HNO, Atemwege und Lunge


Erkrankungen der Atemwege

Akute Bronchitis

Akute Bronchitis: Zu 90 % durch Viren ausgelöste Infektion der Bronchien, die mit Husten, Fieber und Kopfschmerzen einhergeht. Meist ist auch die Luftröhre (Trachea) betroffen, weshalb Ärzte auch von einer Tracheobronchitis sprechen. In 10 % der Fälle ist die Bronchitis bakteriell bedingt oder sie setzt sich als Komplikation auf eine ursprünglich virale Bronchitis. Weitere Symptome sind Schmerzen hinter dem Brustbein beim Husten, manchmal Muskel- und Gliederschmerzen. Eventuell treten gleichzeitig Beschwerden der oberen Atemwege wie Schnupfen und Halsschmerzen auf. 

Als Komplikation kann sich jede Bronchitis auf die Lunge ausbreiten, der Arzt spricht dann von einer Bronchopneumonie. Diese muss wie eine Lungenentzündung (Pneumonie) anderer Ursache behandelt werden. 

Leitbeschwerden

  • Husten 
  • Schmerzen hinter dem Brustbein beim Husten 
  • Zäher Auswurf (gelblich bei bakteriellen Infekten) 
  • Fieber 
  • Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen. 

Wann zum Arzt

Nach einigen Tagen, wenn das Fieber nicht sinkt oder nach Fieberabfall erneut wieder ansteigt.

Am nächsten Tag, wenn Patienten mit schweren Grunderkrankungen wie Zuckerkrankheit, Herzschwäche und chronischen Lungenerkrankungen betroffen sind.

Die Erkrankung

Eine Bronchitis entsteht, wenn das Abwehrsystem geschwächt ist oder wenn der Mensch mit sehr vielen oder mit besonders ansteckenden Erregern in Kontakt kommt. Das Abwehrsystem wird durch chronische Krankheiten der Atmungsorgane wie Asthma oder COPD beeinträchtigt, aber auch durch chronische Herz-, Leber- und Nierenkrankheiten, Diabetes, Immundefekte und Alkoholismus. 

Wie bei der Erkältung kommen die Erreger vor allem mit der Atemluft in den Körper. Sie gelangen in die unteren Atemwege und führen 1–6 Tage nach Ansteckung zu einer Entzündung der Bronchialschleimhaut mit verstärkter Schleimproduktion. Im Vordergrund steht der dadurch ausgelöste Husten, der oft sehr anstrengend und quälend ist. Grippeähnliche Beschwerden wie starke Kopfschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen können ebenfalls auftreten. Die diagnostische Abgrenzung zur echten Grippe ist dann erschwert. Je nach Erreger und Abwehrlage des Körpers tritt Fieber oder erhöhte Temperatur auf. Der Husten kann den eigentlichen Infekt überdauern und bis zu 8 Wochen anhalten, bevor er abklingt. Häufig ist er von schleimigem Auswurf begleitet. Die Erkrankung heilt von selbst und erfordert meist keine spezielle Behandlung. Bei bakteriellen Zweitinfektionen werden Antibiotika eingesetzt; in diesem Fall ist der Auswurf meist grün–gelblich gefärbt. 

www.salevent.de, Michael Amarotico, München
Die Schleimhaut der Atemwege beim Gesunden – die grün dargestellten Zellen produzieren Schleim, die blauen Zellen tragen Flimmerhärchen. Diese Härchen bewegen sich ständig zum Rachen und zur Nase hin. So transportieren sie Fremdkörper und Schleim und ermöglichen das Abhusten. Dieser Selbstreinigungsmechanismus ist bei Atemwegserkrankungen, aber auch bei Rauchern, beeinträchtigt. Rechts: Entzündete und geschwollene Schleimhaut bei einem Infekt. Die Zellen sind zum Teil zugrunde gegangen und haben ihre Funktion verloren (braun dargestellt).

