretene Komplikationen wie massiver Blutabgang im Stuhl, ein Darmverschluss oder die Entdeckung von Metastasen zur Diagnose.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Bei Verdacht auf Darmkrebs untersucht der Arzt zunächst den Stuhl auf verborgenes Blut (Stuhluntersuchung) und tastet den Enddarm aus. Auch bei fehlendem Blutnachweis im Stuhltest und normalem Befund der Tastuntersuchung des Enddarms schließt sich bei weiter bestehendem Verdacht in jedem Fall eine Darmspiegelung an. Nur wenn dies nicht möglich ist, wird auf eine indirekte Darmuntersuchung wie Kolon-Doppelkontrast, CT oder Kernspin zurückgegriffen.

Bestätigt sich der Tumorverdacht, wird die Ausdehnung des Tumors in weiteren Untersuchungen abgeschätzt, so durch Bauchultraschall zum Ausschluss von Metastasen in der Leber und Ultraschall durch den Enddarm. Zusätzliche Untersuchungen können sein: Spiral-CT, Blasenspiegelung, gynäkologische Untersuchungen sowie eine Röntgenaufnahme des Brustraums zum Ausschluss von Lungenmetastasen. Diese schließen die Diagnostik vor der Operation ab.

Therapie. Wann immer möglich, werden der betroffene Darmabschnitt und die regionalen Lymphknoten operativ entfernt.

Ist der Mastdarm betroffen, kann in 85 % der Fälle der Schließmuskel erhalten werden, wenn der Tumor sich im oberen oder mittleren Drittel des Enddarms befindet oder wenn ein im unteren Drittel befindlicher Tumor nur auf die Darmwand beschränkt ist.

Liegt der Tumor nahe am Darmausgang, wird der gesamte Enddarm einschließlich Schließmuskel entfernt und ein künstlicher Darmausgang wird angelegt. In einigen Fällen wird im Anschluss an die Operation eine Chemo- und/oder eine Strahlenbehandlung durchgeführt.

Sofern keine Metastasen außerhalb der Leber nachweisbar sind und der Primärtumor vollständig entfernt werden konnte, werden Einzelmetastasen ebenfalls operativ entfernt. Liegen viele Metastasen vor oder ist die Leber von Metastasen durchsetzt, wird vom Arzt eine Chemotherapie angeboten. Diese kann jedoch den Krebs nicht mehr heilen, sondern nur noch lebensverlängernd wirken.

Selbsthilfe

Nach einer Darmkrebsoperation sind wochen- bis monatelange Bauchschmerzen und Verdauungsprobleme regelmäßige Komplikationen. Meist hilft es, das Essen auf mehrere kleine Mahlzeiten zu verteilen. Achten Sie besonders darauf, was Sie nicht vertragen, und notieren Sie Ihre Beobachtungen in einem Ernährungstagebuch. Mit der Zeit spielt sich vieles wieder bis zu einem gewissen Grad ein: Die meisten Betroffenen vertragen nicht mehr alles, leben aber trotzdem gut und können auch wieder mit Freude essen.

Bei dünnflüssigem Stuhl können Sie mit stillen Mineralwässern, Kräuter- und Früchtetees dafür sorgen, dass der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen wird. Ballaststoffe helfen, die Stuhlbeschaffenheit zu steuern, Weizenkleie bindet überschüssiges Wasser im Darm, getrocknete Heidelbeeren wirken stopfend. Frisches Obst und frische Milch sollten Sie bei Durchfällen nur in kleinen Mengen zu sich nehmen. Joghurt hat dagegen einen ausgleichenden Effekt auf die Verdauung; auch Knäcke- und Knusperbrote oder Reiskräcker werden gut vertragen.

Sondertext: Alternative Krebstherapien

Hinweise für Patienten mit einem künstlichen Darmausgang (Anus praeter)

Prognose

Die Aussichten sind dann gut, wenn der Tumor im Frühstadium entdeckt und entfernt wird und keine Metastasierung eingetreten ist.

Auch wenn der Tumor bereits auf die tieferen Darmwandschichten übergegriffen hat, besteht bei Operationsfähigkeit im Fall von Dickdarmkrebs eine 5-Jahres-Überlebensrate von 80 %; beim Mastdarmkrebs beträgt sie 45 %. Sie verschlechtert sich aber beim Dickdarmkrebs auf unter 55 %, wenn regionale Lymphknoten befallen sind oder der Tumor in andere Organe eingewachsen ist. Sind bereits Fernmetastasen entstanden, leben nach 5 Jahren noch 10 % der Erkrankten.

Nachsorge

In vielen Fällen folgt nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zunächst eine Anschlussheilbehandlung in Rehazentren für 3–4 Wochen, um die notwendige Ernährungsumstellung und den Umgang mit dem künstlichen Darmausgang zu erlernen. Die Betroffenen müssen sich lebenslang in 3– bis 12-monatlichen Abständen untersuchen lassen.

Um ein erneutes Tumorwachstum oder Metastasen frühzeitig zu erkennen, gehört zum regelmäßigen Nachsorgeprogramm die Bestimmung des Tumormarkers CEA im Blut, Darmspiegelungen, Bauchultraschall (insbesondere der Leber), Röntgenuntersuchungen des Brustraums und gegebenfalls CTs.

Weiterführende Informationen

  • www.krebshilfe.de – Informative Website der Deutschen Krebshilfe e. V., Bonn (Hrsg.): Unter der Rubrik Informieren finden Sie Broschüren und Ratgeber zum Thema, so den blauen Ratgeber Nr. 06: Darmkrebs. Kostenlos bei der Deutschen Krebshilfe zu bestellen oder herunterzuladen.
  • www.darmkrebs.de – Website der Felix Burda Stiftung, München: Schöner und übersichtlicher Internetratgeber zum Thema Darmkrebs. Es werden sämtliche Themen wie Diagnose, Behandlung, Nachsorge, Ernährung, soziale Aspekte behandelt.

Darmverschluss

Darmverschluss (Ileus): Teilweise oder vollständige Unterbrechung der Darmpassage. Der Arzt unterscheidet den mechanischen Ileus, der auf eine Verlegung des Darmlumens - z. B. infolge von Tumoren, Polypen oder Fremdkörpern - zurückgeht, von der Darmlähmung (paralytischen Ileus), bei der der Darm infolge anderer Erkrankungen (z. B. Bauchfellentzündung, Blinddarmentzündung) in seiner normalen Bewegung gelähmt ist. Ein Darmverschluss, gleich welcher Ursache, ist immer lebensbedrohlich und muss sofort behandelt werden. Die Sterblichkeit beträgt 10–25 %. Jede Zeitverzögerung verschlechtert die Prognose.

Leitbeschwerden

  • Akut einsetzende oder langsam zunehmende krampfartige Bauchschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen (eventuell sogar Stuhlerbrechen)
  • Trommelbauch bei hochgradiger Blähung
  • Kein Stuhlgang und keine Blähungen
  • Aufstoßen.

Wann zum Arzt

Sofort den (Not-)Arzt rufen, wenn

  • Starke bzw. zunehmende kolikartige Schmerzen im Bauchraum auftreten
  • Erbrechen hinzukommt
  • Der Bauch außerdem gebläht ist, aber keine Winde abgehen
  • Zeichen einer weiteren (schweren) Erkrankung bestehen
  • eine chronische Erkrankung, wie z. B. Magen-Darm-Geschwüre, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Leistenbruch, Bauchspeicheldrüsenentzündung oder chronisches Nierenversagen, vorliegt.

Die Erkrankung

Mechanischer Ileus (Mechanischer Darmverschluss). Verschiedene Ursachen können eine Behinderung der Darmpassage und damit einen mechanischen Ileus zur Folge haben. Gut- oder bösartige Tumoren des Dünn- und Dickdarms, eine schwere Divertikulitis oder Morbus Crohn versperren die Passage ebenso wie ein Fremdkörper, Würmer oder ein Gallenstein, der aus der Gallenblase in den Dünndarm gelangt ist. Auch ein Tumor, der von außen auf den Darm drückt, kann die Passage des Nahrungsbreis durch den Darm behindern. Narbige Verwachsungen nach Operationen führen zu einem Bridenileus (z. B. als Komplikation nach der Blinddarmoperation). Beim Strangulationsileus wird der Darm mechanisch durch Einstülpungen von Darmteilen oder Verdrehungen des Darms abgeknickt oder ein Darmabschnitt wird in einer Bruchpforte eingeklemmt. Wird die Blutversorgung dadurch unterbrochen, stirbt der betroffene Darmabschnitt ab.

Eine Darmlähmung (paralytischer Ileus), die zur massiven Verlangsamung der Darmpassage führt, tritt oft begleitend bei schweren entzündlichen Erkrankungen im Bauchraum auf, z. B. bei akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung, Blinddarmentzündung, Gallenkolik, Nierenkolik, bei Durchblutungsstörungen des Darms (z. B. durch Verschluss einer Darmarterie) sowie bei einer Bauchfellentzündung nach Darmdurchbruch, Bauchoperationen oder Verletzungen. Ebenso können ein akutes Nierenversagen, eine chronische Niereninsuffizienz oder eine Behandlung mit Opiaten eine Darmlähmung zur Folge haben. Außerdem geht jeder unbehandelte mechanische Ileus früher oder später in eine Darmlähmung über.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Das Abhören des Bauchraums mit dem Stethoskop (Auskultation) gibt Hinweise auf die Art des Darmverschlusses. Bei einer Darmlähmung fehlen die typischen Darmgeräusche, weil keinerlei Darmbewegung vorhanden ist. Die mechanisch bedingte Form des Darmverschlusses verursacht hingegen laute Darmgeräusche, da der Darm versucht, mit kräftigen Bewegungen die Darmverengung zu überwinden. Beim Abtasten (Palpation) des Bauchs achtet der Arzt auf einen Leistenbruch, der den Verschluss verursacht haben könnte, sowie auf OP-Narben, die möglicherweise Ursache eines Bridenileus sind.

Als Folge einer Reizung oder akuten Entzündung des Bauchfells ist die Bauchwand verhärtet und zeigt auf Druck eine schmerzhafte Abwehrspannung. Bei der Tastuntersuchung des Enddarms wird dieser meist leer vorgefunden, da kein Darminhalt mehr transportiert wird.

Im Bauchultraschall erkennt der Arzt erweiterte Darmschlingen und eventuell hin- und herpendelnde Darmbewegungen (Pendelperistaltik). Die Röntgen-Abdomen-Leeraufnahme zeigt aufgeblähte und mit Luft bzw. Verdauungsbrei gefüllte Darmschlingen (Spiegelbildung); die Verteilung dieser Brei-Luft-Spiegel erlaubt die Unterscheidung zwischen Dünn- und Dickdarmverschluss. Ergänzend werden manchmal Röntgenkontrastmittel-Untersuchungen und eine CT durchgeführt. Außerdem sind – auch vorbereitend für eine Operation – Blutuntersuchungen notwendig.

Therapie. Jeder mechanische Ileus führt unbehandelt zum Tod; er muss deshalb operativ beseitigt werden. Die Art der Operation hängt von der Ursache ab.