Komplikationen. Bestehende Herz- oder Lungenkrankheiten können sich verschlechtern und zu Atemnot führen. Wenn sich auf der entzündeten Schleimhaut Bakterien ansiedeln, führen sie zu einer bakteriellen Zweitinfektion. Besonders bei älteren oder abwehrgeschwächten Patienten bereitet eine Bronchitis manchmal den Weg für eine Lungenentzündung. 

Das macht der Arzt 

Der Arzt erfragt die Symptome und untersucht die Lunge; er grenzt den Husten einer akuten Bronchitis von dem Husten, der durch physikalische und chemische Reize (z. B. durch kalte Luft, Fremdkörper, Zigarettenrauch und Medikamente wie ACE-Hemmer, Betablocker) ausgelöst wird, gegebenenfalls veranlasst er Laboruntersuchungen und gelegentlich auch ein Röntgenbild der Lunge. Gelb oder grün gefärbtes Sputum erhöht die Wahrscheinlichkeit eines bakteriellen Infekts nicht.

Bei sonst gesunden Patienten sind Antibiotika zur Behandlung der bakteriellen Zweitinfektion nicht zwingend erforderlich. Die antibiotische Therapie wird aber auch für diesen Patientenkreis empfohlen, wenn der bakterielle Infekt länger als 1 Woche anhält. Bei Risikopatienten werden Antibiotika früher eingesetzt, v. a. zum Schutz vor einer bakteriellen Lungenentzündung. 

Schmerzmittel und eventuell Hustenstiller können die Beschwerden lindern; bei sehr eingeschränkter Atmung ist die Einweisung in ein Krankenhaus erforderlich.

Eine kurzfristige Inhalationstherapie mit Kortikosteroiden kann in manchen Fällen den Krankheitsverlauf abkürzen.

Selbsthilfe

Bettruhe. Solange man erhöhte Temperatur hat, sollte man sich schonen und im Bett bleiben. Bei Fieber verliert der Körper durch das Schwitzen Flüssigkeit. Also ist häufiges Trinken (mindestens 2 l am Tag) das oberste Gebot. Es tut gut, die Füße warm zu halten, und man kleidet sich am besten so, dass man weder schwitzt noch friert. Eine Schadstoffbelastung der Atemluft, z. B. durch Zigarettenrauch – aktiv wie passiv –, sollte unbedingt vermieden werden. Um Komplikationen und eine unnötige Verlängerung der Erkrankung zu verhindern, sollte man die Erkrankung auskurieren und nicht zu früh versuchen, wieder aktiv zu werden. 

Hustenstillung. Husten ist die natürliche Reaktion des Körpers auf eine Reizung der Luftröhre, der Bronchien oder der Lunge und der Versuch, störende Fremdkörper oder gebildeten Schleim zu beseitigen. Bei einer Bronchitis sind die Luftwege durch eine Infektion angegriffen. Man unterscheidet hier zwei Arten von Husten: trockenen Husten und Husten mit Auswurf. Am Anfang einer Erkältung besteht meist trockener Husten. Die Atemwege sind gereizt und schmerzhaft. Nach einigen Tagen legt sich der quälende „unproduktive“ Reizhusten, das Sekret löst sich und kann abgehustet werden. 

Trockener Reizhusten wird erträglicher, wenn Mund und Hals durch Hustenbonbons und reichliche Zufuhr warmer Getränke gut befeuchtet werden. Vor allem (mit Honig) gesüßter Tee lindert den Hustenreiz, weil er die Bildung von Bronchialsekret stimuliert. Als hilfreiche Hausmittel bekannt sind Hustentees, Mischungen z. B. aus EibischIsländisch Moos und Spitzwegerich. Ebenso lindern Dampfbäder mit Kamillenblüten oder Thymian trockenen Reizhusten. 

Brustwickel mit ZwiebelnThymian oder Quark können Linderung für Kinder und auch Erwachsene bringen, ebenso ein warmes Vollbad mit einer Hand voll Thymian als Zusatz. Im Winter, der klassischen Erkältungszeit, ist es auch hilfreich, die meist sehr trockene Heizungsluft anzufeuchten, z. B. durch in Heizungsnähe aufgestellte Wasserbehälter, das Aufhängen von feuchten Tüchern oder das Verdampfen eines Topfes Wasser auf dem Herd. Zur intensiven Anfeuchtung der oberen Luftwege hat sich das Inhalieren heißer Dämpfe bewährt.