Bei einer Darmlähmung hängt die Therapie von der Art der Ursache ab. So muss bei einem Darmarterienverschluss sofort operiert werden. Andere Formen der Darmlähmung sind z. B. die Folge einer Blinddarmentzündung, Gallenkolik oder Nierenkolik. Die Darmlähmung verschwindet von selbst, wenn die Ursache erfolgreich behandelt und damit beseitigt wurde. Hier dient die Behandlung vor allem dazu, den Kreislauf durch Ausgleich von Wasser- und Elektrolytverlusten zu stabilisieren. Der Arzt versucht zudem, die Darmbewegungen mit Arzneimitteln wieder in Gang zu bringen.

Prognose

Die Sterblichkeit bei einem Darmverschluss beträgt ~ 15 %; sie ist umso höher, je später die Behandlung einsetzt. Die Prognose beim mechanischen Ileus ist besonders gut, wenn frühzeitig operiert wird und kein Krebs als Ursache zugrunde liegt. Sind bereits Komplikationen, wie Bauchfellentzündung, Blutvergiftung oder akutes Nierenversagen eingetreten, ist die Prognose schlecht.

Dickdarmpolypen

Dickdarmpolypen: Vorwölbung der Dickdarmschleimhaut in die Darmlichtung, meist als gutartige, vom Drüsengewebe der Darmschleimhaut ausgehende Tumoren (Adenome), aus denen sich jedoch die Mehrzahl aller Dickdarmkrebse (Kolonkarzinome) entwickelt. Mehr als 50 % der Dickdarmpolypen befinden sich im Mastdarm. Etwa 10 % der Erwachsenen sind betroffen; die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter. Polypen verursachen nur selten Symptome; sie werden meist zufällig bei einer Darmspiegelung entdeckt und dann grundsätzlich entfernt und feingeweblich untersucht.

Manchmal haben Patienten über 100 Polypen. Der Mediziner spricht dann von einer Polyposis intestinalis; ist sie erblich bedingt, von einer familiären adenomatösen Polyposis (FAP). Diesen Patienten wird in der Regel vorsorglich der ganze Dickdarm entfernt, weil sonst unweigerlich im Laufe ihres Lebens Darmkrebs auftritt.

Leitbeschwerden

  • Meist keine Beschwerden
  • In seltenen Fällen Blutungen bzw. Blutauflagerungen auf dem Stuhl, Durchfall/Verstopfung, Bauchschmerzen, Darmverschluss.

Die Erkrankung

Polypen der Dickdarm- bzw. Mastdarmschleimhaut können in Gestalt und Größe stark variieren. Sie sind zwar (zunächst) gutartig, doch entarten sie innerhalb von rund 10 Jahren sehr häufig zu einem Darmkrebs. Die Ursache für die Entstehung ist unbekannt; es gilt aber als sehr wahrscheinlich, dass eine fettreiche, ballaststoffarme Ernährung die Entstehung entscheidend begünstigt.

Die meisten Dickdarmpolypen verursachen keine Beschwerden, sondern werden zufällig bei einer Untersuchung des Darms entdeckt. Nur sehr selten kommt es zu Blutungen, die entweder sichtbar dem Stuhl aufgelagert oder so geringfügig sind, dass sie mit dem Auge nicht erkannt werden (okkulte Blutung). Große, breitbasig aufsitzende, zottenreiche (villöse) Adenome können größere Schleimmengen produzieren und dadurch zu Flüssigkeits- und Kaliumverlust führen. Generell können große Polypen die Nahrungspassage beeinträchtigen, zu Bauchschmerzen und selten sogar zum Darmverschluss führen.

Das macht der Arzt

Findet der Arzt bei einer Darmspiegelung Polypen, trägt er diese in der gleichen Sitzung endoskopisch mithilfe einer Zange oder Schlinge ab und lässt sie feingeweblich untersuchen. Gelingt es nicht, alle Polypen in einem Behandlungsschritt zu entfernen, erfolgt ein weiterer Eingriff. Bei größeren Polypen (besonders wenn sie flach und breitbasig der Darmschleimhaut aufliegen) ist unter Umständen eine Operation, gegebenenfalls sogar mit teilweiser Entfernung des Dickdarms nötig.

Da immer wieder neue Polypen entstehen können, wird zur Vorsorge eine endoskopische Kontrolluntersuchung alle 3 Jahre empfohlen.

Durchfallerkrankungen (Übersicht)

Durchfall (Diarrhoe): Täglich mehr als drei ungeformte, weiche bis dünnflüssige Stühle mit vermehrtem Volumen. Bei einer Dauer von weniger als 2 Wochen spricht der Arzt von akutem Durchfall, hält er länger an, von chronischem Durchfall.

Akuter Durchfall (akute Diarrhoe): Klingt in der Regel ohne ärztliches Eingreifen wieder von alleine ab; wird oft begleitet von weiteren Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Häufige Ursache ist eine infektiöse Darmerkrankung mit Viren, seltener mit Bakterien oder Parasiten, oder eine Lebensmittelvergiftung. Akut einsetzender Durchfall mit Blutbeimengungen (blutige Diarrhoe) weist auf schwere Magen-Darm-Infektionen hin, z. B. mit Shigellen oder Salmonellen. Höhere Dosen Laktobazillen führen in vielen Fällen zu einem raschen Abklingen und sollten bei geschwächten Personen erwogen werden.

Chronischer Durchfall (chronische Diarrhoe): Chronischer Durchfall ist in der Regel nicht-infektiös (nicht-infektiöse Durchfallerkrankung, nicht-infektiöse Enteritis) und ruft eigenständige Krankheitsbilder hervor, die an anderer Stelle ausführlich besprochen werden. So ist er meist Zeichen eines Reizdarms oder einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, tritt aber mitunter auch als eigenständige psychosomatische Reaktion auf psychische Belastungssituationen auf sowie bei Nahrungsmittelunverträglichkeit (Nahrungsmittelallergie) oder anderen Erkrankungen, bei denen der Körper Nahrungsmittelbestandteile nicht richtig verwerten kann.

Infektiöser Durchfall und Lebensmittelvergiftung

Infektiöse Durchfallerkrankungen (infektiöse Gastroenteritiden, umgangssprachlich auch Magen-Darm-Grippe oder Brechdurchfall genannt): Vorwiegend durch Viren und Bakterien, seltener durch Parasiten verursachte Magen-Darm-Entzündung, die sich in starken Durchfällen, oft auch in Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen äußert.

Lebensmittelvergiftung. Durch Giftstoffe bakteriell verdorbener Lebensmittel verursachter Durchfall.

Die Übertragung bzw. Aufnahme erfolgt meist über den Verzehr infizierter Nahrungsmittel sowie durch Kontakt mit infizierten Personen. Die meisten Menschen werden nach einigen Tagen ohne weitere Maßnahmen wieder gesund. Vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern und alten Menschen müssen verloren gegangene Flüssigkeit und Mineralstoffe ersetzt werden. Bei schweren Infektionen mit hohem Fieber oder blutigem Durchfall ist meist eine Behandlung mit Antibiotika notwendig.

Leitbeschwerden

  • Mehrmals täglich Entleerung von ungeformtem, weichem bis wässrigem Stuhl
  • (Krampfartige) Bauchschmerzen
  • Eventuell Übelkeit und Erbrechen
  • Gelegentlich Fieber
  • Eventuell Beimischung von Schleim, Blut oder Eiter zum Stuhl.

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn der Durchfall länger als drei Tage dauert.

Heute noch, wenn

  • Ausgeprägte Schwäche oder Schwindel bestehen oder es zu einem Kollaps gekommen ist
  • Der Durchfall blutig oder eitrig ist und hohes Fieber hinzukommt (über 39 °C)
  • Nach einer Fernreise starker Durchfall auftritt.

Die Erkrankungen

Bei infektiösen Durchfallerkrankungen gelangen krankmachende Viren, Bakterien, Parasiten oder (sehr selten) Pilze in den Darm und reizen, lähmen oder vergiften die Schleimhäute und/oder stören die Resorption, also die Aufnahme der verdauten Nahrungsbestandteilen in den Körper.

Virusbedingte Durchfallerkrankung (Virale Gastroenteritis): Die häufigste Ursache von infektiösen Durchfällen, oft begleitet von Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie leicht erhöhter Körpertemperatur, sind Viren, z. B. Rota- oder Noroviren. Rotaviren verursachen 70 % der Durchfälle bei Kindern und sind in Entwicklungsländern eine wesentliche Ursache der Kindersterblichkeit.

Wichtigste Behandlungsmaßnahme ist der Ersatz von Flüssigkeit und Mineralstoffen, was bei Säuglingen und Kleinkindern oft nur in Form einer Infusionstherapie in der Klinik möglich ist.

Da Rotaviren die häufigste Ursache von Magen-Darm-Infektionen bei Kindern unter fünf Jahren sind, empfiehlt die STIKO eine Rotavirus-Impfung bei Säuglingen. Diese wird als Schluckimpfung gegeben, die Impfserie sollte im Alter von sechs bis zwölf Wochen beginnen und je nach Impfstoff bis zur vollendeten 24. oder 32. Lebenswoche beendet sein. Die Impfung kann zusammen mit anderen Standardimpfungen des Säuglingsalters erfolgen. 

Bakterielle Durchfallerkrankung (Bakterielle Gastroenteritis): Tritt seltener auf als virusbedingte Durchfälle. Dafür ist das Krankheitsbild oft schwerer:

  • Salmonelleninfektion (Salmonellenenteritis, Salmonellose): Salmonellen-Bakterien sind in unseren Breitengraden die häufigsten Erreger infektiöser Darmerkrankungen mit Brechdurchfällen, Bauchkrämpfen und Fieber. Meist entwickeln sich die Symptome Stunden bis Tage nach dem Verzehr von infizierten Speisen, z. B. rohen oder nur weich gekochten Eiern und Eierspeisen (z. B. Tiramisu), rohem oder nicht ausreichend erhitztem Geflügel, Muscheln oder Hackfleisch. Auch in tiefgekühlten Nahrungsmitteln können die Erreger überleben, sterben aber bei ausreichend langem Erhitzen bei mindestens 70 °C (50 °C über 1 Stunde) ab. Besonders bei Kindern und älteren Menschen besteht die Gefahr der Austrocknung bis hin zum Kreislaufkollaps.
  • EHEC-Infektionen. Die Infektion mit giftstoffenbildenden, enterohämorrhagischen  E. coli-Bakterien (EHEC) verläuft bei Erwachsenen oft ohne Symptome, ruft aber vor allem bei Kleinkindern und älteren Menschen (blutig-)wässrige Durchfälle. Sie kann darüber hinaus zu lebensgefährlichem akutem Nierenversagen, zur Auflösung der roten Blutkörperchen und zu schweren Blutungen führen (Hämolytisch-urämisches Syndrom). Diese schwere Komplikation endet in 5 % der Fälle tödlich. Die Infektion erfolgt über den Genuss von infiziertem rohen Fleisch, durch Rohmilchprodukte oder durch (symptomlos) infizierte Personen.
  • Relativ häufig bilden die Durchfallerreger Giftstoffe (Enterotoxine). Dazu gehören die enterotoxinbildenden E. coli-Bakterien (ETEC), die für etwa 40 % der Reisedurchfallerkrankungen verantwortlich sind. Die Giftstoffe können Langzeitschäden verursachen. Je stärker jemand erkrankt, desto größer ist auch das Risiko dafür. Der Grund: Je mehr E.-coli-Bakterien sich im Darm befinden, desto mehr Giftstoffe scheiden sie aus. In der Folge drohen Nierenschäden und Bluthochdruck. In einer Langzeitstudie waren die Nieren von stark an Magen-Darm-Grippe erkrankten Patienten drei Mal häufiger in Mitleidenschaft gezogen als bei leicht erkrankten. Auch hatten die Betroffenen häufiger mit Bluthochdruck zu kämpfen – ihr Risiko, dadurch einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, verdoppelte sich.

Parasitäre Durchfallerkrankungen (parasitäre Gastroenteritiden, PGE). In den Tropen wird jedes Kind damit groß – bei uns sind sie glücklicherweise selten. Zu den häufigeren Erregern gehören:

  • Lamblien-Infektion (Lamblienenteritis): Weltweit vorkommende Infektion mit einem Parasiten, der Kinder etwas häufiger als Erwachsene befällt. Als Übertragungsweg wird verseuchtes Trinkwasser angenommen. Die Beschwerden reichen von geringen Allgemeinerscheinungen wie Übelkeit, Appetitverlust und Blähungen bis hin zu schweren Krankheitszeichen mit Bauchschmerzen, Fieber und Durchfällen. Der Verlauf kann akut und chronisch sein.
  • Amöben-Ruhr. Durch einen Parasiten ausgelöste Durchfallerkrankung (wie Lamblien eher in warmen Ländern vorkommend), die zu Abszessen in Leber, Lunge und Gehirn führen kann. Leibschmerzen, Durchfälle und Krämpfe können zu Beginn auftreten. Durchfälle treten nicht bei allen Infizierten auf. Als typisch gelten himbeergeleeartige (blutige) Schleimauflagerungen auf dem Stuhl. Die Amöben-Infektion kann akut und chronisch vorkommen.

Lebensmittelvergiftungen. Hier wird der Durchfall nicht durch Krankheitserreger ausgelöst, die in den Darm gelangt sind. Er wird vielmehr durch Giftstoffe (Toxine) verursacht, die von Bakterien gebildet und mit verdorbenen Lebensmitteln aufgenommen werden. Die hierbei typischen Bakterien sind vor allem Staphylococus aureus, Bacillus cereus und Clostridium perfringens. Bei einer Lebensmittelvergiftung erkranken meist mehrere Personen, die eine bestimmte Speise, z. B. einen in der Wärme stehen gelassenen Salat, gegessen haben, nach einigen Stunden (1–16) gleichzeitig an Übelkeit, heftigem Erbrechen, Durchfällen und Bauchkrämpfen, aber meist ohne Fieber. Nach 1 bis 2 Tagen bilden sich die Symptome in der Regel zurück. Ein starker Flüssigkeitsverlust kann jedoch zu Kreislaufstörungen mit Schwäche und Schwindel bis hin zum Kollaps führen.

Sehr selten, aber lebensgefährlich ist die Lebensmittelvergiftung mit dem Gift des Bakteriums Clostridium botulinum, dem Botulinumtoxin. Schon in geringsten Mengen führt es nach anfänglichem Erbrechen und Durchfall zu neurologischen Ausfällen wie Schluck-, Sprach- und Sehstörungen, vor allem Doppeltsehen. In schweren Fällen kann die Vergiftung zu Atemlähmung und zum Tod führen (Botulismus).

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Zur Feststellung der Ursache einer infektiösen Durchfallerkrankung oder Lebensmittelvergiftung ist meist eine mikrobiologische Diagnostik aus Blut und Stuhl erforderlich, die zeitaufwendig ist. Wenn aber die Beschwerden des Betroffenen erheblich sind, muss der Arzt rasch mit einer Therapie beginnen, ohne dass er die genaue Ursache kennt.

Therapie. Auf Grund der klinischen Untersuchung sowie des Gesamteindrucks entscheidet der Arzt, ob der Kranke sich selbst behandeln kann, ob er (weitere) Hausbesuche benötigt oder ob eine Einweisung in ein Krankenhaus notwendig ist. Bei blutigem oder eitrigem Durchfall, hohem Fieber und schwerer Beeinträchtigung des Allgemeinzustands wird letzteres der Fall sein; ansonsten ist das klinische Gesamtbild des Patienten entscheidend.

Die stationäre Therapie konzentriert sich wegen der zunächst fehlenden genauen Diagnose auf den notwendigen Ersatz von Flüssigkeit und Mineralstoffen, meist in Form fertiger Salzlösungen (z. B. Elotrans®). Oft wird auch schon vor Erhalt der mikrobiologischen Untersuchungsergebnisse ein Antibiotikum als Infusion gegeben. Sobald die Ergebnisse der mikrobiologischen Blut- und Stuhlproben vorliegen, wird die Therapie ggf. angepasst.

Selbsthilfe

Viel Trinken. Wer Durchfall hat, muss viel trinken, um den Verlust an Wasser und Salzen auszugleichen. Empfehlenswert sind Teezubereitungen aus getrockneten Heidelbeeren, Brombeer- oder Himbeerblättern. Sie enthalten Gerbstoffe, die sich schützend auf die Darmschleimhaut legen. Ebenso eignen sich verdünnter Kamillen- oder Pfefferminztee. Eine Alternative ist zuckerhaltige Limonade, die mit Wasser verdünnt ist. Für schwerere Durchfälle sind Salz-Zucker-Lösungen die bessere Alternative.

Medizinische Kohle (Kohle-Compretten®-Tabletten, Kohle-Hevert®-Tabletten). Durch die Einnahme von Kohle werden dem Körper schädliche Substanzen (z. B. Bakterien, Giftstoffe) entzogen und ausgeschieden. Ihre Wirksamkeit wird von der Schulmedizin teilweise angezweifelt, viele Betroffene haben aber gute Erfahrungen damit gemacht.

Bei Einnahme von medizinischer Kohle (Aktivkohle) reduziert sich die Wirkung vieler oral eingenommener Medikamente. Im Zweifelsfall ist der Arzt zu befragen, ob eine Einnahme sinnvoll und vertretbar ist.

Nahrungskarenz. Ob es im akuten Stadium zweckmäßig ist, ganz auf das Essen zu verzichten, ist umstritten. Für eine vorübergehende Nahrungskarenz spricht, dass die geschädigte Schleimhaut nicht zusätzlich gereizt wird. Am besten, Sie richten sich nach Ihrem Appetit: Wenn Ihnen der Gedanke ans Essen Unwohlsein bereitet, essen Sie nicht. Haben Sie jedoch Hunger, wenden Sie die BRAT-Diät an mit Bananen, Reis, Apfelmus und Toast.

Keine Milchprodukte. Meiden Sie Milchprodukte. Bei Durchfall ist die Wirksamkeit des milchzuckerspaltenden Enzyms oft eingeschränkt, so dass vorübergehend Symptome von Milchunverträglichkeit auftreten können.

Aufbaukost. Verspüren Sie wieder Appetit, ist eine leichte Aufbaukost empfehlenswert. Geeignet sind hierzu z. B. Gemüsebrühe, Reisschleim, aber auch Salzstangen, Kräcker oder Zwieback. Für den Reisschleim kochen Sie zwei Esslöffel Reis in einem Liter leicht gesalzenem Wasser so lange, bis sich ein dünner Schleim gebildet hat. Nun fügen Sie zwei Esslöffel Haferflocken hinzu und kochen das Ganze weitere 15 Minuten lang. Anschließend lassen Sie den Reisschleim abkühlen und verzehren ihn dann langsam in kleinen Portionen über den Tag verteilt.

Vorsorge

Zu Hause. Um sich vor infektiösen Durchfallerkrankungen zu schützen, sollten Sie bei der Nahrungszubereitung und -lagerung auf Hygiene achten. Fleisch, Geflügel und Eier sollten ausreichend lange und bei hohen Temperaturen gegart werden. Salmonellen überstehen Tiefkühltemperaturen; daher muss Tiefkühlgeflügel und -fleisch vor der Zubereitung sorgfältig gewaschen werden, und alle Gegenstände, die damit in Berührung kommen, müssen gründlich gesäubert werden.

Verzichten Sie weitgehend auf rohes oder halb gegartes Fleisch, auf rohen Fisch und rohe Meeresfrüchte, auf rohe oder nur weich gekochte Eier, auf Speisen, die mit rohen Eiern zubereitet werden (z. B. Tiramisu), sowie auf Konserven mit aufgetriebenem Dosendeckel.

Komplementärmedizin.

Pflanzenheilkunde. Gegen Durchfall helfen getrocknete Heidelbeeren, auch als Teeaufguss. Sie enthalten viele Gerbstoffe, die sich schützend auf die Darmschleimhaut legen. Ähnlich wirkt Tee aus Brombeerblättern.

Die Pflanzenheilkunde empfiehlt standardisierte Trockenextrakte, beispielsweise aus Apfel-Pulver (Aplona®-Apfel-Pulver), Blutwurz (Blutwurz-ratiopharm-® Kapseln) oder Eichenrinde (z. B. Traxaton®-Tabletten)

Künstlicher Darmausgang

Bösartige Darmerkrankungen wie Darmkrebs oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen machen oft die Anlage eines künstlichen Darmausgangs (Anus praeter, Enterostoma) notwendig, vor allem, wenn Darmabschnitte durch die Erkrankung verlegt sind oder operativ entfernt werden müssen und deshalb der Nahrungsbrei nicht mehr seinen natürlichen Weg nehmen kann. Der Arzt unterscheidet das Ileostoma, das vom Dünndarm nach außen mündet, vom Kolostoma, das vom Dickdarm nach außen führt. Die Ausscheidungen werden an der Körperoberfläche in Beuteln gesammelt. Es gibt Einmalbeutel (Stomabeutel) und Ausstreifbeutel. Da sich das Ileostoma im Dünndarmbereich befindet, muss der Betroffene mit häufigeren und dünnflüssigeren Ausscheidungen im Tagesverlauf rechnen. Hier bietet sich ein Ausstreifbeutel an, der nicht jedes Mal gewechselt werden muss. Bei einem Kolostoma mit Ausgang im Dickdarmbereich ist pro Tag mit maximal drei Ausscheidungen zu rechnen. Daher ist in diesem Fall ein geschlossener Einmal-Beutel geeignet, der nach jeder Ausscheidung gewechselt wird.

Jede operativ geschaffene Verbindung eines Hohlorgans zur Körperoberfläche wird als Stoma bezeichnet. Dazu gehören das Stoma zur Ableitung von Harn (künstliche Harnableitung, Urostoma), das z. B. oft bei Patienten mit Harnblasenkrebs angelegt werden muss, oder das Tracheostoma, das nach der Kehlkopfentfernung die Verbindung zwischen Luftröhre und äußerem Hals darstellt.

Selbsthilfe

Mit einem künstlichen Darmausgang geht für jeden Patienten ein Stück Normalität verloren. Neben der oft unheilbaren Krankheit stellt das Stoma selbst eine große psychische Belastung dar. Es stürzt selbst stabile Charaktere in ein Wechselbad der Gefühle. Oft hilft es daher, sich schon vor der Operation mit anderen Betroffenen auszutauschen.