Schleim abhusten. Nach einigen Tagen Krankheit mit Fieber hat man viel Flüssigkeit verloren. Diese muss spätestens jetzt ersetzt werden, um den festsitzenden Schleim aus den Atemwegen lösen zu können. Besonders eignen sich auch hier Kräutertees, allerdings in etwas anderer Zusammensetzung, z. B. aus Spitzwegerichkraut, Süßholzwurzel Thymiankraut und Fenchelfrüchten. Zum Süßen bietet sich Fenchelhonig an, der für seinen den Husten lockernden Effekt bekannt ist. 

Gut schleimlösend wirkt auch ein selbst gemachter Zwiebelsirup: Eine klein geschnittene Zwiebel mit einer Tasse Wasser langsam aufkochen, etwas abkühlen lassen und zwei Esslöffel Honig dazugeben. Eine halbe Stunde ziehen lassen, abgießen und über den Tag verteilt schluckweise trinken. Ein gutes Hausmittel ist auch ein Hustensirup, der sich aus einem Ansatz aus frisch geschnittener Zwiebel und Kandiszucker in einem geschlossenen Gefäß nach etwa einem Tag bildet. Davon werden dreimal täglich 2 TL eingenommen. Ein anderes Hausmittel ist der Rettichsirup: Dazu benötigt man eine Knolle schwarzen Rettich und Kandiszucker. Vom Rettich schneidet man eine Kappe ab und höhlt ihn bis auf eine Wandstärke von etwa 1 cm aus. Anschließend setzt man den Rettich auf ein Glas und bohrt einige Löcher mit einem Zahnstocher durch den Boden des Rettichs. Nun füllt man ihn mit Kandiszucker, setzt den Rettichdeckel wieder auf und lässt ihn über Nacht ziehen. Eine Mischung aus Zucker und Rettichsaft tropft in das Glas. Diesen Sirup kann man in kleinen Portionen über den Tag verteilt trinken. Wer möchte, kann ihn erwärmen. 

Nahrungsergänzungsmittel. Erkältungen sind nach aktuellen Forschungsergebnissen immer von einem niedrigen Zinkspiegel begleitet, der darauf hinweist, dass bei Erkältungen Zink verbraucht wird und ein erhöhter Bedarf besteht. Studien zufolge ist das Spurenelement Zink ein wirksames Mittel, Dauer und Schwere von Erkältungskrankheiten zu verringern. Vor allem die Dauer der Symptome lässt sich so um 3–4 Tage verkürzen

Komplementärmedizin

Phytomedizin. Cineol (Soledum® Kapseln), ein Naturwirkstoff aus Limonen, hat ebenfalls eine schleimlösende und bakterienabtötende Wirkung. Bei In-vitro-Studien wurde auch eine virenhemmende Wirkung festgestellt.

Die Wirksamkeit einer kombinierten Phytotherapie mit Thymian plus Efeu sowie Thymian plus Primel bei akutem Husten wurde in zwei kontrollierten Studien nachgewiesen.

Homöopathie. Die Homöopathie kennt zahlreiche Akutmittel zur Linderung der akuten Bronchitis, so z. B. AconitumApis mellificaBellis perennisBryoniaConiumHepar sulfurisLachesisSpongia oder Sulfur

Vorsorge

Füße und Hände immer warm halten! Bei kalten Füßen werden die Schleimhäute der Atemwege reflektorisch schlechter durchblutet. Das fördert die Entstehung von Atemwegsinfekten. Zimmer, in denen Sie sich aufhalten, sollten gut belüftet sein. Während der Heizperiode verhindert erhöhte Luftfeuchtigkeit ein Austrocknen der Schleimhäute. Auch Zink lässt sich vorbeugend nützen, z. B. vor den Haupterkältungszeiten im Herbst und Frühjahr ist die Einnahme von 15 mg Zink zweimal täglich zusätzlich zum Verzehr von reichlich Obst und Gemüse zu empfehlen. 