In medizinischen Fachgeschäften sind verschiedene Hilfsmittel erhältlich, die das Leben mit einem Stoma erleichtern. Kohlefilter absorbieren Geruchsstoffe, die z. B. durch Darmgase entstehen. Patienten mit Kolostoma und einer regelmäßigen Darmentleerung können das Stoma mit einer Stomakappe abdecken und so tagsüber für längere Zeit auf den Stomabeutel verzichten. Mithilfe einer täglichen Kolonspülung lässt sich die Darmfunktion so regulieren, dass am Tage die Abdeckung des Stomas mit einer Kappe oft möglich ist. Um das Festkleben des Beutels nicht zu beeinträchtigen, ist die Benutzung von Salben oder fetthaltigen Cremes rund um das Stoma ungeeignet. Beim Waschen sollten stets frische Waschlappen verwendet werden, damit keine Keime aus der Stoma-Umgebung verbreitet werden.

Speziell ausgebildete Fachberater für Stomatherapie (Stomatherapeuten) können bei der Stoma-Eingewöhnung und bei hartnäckigen Ernährungs- und Pflegeproblemen helfen.

Für Stomapatienten gibt es keine spezielle Diät. Dennoch kommt es vor, dass sie gelegentlich mit Durchfall, Verstopfung und Blähungen konfrontiert sind, die mit ihren gurgelnden Geräuschen vor allem in der Öffentlichkeit äußerst störend sind. Auch hier ist es wichtig, herauszufinden, welche Ernährung günstig ist und auf welche Speisen Sie verzichten sollten. Dabei hilft es, über längere Zeit ein Ernährungstagebuch zu führen und aufzuschreiben, welche Nahrungsmittel Sie gut vertragen und welche zu Blähungen führen. Die modernen Stoma-Systeme sind mit einem Kohlefilter ausgestattet, der Gerüche neutralisiert, so dass Blähungen sich nur durch ihr Geräusch äußern.

Es ergeben sich meist Einschränkungen im Speiseplan, so dass Sie von einer abwechslungsreichen und vollwertigen Kost häufig Abstriche machen müssen. Gerade die gesunden, faserreichen Nahrungsmittel wie rohes Obst und Gemüse, Salate und Vollkornprodukte können Blähungen, Verstopfung und schlimmstenfalls einen Darmverschluss auslösen.

Ansonsten ist ein Stoma kein Hindernis: Duschen und Baden sind problemlos möglich, da die Systeme im Wasser fest haften und selbst dem Schwimmen und Tauchen steht ein Stoma nicht im Weg. Abgesehen von Kampfsportarten ist jeder Sport erlaubt, und es gibt kaum eine berufliche oder private Tätigkeit, die nicht ausgeübt werden darf. Darüber hinaus gibt es nicht nur eine Reihe von Hilfsmitteln, sondern auch spezielle Kleidung für Stomaträger. Wenn dennoch Probleme auftauchen sollten, stehen jederzeit Stomaberater zur Verfügung. Adressen in der Nähe des Wohnorts finden Sie im Internet.

Weiterführende Informationen

  • www.stoma-welt.de – Private Website, Sprendlingen: Portal für Menschen mit einem künstlichen Darmausgang oder einer künstlichen Harnableitung , bietet Informationen, Links, Chat und Forum.
  • www.ilco.de – Website der Deutschen ILCO e. V., Bonn: Richtet sich an Menschen mit einem künstlichen Darmausgang und an „Stomaträger“. Bietet zahlreiche Informationen, Adressen von Beratungsstellen, Veranstaltungstermine und Links.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -allergien

Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Nahrungsmittelallergien (Lebensmittelallergien): Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln; teils allergischer Natur oder als Folge pseudoallergischer Reaktionen. Nahrungsmittelallergien treten bei bis zu 5 % der Bevölkerung auf, am häufigsten im Kleinkindalter; Frauen und Mädchen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer und Jungen. Nahrungsmittelallergien treten oft zusammen mit auf Pollenallergien, die den Nahrungsmittelallergien meist vorausgehen. Die Allergien können sowohl am Magen-Darm-Trakt als auch an der Haut, den Atemwegen und dem Kreislaufsystem Beschwerden auslösen. Wenn es gelingt, das Allergen zu identifizieren und zu meiden, kann die Nahrungsmittelallergie bei Kindern in bis zu 50 % und bei Erwachsenen in bis zu 30 % der Fälle wieder völlig verschwinden.

Leitbeschwerden

Allergien und Pseudoallergien:

  • Hautausschlag, mit 50 % am häufigsten
  • Juckreiz und pelziges Gefühl an Lippen und Gaumen, seltener Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall (20 %)
  • Allergischer Schnupfen, Atemnot bei Schwellung des Rachens oder Verengung der Bronchien (20 %)
  • Bei schweren akuten Reaktionen: Pulsanstieg und Blutdruckabfall mit Schwäche, Schwindel, kaltschweißiger Haut bis zum allergischen Kreislaufschock.

Enzymmangel:

  • Durchfall
  • Bauchkrämpfe
  • Blähungen (besonders nach Milchgenuss).

Wann zum Arzt

In den nächsten Wochen, wenn auf bestimmte Nahrungsmittel immer wieder mit einer oder mehreren der oben genannten Beschwerden reagiert wird, z. B. Ausschlag, Erbrechen oder Durchfall.

Sofort den (Not-)Arzt rufen, wenn nach einem Essen Atemnot, Schweißausbruch, Schwäche, Schwindel und/oder Bewusstseinsstörungen auftreten!

Die Erkrankung

Allergien und Pseudoallergien

Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind allergische oder nicht allergische Reaktionen auf ein oder mehrere Nahrungsmittel bzw. Nahrungsbestandteile oder -zusätze. Bei einer Nahrungsmittelallergie bildet der Organismus Antikörper gegen Bestandteile der Nahrung. Lagern sich Antigen und Antikörper zu einem Immunkomplex zusammen, dann setzen die Mastzellen, die sich im gesamten Körper befinden, Histamin frei. Histamin ist ein Stoff, der für die typischen allergischen Symptome wie Schwellung, Rötung und Juckreiz verantwortlich ist.

Bei Pseudoallergien verursachen unterschiedliche Substanzen ohne Einschaltung des Immunsystems eine direkte Histaminfreisetzung, die zu den gleichen Symptomen führt.

Auslöser. Die häufigsten Allergene, also Nahrungsmittel oder -bestandteile, die eine echte Nahrungsmittelallergie verursachen, sind Milch, Eier, Fische und Schalentiere, aber auch Soja, Nüsse, Mehle und verschiedene Obst- und Gemüsesorten. Die wichtigsten Auslöser einer pseudoallergischen Reaktion sind in Nahrungsmitteln enthaltenes Histamin (Sauerkraut, Käse, Rotwein), Serotonin (Bananen, Walnüsse), Tyramin (Käse, Fisch, Tomaten, Avocados, Wein, Hefe, Bananen) und Phenyläthylamin (Schokolade) sowie die Lebensmittelzusätze Tartrazin, Benzoesäure und Sulfit, aber auch natürlich vorkommende Sulfite (Bier, Wein), Salycilate (Obst und Kartoffeln) und der z. B. in der chinesischen Küche verwendete Geschmacksverstärker Glutamat.

Weitere Ursachen für Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Neben Allergie und Pseudoallergie führt auch ein Mangel an bestimmten Verdauungsenzymen zur Nahrungsmittelunverträglichkeit.

Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz). Die Milchzuckerunverträglichkeit ist ein weit verbreitetes Phänomen, das mit zunehmendem Alter häufiger auftritt. So leiden bis zu 10 % der Erwachsenen in Europa an einem angeborenen Mangel des Enzyms Laktase, das Milchzucker (Laktose) in seine zwei Zuckerbestandteile aufspaltet, die erst dann vom Dünndarm in den Körper aufgenommen werden können. Eine Milchzuckerunverträglichkeit kann aber auch im Verlauf des Lebens durch eine Erkrankung des Dünndarms, durch Schleimhautschäden bei der Zöliakie und andere Darmerkrankungen entstehen. Als Folge der Milchzuckerunverträglichkeit (Laktasemangel, Laktoseunverträglichkeit oder Laktoseintoleranz) tritt nach dem Verzehr von Milch- und Milchprodukten der nicht aufgespaltene Milchzucker unverdaut in den Dickdarm über, wo er von den Darmbakterien in Milchsäure, Kohlendioxid und Wasserstoff abgebaut wird, was für Beschwerden wie Durchfall, Blähungen und krampfartige Schmerzen sorgt.

Neben der häufigen Milchzuckerunverträglichkeitgibt es noch andere, seltenere Enzymmangelkrankheiten, bei denen die verminderte Verdauung von Galaktose (Galaktoseunverträglichkeit), Fruktose, Sorbit u. a. zu ähnlichen Beschwerden führt.

Fruchtzuckerunverträglichkeit. Außer der Milchzucker- gibt es auch die Fruchtzuckerunverträglichkeit (Fruktoseintoleranz). In diesem Fall ist die Leber nicht in der Lage, durch Früchte und Fruchtsäfte aufgenommenen Fruchtzucker (Fruktose) abzubauen. Es kommt (schon im Säuglingsalter) nach dem Abstillen und den ersten Mahlzeiten mit Früchten oder Fruchtsäften zu schweren Unterzuckerungen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und zu schweren Nieren- und Leberschäden. Die Betroffenen meiden schon im Kleinkindalter instinktiv alle fruchtzuckerhaltigen Nahrungsmittel.

Weizenallergie, Zöliakie und Glutensensitivität. Bei diesen drei Formen von Nahrungsmittelunverträglickeit reagiert der Körper auf Weizenbestandteile. Bei der Weizenallergie (Weizensensitivität) reagiert er auf Eiweißbestandteile des Weizens wie Weizenalbumin, -globulin und das Klebereiweiß. Zusätzlich zu Verdauungsbeschwerden können Beschwerden außerhalb des Magen-Darm-Traktes auftreten, zum Beispiel Kopfschmerzen, chronische Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen. Besonders schwer trifft die Weizenallergie Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose. Neueren Studien zufolge verstärken sich deren Symptome durch die Weizenproteine. Die Therapie besteht aus dem ein- bis zweijährigen Verzicht auf Weizen und verwandten Getreidesorten wie Dinkel und Grünkern. Tritt die allergische Reaktion danach erneut auf, muss der Patient evtl. lebenslang auf diese Nahrungsmittel verzichten. In akuten Fällen mildert Kortison die Symptome.

Die [einheimische] Sprue oder Zöliakie, auch glutensensitive Enteropathie genannt, beruht auf einer autoimmunen Reaktion auf das in vielen Getreidesorten vorkommende Gluten (Klebereiweiß). Bei den Betroffenen kommt es zu einer schweren Darmentzündung, so dass der Darm schließlich keine Nährstoffe mehr aufnehmen kann. Die Folge sind Malabsorptionszeichen (mangelhafte Versorgung mit Nährstoffen) wie Durchfall und Gewichtsabnahme. Ältere Säuglinge leiden manchmal kurz nach dem Abstillen an schweren Gedeihstörungen. Auch Hauterkrankungen kommen bei einer Zöliakie häufig vor. In vielen Fällen tritt die Zöliakie gemeinsam mit einer Milchzuckerunverträglichkeit auf und erhöht die Gefahr, dass sich Lymphdrüsenkrebs entwickelt. Eine lebenslange glutenfreie Kost lässt die Beschwerden meist völlig verschwinden; auch das Krebsrisiko nimmt ab.