Atemwegsinfekte treten seltener auf, wenn schädigende Stoffe wie aktiver oder passiver Zigarettenrauch vermieden werden. 

Weiterfüh

  • Öko-Test (Hrsg. und Verlag): Öko-Test Jahrbuch Gesundheit für 2006. Zu beziehen über www.oekotest.de unter der Rubrik Jahrbuch. Zahlreiche Testberichte zu vielen Medikamenten mit nützlichen Verbrauchertipps. 

Asthma

Asthma (Bronchialasthma, Asthma bronchiale): Chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, die mit einer Überempfindlichkeit der Bronchien einhergeht. Dies führt über eine Verengung der Bronchien zu anfallsweise auftretender Atemnot. In vielen Fällen ist eine allergische Reaktionsbereitschaft an der Entstehung des Asthmas beteiligt.

In Deutschland leiden knapp 5 Millionen Menschen an Asthma. Bei der allergischen Form sind oft Kinder unter 10 Jahren betroffen. Das klinische Bild reicht von gelegentlichen leichten Asthmaanfällen bis hin zu schweren Verläufen mit anhaltenden Atembeschwerden und häufigen, eventuell lebensbedrohlichen Atemnotanfällen. Aufgrund der Folgeschäden sterben etwa 7 000 Asthmapatienten pro Jahr in Deutschland.

Mit einer konsequenten Therapie und dem Meiden der Auslöser werden Häufigkeit und Schwere der Atemnotanfälle reduziert und Folgeschäden vermieden.

Leitbeschwerden

  • Kurzatmigkeit
  • Atemnot mit typisch erschwerter, verlängerter Ausatmung und pfeifenden Nebengeräuschen (häufig nachts auftretend)
  • Unruhe, Angst, eventuell Sprechschwierigkeiten und bläuliche Verfärbung der Lippen
  • Bevorzugung einer aufrechten Sitzhaltung mit vornübergeneigtem Oberkörper und aufgestützten Armen.

Wann zum Arzt

Innerhalb der nächsten Tage, wenn

  • Immer wieder Atemprobleme oder krampfartige Hustenattacken auftreten, für die es keine Erklärung (z. B. Atemwegsinfekt) zu geben scheint
  • Zahl oder Schwere der Asthmaanfälle zunehmen.

Sofort den Notarzt rufen

  • Wenn erstmals ein Atemnotanfall auftritt
  • Wenn bei bekanntem Asthma im Atemnotanfall die Notfallmedikamente nicht mehr wirken
  • Wenn der Atemnotfall mit ausgeprägter Erstickungsangst oder anderen besorgniserregenden Symptomen (z. B. verminderte Ansprechbarkeit, starke Erschöpfung, Bewusstseinstrübung) einhergeht.

Die Erkrankung

Ausgangspunkt ist eine anhaltende Entzündung oder eine allergische Reaktion der Bronchialschleimhaut. Die Bronchialwand ist überempfindlich (bronchiale Hyperreagibilität) gegen eine Vielzahl von Reizen: Die Konfrontation mit diesen Reizen führt zu einem Asthmaanfall. Eine heftige Abwehrreaktion bewirkt ein Anschwellen der Bronchialschleimhaut, die zähen Schleim absondert, der nur schwer abtransportiert wird. Gleichzeitig verkrampft sich die Muskulatur der Bronchien (Bronchospasmus). Durch diese Verengung der Bronchien (Atemwegsobstruktion) kann die eingeatmete Luft nicht mehr ungehindert ausgeatmet werden. Die Einatmung ist ebenfalls behindert, aber ein viel größeres Problem ist die nicht funktionierende Ausatmung. Die verbrauchte Luft staut sich in der Lunge und die Sauerstoffzufuhr reicht nicht mehr aus. Die Lunge ist überbläht, und der Betroffene kann kaum mehr atmen.