Die Symptome der Glutensensitivität ähneln oft der Zöliakie. Es handelt sich um eine Unverträglichkeitsreaktion. Die Diagnose erfolgt, indem eine Weizenallergie, eine Zöliakie und andere Lebensmittelunverträglichkeiten ausgeschlossen werden. Die Therapie besteht wie bei der Zöliakie aus dem Verzicht auf Gluten. Nach 2 Jahren glutenfreier Ernährung können Betroffene erneut testen, ob sie weizenhaltige Lebensmittel vertragen.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung

Um herauszufinden, welche Nahrungsmittel die Beschwerden auslösen, wird etwa 3 Wochen lang ein Ernährungstagebuch geführt. Genügt dies nicht, um das verdächtige Lebensmittel zu identifizieren, wird versucht, dieses durch eine Eliminationsdiät zu finden. Der Betroffene nimmt 7 Tage lang eine allergenarme Kost auf der Basis von Reis und Kartoffeln zu sich. Lassen dabei die Beschwerden nach, ist eine Nahrungsmittelallergie bzw. -unverträglichkeit wahrscheinlich. Danach werden schrittweise weitere Nahrungsmittel auf den Speiseplan gesetzt (Suchdiät), bis wieder Beschwerden auftreten. Verringern sich diese nach Weglassen des verdächtigen Lebensmittels und treten nach erneutem Verzehr wiederum auf, ist der Auslöser erkannt.

Hauttestungen auf verschiedene Allergene und Blutuntersuchungen vervollständigen die Diagnose; allerdings fallen sie häufig falsch aus. Deshalb ist das Auslösen der Beschwerden durch das identifizierte Nahrungsmittel die wichtigste diagnostische Methode.

Milchzuckerunverträglichkeit. Die Diagnose liegt nahe, wenn nach dem Verzehr von Milch und Milchprodukten immer wieder Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfälle auftreten, und diese Beschwerden ausbleiben, sobald der Betroffene auf diese Nahrungsmittel verzichtet. Mit dem Laktose-Toleranztest (Milchzucker-Toleranztest) wird ein Mangel des für die Milchverdauung notwenigen Enzyms Laktase (Milchzuckerunverträglichkeit) nachgewiesen; der Test ist billig und einfach durchzuführen: Für die Untersuchung trinkt der Patient morgens 50 g in Wasser gelösten Milchzucker. Nach 30, 60, 90 und 120 Minuten wird Blut entnommen und der Blutzuckerspiegel wird bestimmt. Wenn ausreichend viel Laktase in der Dünndarmschleimhaut vorhanden ist, wird die aus dem Milchzucker gespaltene Glukose ins Blut aufgenommen und der Arzt kann eine Erhöhung des Blutzuckerwertes feststellen. Heute wird jedoch zunehmend der direkte Enzymnachweis im Rahmen feingeweblicher Untersuchungen von Dünndarm-Gewebeproben bevorzugt, die durch eine Darmspiegelung gewonnen werden.

Auch der Wasserstoff-Atemtest (H2-Atemtest) zeigt, wie gut Milchzucker im Dünndarm durch das Enzym Laktase gespalten wird. Dieser Test wird in der Regel mit dem Laktose-Toleranztest kombiniert. Nachdem der Patient eine Milchzuckerlösung getrunken hat, pustet er in ein Gerät. Bei einem Mangel an Laktase wird der aufgenommene Milchzucker im Darm nicht ausreichend in Glukose und Galaktose gespalten, sondern von den Darmbakterien abgebaut, wobei Wasserstoff (H2) entsteht, der in der Atemluft nachgewiesen werden kann.

Fruchtzuckerunverträglichkeit. Die Diagnose erfolgt durch einen Fruktose-Belastungstest und durch eine Leberbiopsie. Die Erkrankung ist nicht heilbar; meidet der Betroffene größere Mengen von Fruchtzucker, besteht für ihn aber eine normale Lebenserwartung.

Darüber hinaus muss der Arzt weitere Erkrankungen des Verdauungstrakts ausschließen, wie z. B. Zöliakie, chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung und Morbus Crohn.

Therapie

Die Behandlung besteht darin, das oder die auslösende(n) Nahrungsmittel zu meiden. Vielfach müssen die Betroffenen sich auch gegen verschiedene Pollen schützen, gegen die oft eine Kreuzallergie besteht. So sind Birkenpollenallergiker oft auch gegen Äpfel, Steinobst und Haselnüsse allergisch; während Latexallergiker auch allergisch auf Avocados, Bananen, Feigen und Pfirsiche reagieren.

Bei Milchzuckerunverträglichkeitist es ebenfalls wichtig, Milch und Milchprodukte zu meiden oder – in leichteren Fällen – nur in reduzierter Menge zu sich zu nehmen. Außerdem kann der Betroffene auf laktosefreie Milch und Milchprodukte zurückgreifen.

Im Alltag ist es jedoch nicht immer möglich, Nahrungsmittel vollständig zu meiden, in denen z. B. Milch und Eier verarbeitet sind. Dann können Medikamente, die die Mastzellen vor einer Histaminausschüttung bewahren (z. B. Colimune®) oder auch Antihistaminika eingesetzt werden. Sofern nicht mehr als drei Allergien gleichzeitig bestehen, hilft eine Hyposensibilisierung.

Selbsthilfe

Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben viele Gesichter: ihr Schweregrad reicht von im Alltag vernachlässigbaren bis hin zu schwersten Beeinträchtigungen. Entsprechend können die folgenden Tipps nur einige allgemeine Maßnahmen beschreiben:

  • Meiden Sie Fertigprodukte, deren Verträglichkeit Sie nicht kennen bzw. deren Inhaltsstoffe Sie nicht eindeutig ermitteln können.
  • Machen Sie sich mit den verschiedenen Bezeichnungen vertraut, mit denen die Allergie auslösende bzw. unverträgliche Substanz auf den Lebensmitteln gekennzeichnet ist, z. B. die E-Nummer bei unverträglichen Konservierungsmitteln.
  • Manche Nahrungsmittel verursachen nur im rohen Zustand eine allergische Reaktion. Geben Sie deshalb, wann immer möglich, erhitzten Speisen den Vorzug.
  • Viele Betroffene profitieren davon, dass sie grundsätzlich Gewürzmischungen, histaminreiche Lebensmittel sowie Alkohol und Fruchtsäfte meiden.
  • Wenn Sie auf Grundnahrungsmittel oder eine Vielzahl von Nahrungsmitteln allergisch reagieren, empfiehlt sich eine Ernährungsberatung. Hier erhalten Sie Auskunft darüber, welche Alternativnahrungsmittel Sie verwenden können, um Ihren täglichen Nährstoffbedarf zu decken.

Besprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Internisten, ob er Ihnen ein Rezept für Kortison (z. B. zwei Tabletten Dexamethason mit je 8 mg) zur Selbstbehandlung im Notfall ausstellt. Diese Medikamente sollten Sie immer mit sich führen und bei akuten Unverträglichkeitsreaktionen vorsorglich einnehmen, um einen allergischen Schock zu verhindern.

Weiterführende Informationen

  • www.DZG-online.de – Website der Deutschen Zöliakie Gesellschaft, Stuttgart: Mit Informationen zur Diät und zu glutenfreien Lebensmitteln.
  • A. Hiller: Zöliakie. Trias, 2006. Ausführlicher Ratgeber mit allen Informationen zur Erkrankung und mit Kochrezepten.
  • S. Fehrmann: Allergien vom Tisch. Foitzick Verlag, 2007. Ratgeber mit detaillierten Informationen zur Diagnostik von Nahrungsmittelallergien und zum schul- und alternativmedizinischen Behandlungsspektrum.

Reizdarm

Reizdarm (Reizdarmsyndrom, RDS, Irritable Bowel Syndrome, Reizkolon, Colon irritabile oder früher auch spastisches Kolon genannt): Häufige funktionelle Darmstörung ohne erkennbare organische Ursache, die sich vor allem bei 20- bis 40-Jährigen bemerkbar macht. Die neueste Forschung deutet darauf hin, dass die Ursache für das Reizdarmsyndrom Entzündungen sind. Die Schleimhaut von Reizdarmpatienten bildet demnach verstärkt die Nervenhormone Histamin und Serotonin. Dadurch werden permanent Nervenreize an das Gehirn weitergeleitet, was Entzündungsprozesse fördert.

Nach internationalen Richtlinien besteht ein Reizdarm, wenn innerhalb der letzten 12 Monate mindestens 12 Wochen lang, aber nicht unbedingt andauernd, Bauchschmerzen auftraten, die sich mit dem Stuhlgang besserten und/oder wenn der Beginn der Bauchschmerzen mit einer Veränderung der Stuhlkonsistenz und/oder der Stuhlhäufigkeit einherging. In Deutschland sind 15 % der Bevölkerung betroffen; jeder zweite Patient mit Magen-Darm-Beschwerden leidet an einem Reizdarm, Frauen doppelt so häufig wie Männer.

Auch wenn die Erkrankung medizinisch gesehen harmlos ist, können die Beschwerden die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Sind die auslösenden Faktoren bekannt und können weitgehend vermieden werden, ist eine Besserung möglich; eine Heilung ist aber nicht zu erwarten.

Leitbeschwerden

Zur Differenzialdiagnose des Reizdarms:

  • Diffuse Bauchschmerzen
  • Druckgefühl im Unterbauch sowie im rechten oder linken Oberbauch
  • Völlegefühl, rumorende Darmgeräusche und Blähbauch
  • Gehäufte (mehr als drei pro Tag) oder verminderte Stuhlentleerungen (weniger als drei pro Woche)
  • Veränderte Stuhlbeschaffenheit (vor allem harter Stuhl, kleinere harte Kotsteine, Schleimauflagerungen)
  • Gefühl der unvollständigen Darmentleerung.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn immer wieder Schmerzen im Bauch auftreten.

Sofort, wenn quälende Bauchschmerzen und Fieber auftreten.

Die Erkrankung

Viele Menschen leiden ständig oder in kurzen Abständen unter einer Kombination verschiedener Darmstörungen, die nicht durch organische Veränderungen erklärbar sind und die der Arzt unter dem Begriff "Reizdarm" zusammenfasst. Dabei kommt es zu krampfartigen, ziehenden oder stechenden Schmerzen im gesamten Bauch sowie zu Druckgefühl im Unterbauch, häufig auch im rechten oder linken Oberbauch, die jedoch meist nicht in der Nacht auftreten. Weitere Beschwerden sind Blähungen, Verstopfung, Durchfall, auch können sich Verstopfung und Durchfall abwechseln. Der Stuhl ist entweder hart bzw. wird – wie bei Schafen – in kleinen harten Kotsteinen ausgeschieden. Er kann auch breiig bis flüssig sein, manchmal ist heller Schleim beigemengt. Bei einigen Betroffenen lassen die Beschwerden nach dem Stuhlgang nach, andere haben das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung.

Psychische Faktoren wie Stress oder Ärger können die Beschwerden verschlimmern. Auch scheinen Depressionen, Überforderung und die Unfähigkeit, Gefühle zu zeigen, bei der Entwicklung der Beschwerden von Bedeutung zu sein. Allerdings sollte beachtet werden, dass psychische Veränderungen vielfach auch Folge der unangenehmen Beschwerden sein können.

Mitunter wird auch von Schulmedizinern ein Ungleichgewicht zwischen den einzelnen Mikroorganismen im Darm (Dysbiose) für die Entstehung oder Aufrechterhaltung eines Reizdarms verantwortlich gemacht. Diese Theorie und die darauf basierenden Therapievorschläge halten in der Praxis aber nur selten, was sie versprechen, weswegen die Kosten der aufwändigen mikrobiologischen Untersuchung auf eine Dysbiose von den Kassen nicht übernommen werden.

Bei Reizdarmpatienten müssen verschiedene körperlich bedingte funktionelle Veränderungen beachtet werden. So reagieren sie bereits auf eine Dehnung des Darms mit Schmerzen. Als Ursache hierfür vermuten Ärzte eine gestörte Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung im Gehirn. Darüber hinaus ist die Beweglichkeit des Darms entweder beschleunigt oder verzögert. In bis zu 25 % der Fälle ging der Entwicklung eines Reizdarms eine Darminfektion mit Durchfällen voraus. Außerdem besteht bei nahezu jedem Reizdarmpatienten eine Unverträglichkeit von Kohlenhydraten, am häufigsten sind (Milchzuckerunverträglichkeit) und Unverträglichkeit von Fruktose. Viele Betroffene vertragen auch andere Nahrungsbestandteile nicht; außerdem werden die Beschwerden durch Genuss von Kaffee, Zigaretten und Alkohol oft verschlimmert. Die Vermutung, dass die Besiedlung des Dickdarms mit Candidapilzen eine Ursache der Beschwerden ist, konnte nicht bestätigt werden.

Um ein erneutes Tumorwachstum oder Metastasen frühzeitig zu erkennen, gehört zum regelmäßigen Nachsorgeprogramm die Bestimmung des Tumormarkers CEA im Blut, Darmspiegelungen, Bauchultraschall (insbesondere der Leber), Röntgenuntersuchungen des Brustraums und gegebenfalls CTs.

Das macht der Arzt

Manche Ärzte können die Diagnose "Reizdarm" oft schon aufgrund des Beschwerdebildes stellen. In jedem Fall wird der Arzt andere ernste Krankheiten der Verdauungsorgane wie z. B. eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung oder Darmkrebs durch eine Tastuntersuchung des Enddarms, Stuhluntersuchungen, eine Darmspiegelung und eventuell mit anderen bildgebenden Verfahren (z. B. Bauchultraschall) ausschließen. In Einzelfällen sind weitere spezielle Untersuchungen erforderlich, wie ein Laktosetoleranz-Test bei Verdacht auf Milchzuckerunverträglichkeit. Wichtig ist, den Patienten, der oft eine schwere Krankheit als Ursache seiner Beschwerden befürchtet, über die Ungefährlichkeit der Symptome aufzuklären.

Bei leichten Schmerzen helfen Selbsthilfemaßnahmen, bei starken Schmerzen helfen Antidepressiva, die durch Erhöhung der Schmerzschwelle den Schmerz lindern. Die Wirksamkeit krampflösender Medikamente wie Butylscopolamin (Buscopan®) ist nicht belegt; im Einzelfall können sie aber hilfreich sein. Aufgrund ihrer zahlreichen Nebenwirkungen können sie jedoch nicht auf Dauer eingesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit, die bei vielen Betroffenen allerdings keine Wirkung zeigt, ist die Einnahme entblähender Medikamente, wie z. B. Simeticon (SAB simplex®, Lefax®). Starke Abführmittel sollten wegen der Gewöhnungsgefahr grundsätzlich nicht eingesetzt werden und stopfende Medikamente, z. B. Loperamid (Imodium®) nur für kurze Dauer. Der aktuellste Forschungsstand legt zudem nahe, dass Reizdarmpatienten von einer Behandlung mit Antihistaminika profitieren.

Selbsthilfe

Die Grundempfehlung für die Selbsthilfe ist, herauszufinden, welche Lebenssituationen, Nahrungsmittel oder Verhaltensweisen Ihre Beschwerden verstärken, und diese künftig zu meiden.

Probiotika. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich die Darmflora von Menschen mit Reizdarm von der gesunder Personen unterscheidet: Einige Bakterienarten kommen seltener vor, andere häufiger. Probiotische Nahrungs- und Arzneimittel – sie enthalten z. B. Bifidobakterien oder Lactobazillus-Stämme – sollen die Darmflora wieder ins Gleichgewicht bringen und den Darm beruhigen.

Komplementärmedizin

Pflanzenheilkunde. Da die Stuhlkonsistenz oft wechselt, sollte nur dann ein entsprechendes Arzneimittel eingenommen werden, wenn das Leitsymptom akut über mehrere Tage hinweg besteht. Welche Mittel hier im Einzelnen infrage kommen, wird bei der Verstopfung und beim Durchfall beschrieben. Bei krampfartigen Schmerzen und Blähungen haben sich Kümmelöl oder Pfefferminzöl (z. B. kombiniert in Enteroplant® -Kapseln) bewährt. Die Wirkung von Pfefferminzöl und indischen Flohsamen gegen diese Beschwerden ist in einer klinischen Studie belegt. Flohsamen sind leichte pflanzliche Abführmittel, die auch Schmerzen lindern.

Homöopathie. Die Homöopathie empfiehlt eine individuell abgestimmte Konstitutionstherapie.

Akupunktur. Es liegt eine Reihe von Erfahrungsberichten vor, nach denen ein Reizdarm mithilfe der Akupunktur gelindert werden konnte; erste Studien scheinen dies zu bestätigen.

Weiterführende Informationen

  • T. Schleip; G. Hoffbauer: Reizdarm. Was wirklich dahinter steckt. Gräfe & Unzer, 2001. Schulmedizinisch orientierter Ratgeber zum Thema Reizdarm, mit vorbildlicher Beschreibung der Erkrankung.
  • W. Kruis; A. Iburg: Reizdarm – Endlich Ruhe im Bauch durch richtige Ernährung. Trias, 2004. Praxisorientierter, detaillierter Ratgeber mit vielen differenzierten Vorschlägen zu einer optimal angepassten Ernährung bei Reizdarmbeschwerden.

Verstopfung

Verstopfung (Obstipation): Erschwerte, verzögerte und zu seltene Darmentleerung (weniger als dreimal pro Woche), oft mit Schmerzen und hartem Stuhl verbunden. In Deutschland leidet ein Drittel der Bevölkerung zeitweise unter Verstopfung und ein Viertel der über 60-Jährigen unter chronischer Verstopfung. Von chronisch wird gesprochen, wenn die Beschwerden in den letzten zwölf Monaten für mindestens drei Monate aufgetreten sind. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Ursachen und dementsprechend auch die Behandlungsstrategien sind vielfältig. Bei ständiger Verstopfung (chronisch habituelle Obstipation) steht – nach Ausschluss schwerwiegender Erkrankungen – eine Änderung der Lebensweise im Vordergrund.

Leitbeschwerden

  • Weniger als drei Stuhlentleerungen pro Woche
  • Harter Stuhlgang
  • Pressen bei der Stuhlentleerung
  • Gefühl unvollständiger Darmentleerung.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn die Beschwerden bereits mehrere Wochen dauern.

Die Erkrankung

Viele Menschen reagieren auf Veränderungen im Tagesablauf mit Verstopfung und brauchen z. B. im Urlaub immer erst ein paar Tage, bis sich wieder eine normale Verdauung eingestellt hat. Auch eine Schwangerschaft, fieberhafte Erkrankungen, Bettlägerigkeit und Schichtarbeit gehen häufig mit einer – meist vorübergehenden – Verstopfung (situative Obstipation) einher.

Eine chronische Verstopfung hat nur selten Krankheitswert, am häufigsten ist sie Folge von Bewegungsmangel, ballaststoffarmer Kost, zu geringer Flüssigkeitszufuhr und Unterdrückung des Reizes zur Stuhlentleerung (chronisch habituelle Obstipation); eine krankhafte Veränderung der Darmfunktion kann meist nicht festgestellt werden. Durch den Mangel an Flüssigkeit, bei älteren Menschen oft als Folge eines mangelnden Durstgefühls, und zu wenig Ballaststoffen in der Ernährung verfestigt sich der Stuhl mehr und mehr und wird von einem träge gewordenen Darm nur langsam vorwärts bewegt. Begünstigt wird die verzögerte Darmpassage des Stuhls auch durch Bewegungsarmut. Verspürt der Betroffene den Drang zur Toilette, ist der Stuhl oft so hart, dass er nur noch unter Schmerzen aus dem Darm gepresst werden kann. Zwischen den Stuhlentleerungen besteht oft Völlegefühl. Manchmal kommt es bei lang anhaltender Verstopfung zu einer so starken Stuhlverhärtung, dass sich der Stuhl im Darm staut (Kotstauung, Koprostase) oder Kotsteine (Kotballen) entstehen, die im Darm festsitzen und eventuell die Darmpassage behindern, wodurch sich der davor gestaute Stuhl verflüssigt und es zu „paradoxem Durchfall" kommt.

Dieses Phänomen findet sich jedoch auch bei Dickdarmtumoren, die das Darminnere einengen, weshalb diese ausgeschlossen werden müssen.

Eine weitere relativ häufige Verstopfungsursache ist der Reizdarm, wobei die Verstopfung in diesem Fall vermutlich auf einer funktionellen Störung der Darmmotorik beruht.

Eine chronische Verstopfung wird nicht selten durch die Dauereinnahme von Abführmitteln hervorgerufen, die über eine vermehrte Ausscheidung von Kalium die Darmträgheit zusätzlich verschlimmern. Auch bei anderen Medikamenten, vor allem bei magensäurebindenden und blutdrucksenkenden Medikamenten, Antidepressiva, Schlaf- und Beruhigungsmitteln, Kodein, Opiaten, Anticholinergika und Colestyramin droht als Nebenwirkung eine Verstopfung.

Eher selten wird eine Verstopfung durch organische Darmerkrankungen verursacht; in diesem Fall setzt die Verstopfung oft plötzlich innerhalb von Stunden oder Tagen ein. Ursache ist meist eine Verengung durch entzündliche Prozesse (z. B. Divertikulitis), gut- bzw. bösartige Wucherungen der Darmschleimhaut (z. B. Darmpolypen oder Darmkrebs). Eine Verstopfung wird auch durch Erkrankungen der Analregion (z. B. Analfissuren oder Hämorrhoiden) begünstigt.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Tritt eine Verstopfung plötzlich auf, lassen sich schwerwiegendere Krankheitsursachen wie Divertikulitis, Darmvertikel oder Darmkrebs oft mit bildgebenden Verfahren wie Bauchultraschall und Darmspiegelung klären – vor allem, wenn weitere Symptome wie heftige Bauchschmerzen oder Blut im Stuhl hinzukommen. Ergänzend können eine Tastuntersuchung des Enddarms und eine Blutuntersuchung Aufschluss bringen, so z. B. der Nachweis möglicher Entzündungszeichen (erhöhte BSG, CRP, Leukozytenzahl bei Divertikulitis) und/oder der Nachweis von okkultem Blut (Hämoccult®). In einigen Fällen ist auch bei chronischer Verstopfung eine Laboruntersuchung sinnvoll, etwa bei Verdacht auf Schilddrüsenunterfunktion oder Abführmittelmissbrauch. Ergeben die Untersuchungen keinen Hinweis auf eine organische Erkrankung, handelt es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um eine habituelle Obstipation oder einen Reizdarm.