Man unterscheidet zwei Hauptgruppen des Asthmas:

  • Exogen-allergisches Asthma (extrinsic Asthma), dem eine Fehlsteuerung des Immunsystems zugrunde liegt. Hier wird eine Abwehrreaktion gegen eigentlich harmlose Substanzen der Umwelt wie Blütenpollen, Nahrungsmittel oder Tierhaare in Gang gesetzt. Sie tritt oft gemeinsam mit Heuschnupfen und Neurodermitis meist zwischen dem 3. und 10. Lebensjahr auf.
  • Nicht allergisches Asthma (intrinsic Asthma) tritt bevorzugt bei über 40-Jährigen auf und entwickelt sich meist nach einem Atemwegsinfekt; danach lösen eine Reihe nicht allergischer Faktoren wie körperliche Anstrengung, kalte oder warm-feuchte Luft, Stress, Weinen oder atemwegsreizende Substanzen (Tabakrauch, Ozon, Duftstoffe oder Lösungsmittel) einen Asthmaanfall aus.

Diese Einteilung trifft aber nur auf einen Teil der Patienten zu, faktisch überwiegen Mischformen (mixed asthma). So reagieren Patienten mit exogen-allergischem Asthma sehr häufig auch auf nicht allergische Reize – vor allem auf Zigarettenrauch, Düfte, körperliche Belastung oder psychische Stresssituationen. Darüber hinaus verändert sich ein allergisches Asthma im mittleren Lebensalter oft zu einer nicht allergischen Form. Hinzu kommen verschiedene Sonderformen:

  • Dazu gehört das typischerweise nach körperlicher Anstrengung (z. B. bei Kaltsportarten wie Skilanglauf oder Sportarten mit häufigen Belastungsspitzen wie Fußball) auftretende Anstrengungsasthma, das sowohl im Rahmen des exogen-allergischen oder nicht allergischen Asthmas als auch isoliert auftritt.
  • Auch Medikamente aus der Gruppe der Cyclooxygenase-Hemmer (z. B. Acetylsalicylsäure) und bestimmte Beta-Blocker können bei manchen Menschen einen Asthmaanfall verursachen oder ein bestehendes Asthma verschlimmern (medikamenteninduziertes Asthma).
  • Laut Schätzungen entwickeln ~ 10 % der erwachsenen Asthmatiker ihre Erkrankung am Arbeitsplatz. Für ein berufsbedingtes Asthma spricht, wenn sich die Asthmasymptome an arbeitsfreien Tagen bessern. In diesem Fall lässt sich ein Arbeitsplatzwechsel meist nicht umgehen.
  • Gelegentlich kann zudem ein Rückfluss von Magensäure (Refluxkrankheit) oder eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung, in sehr seltenen Fällen auch ein Befall mit Parasiten (z. B. Echinokokken) Asthma auslösen.

Asthmaanfall. Ein Asthmaanfall entwickelt sich oft innerhalb weniger Minuten und wird meist durch Kurzatmigkeit und trockenen Husten eingeleitet. Die Ausatmung ist verlängert und erschwert, typischerweise sind ein Giemen („Pfeifen“) und Brummen zu hören. Der Betroffene setzt sich instinktiv aufrecht hin, lehnt sich nach vorn und stützt sich mit den Armen seitlich ab (Kutschersitz). Das dient der Unterstützung der Atmung: der Arzt spricht vom Einsatz der Atemhilfsmuskulatur (bewusst zur Atmung einsetzbare Muskeln, vor allem Brust-, Hals- und Bauchmuskeln).

Mit der Atemnot gehen oft ein Beklemmungsgefühl im Brustkorb („eiserne Faust“) sowie Unruhe und Erstickungsangst einher – was die Atemnot weiter verstärkt. Im schweren Asthmaanfall kommt es zur Unterversorgung des Organismus mit Sauerstoff (Hypoxämie) und es besteht Lebensgefahr. Erkennbar ist dies daran, dass der Betroffene einen stark erschöpften und verwirrten Eindruck macht; er hat einen rasenden Puls bei gleichzeitig schwachen Atemgeräuschen.

Schwerstes Bild ist der Status asthmaticus, ein lang anhaltender oder in kurzer Folge wiederkehrender Asthmaanfall. Er ist immer ein Notfall: Der Patient muss häufig intubiert und künstlich beatmet werden. Nahezu alle Asthmatiker, die an ihrer Erkrankung sterben, ersticken im Status asthmaticus.