Therapie. Ziel der Therapie ist, die Darmtätigkeit durch ballaststoffreiche Kost, viel Flüssigkeit und erhöhte körperliche Aktivität wieder zu normalisieren (siehe Abschnitt Selbsthilfe unten). Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kann der Betroffene die Nahrung mit weiteren nicht verdaulichen Quellstoffen, z. B. Weizenkleie und/oder Leinsamen anreichern. Wenn diese nicht den gewünschten Erfolg bringen, kann die Nahrung mit Flohsamen und/oder Methylzellulose ergänzt werden. Wichtig ist, diese Mittel grundsätzlich mit viel Flüssigkeit einzunehmen, sonst verstärken sie eher die Verstopfung und führen im Extremfall zu einem Darmverschluss. Quellstoffe sollten ohne ärztliche Rücksprache nicht länger als zwei Wochen eingenommen werden: Bei täglicher Anwendung in hoher Dosierung besteht wie bei allen Abführmitteln die Gefahr, dass dem Körper zu viel Wasser und zu viele Mineralsalze entzogen werden.

Versagt auch diese Vorgehensweise, kann der Betroffene als letzte Möglichkeit Lactulose (z. B. Bifiteral®) einnehmen, die dafür sorgt, dass der Stuhl weicher und die Entleerung des Darms einfacher wird. Laktulose hat allerdings den Nachteil, dass sie unangenehme Blähungen verursacht und von Menschen mit Galaktoseintoleranz (angeborene Unverträglichkeit von Galaktose) nicht angewendet werden darf. Ansonsten gilt auch für Laktulose, dass eine längerfristige Anwendung nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen soll. Andere Abführmittel sind bei chronischer (habitueller) Verstopfung grundsätzlich nicht angezeigt (siehe unten).

Stärker wirksame Abführmittel. Liegt eine andere Erkrankung zugrunde, wird der Arzt versuchen, durch Behandlung dieser Krankheit die Verstopfung zu lindern, z. B. durch Gabe von Schilddrüsenhormonen bei Schilddrüsenunterfunktion.

Bleibt die Verstopfung trotz Behandlung der Grundkrankheit bestehen, wie dies häufig bei einer Diabetes bedingten Neuropathie der Fall ist, oder erhalten Krebspatienten zur Schmerztherapie verstopfende Opioide, werden in Einzelfällen auch stärkere Abführmittel verordnet. Dazu zählen Bisacodyl (z. B. Dulcolax®) oder Natriumpicosulfat (z. B. Laxoberal®). Diese Medikamente reizen die Darmwand und bewirken dadurch verstärkte Bewegungen, so dass der Speisebrei schneller befördert wird und die Ausscheidung rascher erfolgt. Wegen ihrer Nebenwirkungen sollten sie nur für kurze Zeit eingenommen werden.

Zur kurzfristigen Darmsäuberung eignen sich auch Bittersalz (Magnesiumsulfat) und Glaubersalz (Natriumsulfat), die den Stuhl aufweichen bzw. die Peristaltik (Wandbewegungen des Darms) anregen. Macrogol (Movicol®) ist ein gutes Abführmittel, das von den Betroffenen leicht selbst dosiert werden kann.

Paraffinöl, das die Gleitfähigkeit des Stuhls erhöht, ohne eine pharmakologische Wirkung auf den Darm zu haben, wird wegen seiner Nebenwirkungen, z. B. verminderter Resorption (Nährstoffaufnahme im Darm) fettlöslicher Vitamine, nur noch selten eingesetzt.

Anthranoide sind Wirkstoffe pflanzlichen Ursprungs zur Linderung von Verstopfungen. Ihre stark abführende Wirkung beruht ebenfalls auf einer Reizung der Darmwand. Gleichzeitig wird die Schleimsekretion angeregt und die Rückführung von Wasser und Salzen aus dem Darm vermindert, so dass der Stuhl flüssiger, weicher und gleitfähiger ist. Je nach Wirkungsintensität löst der Wirkstoff 6–10 Stunden nach Einnahme durchfallartige Stühle aus. Anthrachinonhaltige Pflanzen sind Aloe, Cascarinde, Sennesblätter und -früchte, Faulbaumrinde, Rhabarberwurzel und Kreuzdornbeeren, wobei Aloe die stärkste und Kreuzdornbeeren die schwächste Wirkung haben.

Zu den Nebenwirkungen zählen Mineralienverlust, insbesondere von Kalium, Darmschleimhautentzündungen und kolikartige Unterleibsschmerzen. Auch eine Krebs erregende Wirkung wird diskutiert. Deshalb werden Anthranoide nur noch für maximal 2 Wochen eingesetzt, wenn andere Maßnahmen keine Linderung bewirkt haben.

Selbsthilfe

Sofern keine behandlungsbedürftige Darmerkrankung besteht, lässt sich die Verdauung auf lange Sicht nur normalisieren, wenn Sie ungünstige Lebens- und Ernährungsgewohnheiten ändern. Die Schwerpunkte sind:

Ernährung umstellen. Vollwertkost mit einem hohen Ballaststoffanteil ist zur Beseitigung einer Verstopfung unverzichtbar. Da viele Menschen zunächst mit Unverträglichkeitsreaktionen wie Blähungen und Völlegefühl auf eine ballaststoffreiche Ernährung reagieren, sollten Sie bei der Ernährungsumstellung am besten schrittweise vorgehen, damit der Körper genug Zeit hat, sich umzugewöhnen. Anfangs erhöhen Sie den täglichen Obst- und Gemüseanteil; auch Trockenfeigen, Dörrbirnen und -pflaumen sind hierfür geeignet. Als Nächstes ersetzen Sie Weiß- oder Mischbrot durch Vollkornbrot und Müsli. Essen Sie nichts, was Ihnen nicht bekommt. Wenn Sie z. B. Weißbrot deutlich besser vertragen als Vollkornbrot, hilft vielleicht stattdessen ein täglicher Apfel, Ihre Verdauung anzuregen. Außerdem können Sie den Faseranteil im Essen erhöhen, indem Sie hin und wieder Haferflocken in Milch oder Joghurt einweichen. Sauermilchprodukte wie Joghurt oder Dickmilch sollten ebenfalls regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. Sie wirken sich positiv auf die Darmflora aus und helfen damit, die Verdauung zu normalisieren.

Quellstoffe. Leinsamen, Weizenkleie sowie Flohsamenschalen oder indischer Flohsamen (erhältlich in Reformhäusern oder Apotheken) regen die Verdauung an und machen den Stuhl voluminöser, weicher und geschmeidiger. Diese Eigenschaften entfalten sie jedoch nur, wenn sie mit viel Flüssigkeit eingenommen werden. Bei jeder Einnahme sollten mindestens 200 ml Flüssigkeit zugeführt werden. Trocken eingenommen besteht die Gefahr von Verstopfung bis hin zum Darmverschluss. Zu Beginn der Behandlung kommt es häufig vermehrt zu Blähungen. Um diesen vorzubeugen, empfiehlt es sich, mit einer niedrigen Quellstoffmenge zu beginnen und diese langsam zu steigern. In vielen Fällen genügt eine Tagesdosis von ein bis zwei Teelöffeln. Flohsamenschalen und indischer Flohsamen sind auch in Form von Fertigarzneimittel erhältlich, zum Beispiel Mucofalk® oder Metamucil®. Nehmen Diabetiker Quellstoffe ein, ist eventuell die Insulindosis anzupassen.

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Trinken Sie mindestens 2l pro Tag und steigern Sie Ihre Trinkmenge eventuell auf 3l, wenn Sie Ihre Ernährung auf eine überwiegend ballaststoffreiche Kost umstellen. Da Ballaststoffe stark quellen, verstärken sie bei einer zu geringen Flüssigkeitsaufnahme zunächst die Verstopfung.

Regelmäßige Bewegung. Wenn kein regelmäßiger Sport möglich ist, lässt sich bestimmt ein Spaziergang von 20–30 Minuten Dauer in den Tagesablauf einfügen. Fehlt Ihnen auch dafür die Zeit, sollten Sie sich angewöhnen, Treppen zu laufen und konsequent auf Lift und Rolltreppen zu verzichten.

Sanfte Anregung der Darmtätigkeit. Ein Glas lauwarmes Wasser oder Obstsaft als Morgentrunk gleich nach dem Aufstehen regt die Darmtätigkeit ebenso an (gastrocolonischer Reflex) wie eine 10-minütige Morgenmassage, bei der man beide Hände auf den Bauch legt und dann wiederholt mit sanftem Druck im Uhrzeigersinn nach unten streicht. Eine Wärmflasche, feuchtwarme oder trockenwarme Wickel, z. B. mit Schafgarbe oder Heilerde, für den Unterbauch lindern Druckgefühle und steigern ebenfalls die Darmtätigkeit.

Stuhldrang nicht unterdrücken. Achten Sie auf Körpersignale: Suchen Sie bei Stuhldrang stets möglichst rasch die Toilette auf und unterdrücken Sie ihn nicht. Möglicherweise bietet es sich an, den Darm zu „erziehen“, indem man sich jeden Tag etwas Zeit nimmt und immer zur gleichen Uhrzeit auf die Toilette geht.

Klistiere. Wenn in akuten Fällen nichts anderes hilft, ist die Anwendung eines Klistiers sinnvoll und ungefährlich. Praktisch sind Fertigprodukte auf Glyzerinbasis, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind.

Komplementärmedizin

Homöopathie. Mittel der Hömöopathie sind bei Verstopfung u. a. Alumina, Bryonia, Calcium carbonicum, Nux vomica und Sulfur. Zudem stehen homöopathische Komplexmittel (z. B.Bryonia Pentarkan®) zur Verfügung.

Kolonhydrotherapie (Colon-Hydro-Therapie). Verstopfung ist eine klassische Indikation der Kolonhydrotherapie, einer Weiterentwicklung der Darmspülung. Hierbei wird der Dickdarm mit rund 10l Wasser (25–41 °C) durchspült. Für den Ein- und Ablauf wird ein spezieller Apparat benutzt. Die Wirksamkeit der Therapie bei Verstopfung erscheint vielen Patienten zwar plausibel, ist aber wissenschaftlich gesehen fraglich, es existiert bisher kein wissenschaftlicher Nachweis darüber; eine andere, behandlungsbedürftige Darmerkrankung sollte aber vorher sicher ausgeschlossen sein.