Je nach Schweregrad variieren Anzahl und Dauer der akuten Atemnotanfälle, wobei eine vollständige Beschwerdefreiheit zwischen den Anfällen häufig ist. Gerade der „episodische“ Verlauf unterscheidet das Asthma von anderen Atemwegserkrankungen wie etwa der chronischen oder chronisch-obstruktiven Bronchitis (COPD).

Wichtig ist, die Warnsignale eines sich anbahnenden Asthmaanfalls zu kennen:

  • Der Peakflow-Meter zeigt mehrere Tage stark schwankende Werte (über 20 %) bzw. Werte unter 80 % des persönlichen Bestwerts an.
  • Die Beschwerden wie z. B. Husten nehmen in der Nacht zu.
  • Die Medikamente wirken schlechter.
  • Müdigkeit und Schwäche.
  • Eine beginnende Erkältung.
  • Manchmal auch psychische Erregung.

Mögliche Begleiterscheinungen

Kariesvorsorge. Einer aktuellen Studie zufolge haben Asthmatiker ein erhöhtes Karies-Risiko. Schwedische Forscher untersuchten, wie groß das Risiko für Asthma-Patienten im Teenager- und jungen Erwachsenenalter ist, Karies zu bekommen. Wie sich zeigte, erkrankten die Asthmatiker 2,7-mal häufiger an Karies als die Kinder ohne Asthma. Ursachen dafür gibt es einige. Zum einen atmen Kinder mit Asthma mehr durch den Mund. Dadurch trocknet ihr Gaumen aus, sie bekommen mehr Durst und trinken viel – leider auch mehr zuckerhaltige Säfte und Limonaden. Zudem drosseln Asthma-Medikamente den zusätzlich Speichelfluss. Ein anderer Risikofaktor sind Zahnfleischentzündungen – auch sie treten bei Kindern mit Asthma häufiger auf. Betroffene können ihr Karies-Risiko aber leicht senken, indem sie auf eine gründliche Mundhygiene achten und regelmäßig zur Zahnvorsorge gehen.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung

Im akuten Asthmaanfall stellt der Arzt die Diagnose meist schon anhand der typischen Haltung und der pfeifenden Atmung des Patienten. Die körperliche Untersuchung zeigt den Schweregrad. Beim Abklopfen fällt ein heller (hypersonorer) Klopfschall (klingt ähnlich, als würde man auf eine hohle Schachtel klopfen) infolge der Lungenblähung auf. Das Abhören ergibt neben giemenden bzw. pfeifenden Atemnebengeräuschen eine verlängerte Ausatmung. Je weniger Atemgeräusche zu hören sind, desto kritischer ist die Situation („stille Lunge“). Ferner dienen die Atemfrequenz und die Blutgasanalyse der Einschätzung der Situation. Zum Ausschluss eines Pneumothorax, einer Lungenentzündung und anderer Lungenerkrankungen wird evtl. eine Röntgenaufnahme der Lunge angefertigt. Im EKG lassen sich möglicherweise Zeichen einer Rechtsherzbelastung nachweisen.

In beschwerdefreien Zeiten stützt sich die Diagnostik bei Verdacht auf Asthma auf vier Pfeiler: Anamnese, körperliche Untersuchung, Prüfung der Lungenfunktion sowie der Ausschluss anderer Erkrankungen. Lässt sich eine Verengung der Bronchien auf diesem Weg nicht nachweisen, wird ein inhalativer Provokationstest durchgeführt; weitere Funktions-, Labor- und bildgebende Untersuchungen geben Aufschluss über mögliche Begleiterkrankungen, insbesondere über Allergien.