Kritiker verweisen zudem auf die Risiken: So werden neben dem mechanischen Spülen und Entleeren des Darmes auch die lebensnotwendigen Darmkeime ausgeschwemmt und abgesehen von Nebenwirkungen wie Darmkrämpfen, Übelkeit und Brechreiz sind Fälle von Darmperforationen oder Darmblutungen bekannt. Auf der anderen Seite profitieren viele Betroffene von der Therapie (was aber für Anwendungen von Klistieren und anderen Darmspülungen gleichermaßen gilt), weshalb viele Autoren diese als risikoärmere und preisgünstigere Alternativen empfehlen.

Warnhinweis:

Patienten mit Kreislaufschwäche dürfen die Kolonhydrotherapie nicht anwenden.

Weiterführende Informationen

  • K. F. Maier: Verstopfung. Kneipp, 2000. Ratgeber, der rasche Hilfe mit Hausmitteln, Tees, Medikamenten und Ernährung verspricht.
  • G. Leibold: Nie mehr verstopft! Gesunder Magen, aktiver Darm – ohne Rosskur und Tabletten. Oesch Verlag, 2004. Mit reichlich Hintergrundinformationen; beschreibt Vorgänge, die Verstopfungen begünstigen, und zeigt Selbsthilfemaßnahmen auf.

Wurmerkrankungen

Wurmerkrankungen (Helminthosen): Durch Wurmbefall verursachte Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, aber auch anderer Organe. Zu den wichtigsten Würmern, die den Menschen befallen können, gehören Bandwürmer (Cestoden), Fadenwürmer (Nematoden) und Saugwürmer (Trematoden).

Leitbeschwerden

  • Oft nur vage Beschwerden, z. B. Druck im Oberbauch oder leichte Bauchschmerzen
  • Juckreiz und Hautveränderungen in der Analgegend
  • Sichtbare Ausscheidung von Würmern oder Wurmteilen im Stuhl
  • Gewichtsabnahme, Blässe und Schwäche (Blutarmut).

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • Würmer oder Wurmteile im Stuhl zu sehen sind
  • Bisher nicht bekannter Juckreiz in der Analregion auftritt
  • Seit längerem unspezifische Bauchschmerzen bestehen.

Die Erkrankungen

Wurmerkrankungen sind weltweit verbreitet. Meistens erfolgt die Ansteckung über Selbstinfektion durch rohes oder nicht ausreichend gegartes Fleisch oder durch Gemüse, Salat oder Obst, das mit Fäkalien verunreinigt und ungewaschen ist. Die bevorzugt befallenen Organe und die Vermehrungszyklen unterscheiden sich von Wurmart zu Wurmart.

Fadenwürmer (Madenwürmer, Spulwürmer und Trichinen)

Zu den Fadenwürmern (Nematoden) gehören u. a. die Madenwürmer (Oxyuren, Enterobius vermicularis), die auch in unseren Breitengraden weit verbreitet sind. Über verunreinigte Nahrung, Spielzeug oder Wäsche stecken sich besonders Kinder im Kindergarten- oder Grundschulalter an. Die etwa 12 mm langen Würmer siedeln sich im unteren Dünndarmbereich, im Dickdarm und im Wurmfortsatz an. Nachts kriechen die Weibchen aus der Analöffnung heraus und legen ihre Eier ab. Das führt zu starkem Juckreiz am Darmausgang. Der Befallene kratzt sich, fasst mit den verunreinigten Händen Verschiedenes an und verhilft so den Madenwürmern zur Ausbreitung.

Spulwürmer (Ascaris lumbricoides) werden meistens mit verseuchtem Gemüse aufgenommen. Die Larven des Spulwurms werden aus den Eiern im Dünndarm freigesetzt, gelangen durch die Darmwand ins Blut und mit dem Blut über die Leber in die Lunge. Von dort wandern sie bis zum Kehlkopf, werden geschluckt und erreichen so wieder den Dünndarm, wo sie zu bis zu 40 cm langen reifen Würmern heranwachsen. Die Betroffenen bekommen während der Durchwanderung der Lunge oft leichtes Fieber, Husten und andere grippeähnliche oder auch asthmaartige Beschwerden. Der Wurmbefall des Darms löst Bauchschmerzen aus; die Würmer können regelrechte Knäuel im Darm bilden und so einen mechanischen Darmverschluss verursachen. Wandernde Würmer können auch den Gallengang verschließen.

Trichinen (Trichinella spiralis): Trichinen befallen Haus- und Wildschweine und werden durch Verzehr rohen Schweinefleischs vom Menschen aufgenommen. Die von ihnen verursachte Trichinose ist in Deutschland wegen der gesetzlich vorgeschriebenen Fleischbeschau sehr selten geworden. In Osteuropa und Nordamerika ist sie aber immer noch weit verbreitet. Der Wurmbefall im Darm verursacht wässrige Durchfälle, Übelkeit, Erbrechen und leichtes Fieber. Befallen die Larven die Muskulatur, kommt es zu Muskelschmerzen, Wassereinlagerungen im Gewebe, Herzmuskelentzündung und später eventuell zu anhaltenden rheumatischen Beschwerden.

Rinder- und Schweinebandwurm

Der Mensch infiziert sich vor allem durch rohes oder nicht ausreichend gegartes Fleisch mit den Finnen (Jungform = Larve des Bandwurms) von Rinderbandwurm (Taenia saginata) und Schweinebandwurm (Taenia solium). Sie wachsen im Darm zum Bandwurm heran, der aus einem Kopf, einem Halsteil und den daraus gebildeten Bandwurmgliedern (Proglottiden) besteht. Mit dem Stuhl werden einzelne Bandwurmglieder ausgeschieden. Die meisten Menschen haben nur sehr geringe Beschwerden, wenn sie an einer Bandwurmerkrankung leiden. Auffällig sind vor allem Appetitlosigkeit im Wechsel mit Heißhunger und Gewichtsabnahme trotz regelmäßigen Essens. Selten wandern Bandwurmglieder in den Blinddarm oder den Bauchspeicheldrüsengang; sie können dort eine akute Blinddarmentzündung oder eine Bauchspeicheldrüsenentzündung verursachen.

Nimmt ein Mensch die Bandwurmeier (nicht die Finnen) des Schweinebandwurms auf, was auch durch Selbstinfektion möglich ist, entwickeln sich darüberhinaus im menschlichen Körper Larven (Zystizerken). Sie wandern vom Darm über die Blutgefäße in Muskeln und Organe und es kommt zu einer Zystizerkose, die bei Befall der Augen zum Erblinden und bei Eindringen in das zentrale Nervensystem zu Krampfanfällen führen kann. Bleibt der Befall auf die Muskeln beschränkt, klagen die Betroffenen über Muskelschmerzen. Oberflächlich in Haut oder Muskeln liegende Larven lassen sich oft als kleine Knoten ertasten.

Hunde- und Fuchsbandwurm (Echinokokkosen)

Echinokokkosen gehören zu den gefährlichsten Wurmerkrankungen. Die Infektion erfolgt durch Kontakt mit infizierten Füchsen oder Hunden und möglicherweise auch über ungewaschene Heidel- oder Walderdbeeren, die aufgrund ihres niedrigen Wuchses oft mit Ausscheidungen von Füchsen verunreinigt sind. Aus den aufgenommenen Eiern entwickeln sich im Darm Larven, die über die Blutgefäße vor allem in die Leber und seltener in die Lunge und andere Organe wandern.

Hundebandwurm (Echinococcus granulosus): Bildet eine große Zyste in der Leber, in der sich zahlreiche neue Larven entwickeln. Beschwerden treten oft erst auf, wenn die Zyste sehr groß geworden ist und mechanische Raumverdrängungen im Bauchraum zustande kommen. Drückt die Zyste auf die Gallenwege, droht ein Verschlussikterus. Platzt die Zyste, können die ausgeschwemmten Larven zu einem eventuell tödlichen allergischen Schock führen. Auch die Lunge ist oft von der Zyste befallen.

Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis): Bildet in der Leber mehrere kleine Zysten, die tumorartig in umliegende Gewebe und Organe einwachsen und diese zerstören. Auch beim Fuchsbandwurm ist die Leber vergrößert und es kann zum Ikterus kommen.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Eine mikroskopische Stuhluntersuchung liefert den Beweis für vorhandene Wurmeier. Bei Rinder- und Schweinebandwurm wird die Diagnose durch die Identifikation von Bandwurmgliedern im Stuhl gesichert. Die Eier von Spulwürmern lassen sich oft nachweisen, indem man ein Stück Tesafilm auf den Darmausgang klebt, wieder abzieht, auf einen Objektträger klebt und anschließend unter dem Mikroskop untersucht. Hunde- und Fuchsbandwurmbefall können in ~ 85 % der Fälle im Labor mit Antikörpern nachgewiesen werden. Die Zysten in der Leber sind im Ultraschall oder im CT sichtbar.

Therapie. Wurmmittel (Anthelmintika) reichen fast immer aus, um Erkrankungen durch Rinder- und Schweinebandwürmer sowie durch Fadenwürmer zu bekämpfen. Sie werden bei kurzer Behandlungsdauer meistens gut vertragen. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind z. B. Pyrantel (z. B.Helmex®, auch als Saft), das auf Wurmarten lähmend wirkt, wodurch die Würmer lebend mit dem Stuhl ausgeschieden werden, oder Albendazol (z. B. Eskazole® in Tablettenform) bzw. Mebendazol (z. B. Vermox® in Tablettenform), die die Nährstoffaufnahme der Würmer blockieren, so dass diese sterben und dann ebenfalls über den Darm ausgeschieden werden. Je länger die Therapie dauert, umso stärker treten allerdings Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall auf (Weiteres).

Schwierig ist die Therapie allerdings bei Hunde- und Fuchsbandwürmern. Beim Hundebandwurm müssen die Zysten unter begleitender Therapie mit Wurmmitteln operativ entfernt oder der Inhalt vorsichtig abgesaugt werden. Die vollständige Entfernung der Zysten beim Fuchsbandwurm gelingt nur in einem Viertel der Fälle. Generell ist hier eine Langzeitbehandlung mit Wurmmitteln erforderlich.

Prognose

Fadenwürmer, Rinder- und Schweinebandwürmer lassen sich mit Medikamenten leicht therapieren und die Prognose ist nach der Therapie gut. Hunde- und Fuchsbandwurmzysten dagegen vergleichen manche Ärzte zu Recht mit einem bösartigen Tumor – hier hängt die Prognose ab von der durch die Zysten verursachten Zerstörung von Leber oder Lunge.

Vorsorge

Vor Wurminfektionen können Sie sich schützen, indem Sie sich besonders vor jedem Essen die Hände waschen. Haustiere sollte man regelmäßig beim Tierarzt entwurmen lassen, Hundekot an den Schuhen stets gründlich entfernen und nicht ins Haus tragen. Kinder sollten Sie daran hindern, sich am Po zu kratzen. Häufiges Händewaschen und kurz geschnittene Fingernägel unterstützen diese Basismaßnahmen.

Niedrig wachsende Waldbeeren wie Heidelbeeren oder Walderdbeeren, sollten wegen der Verseuchung mit Fuchsbandwurmeiern gemieden werden. Ab einer Strauchhöhe von 50 cm ist das Abernten jedoch unbedenklich.

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