Therapie

Überblick. Asthma kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein und die Erkrankung kann sich im Lauf der Zeit ändern. Es muss deshalb immer individuell und mit unterschiedlichen Medikamenten behandelt werden. Dafür wurde ein Stufenplan entwickelt, der vier verschiedene Schweregrade unterscheidet und entsprechend die Medikamente und deren Dosierungen vorschreibt. Die optimal eingestellte Asthmatherapie verhindert Atemnotanfälle idealerweise vollständig und ermöglicht dem Patienten, den Aktivitäten seines täglichen Lebens unbeeinträchtigt nachzugehen.

Meiden von anfallsauslösenden Reizen.

  • Allergenkarenz, also den Kontakt mit den individuellen Allergenen zu vermeiden, ist beim exogen-allergischen Asthma oberstes Gebot. Ist dies nicht möglich, kann versucht werden, die Menge der Allergieauslöser so weit wie möglich zu verringern, z. B. durch Sanierung der Wohnräume des Patienten. Bei bestimmten identifizierten Allergenen (vor allem Pollen, Insektengift, Hausstaubmilben) bietet sich auch eine Hyposensibilisierung an.
  • Rauchen und Asthma sind nicht miteinander vereinbar. Gelingt es nicht, das Rauchen ohne therapeutische Hilfe aufzugeben, ist die Teilnahme an einem Raucherentwöhnungsprogramm sinnvoll. Auch Passivrauchen ist gefährlich. Deshalb sollten verqualmte Räumlichkeiten gemieden werden, und der Asthmapatient muss darum bitten, dass in seiner Gegenwart nicht geraucht wird.
  • Da Infekte ebenfalls Asthmaanfälle provozieren, sind Schutzimpfungen gegen Grippe und Pneumokokken sinnvoll und wichtig.

Bedarfs- und Anfallstherapie. Alle Asthmatiker sollten immer ein Bedarfsmedikament bei sich tragen, damit sie sich selbst helfen können, wenn Atemnot auftritt: Eine kleine Spraydose mit einem Mittel, das die Verkrampfung der Bronchialmuskulatur löst und die Atemwege wieder erweitert, einen (kurz wirksamen) Bronchodilatator. Da dieses Medikament nicht regelmäßig eingenommen, sondern nur bei Bedarf angewendet wird, bezeichnet man es als Bedarfsmedikation.

Dauermedikation nach Stufenplan. Mit der Dauermedikation wird angestrebt, mit so wenigen Medikamenten wie möglich die Anfallsfreiheit zu garantieren.

Treten mehr als ein Mal wöchentlich Probleme mit der Atmung auf, die den Einsatz des Sprays notwendig machen, wird mit der Dauermedikation aus Entzündungshemmern begonnen. Am wichtigsten ist Kortison, das die Schwellung und Schleimbildung in den Atemwegen zurückgehen lässt. Die Pharma-Info gibt einen detaillierten Überblick über alle weiteren Medikamente. Eine regelmäßige Einnahme der Medikamente wird die Lungenfunktion in der Regel langfristig deutlich verbessern.

Leider vernachlässigen viele Patienten ihre Dauertherapie, wenn sie sich beschwerdefrei fühlen. So verpassen sie die Chance, nicht mehr rückgängig zu machenden Strukturveränderungen der Lunge, wie z. B. einer dauerhaften Bronchienverengung, vorzubeugen.

Begleitmaßnahmen. Die Messung des Peakflows (Atemspitzenstoß, peak expiratory flow, PEF) mit dem Peakflow-Meter ist für die Therapiesteuerung des Asthmas unverzichtbar. Wertvoll für den Arzt und den Betroffenen ist vor allem die Verlaufsbeobachtung, d. h., wie sich die Messwerte im Laufe eines Tages oder unter Einfluss bestimmter Medikamente ändern. So lässt sich eine Verschlechterung der Atmung schon dann erkennen, wenn noch keine körperlichen Symptome wahrgenommen werden.

Der Peakflow hängt nicht nur vom Schweregrad der Erkrankung, sondern auch vom Alter, vom Geschlecht und von der Körpergröße ab. Deshalb wird zunächst an mehreren „guten“ Tagen ein persönlicher Bestwert bestimmt, der dann als 100 %-Vergleichsgröße für alle weiteren Messungen dient.

Prognose

Für Patienten mit mäßig häufigen Asthmaanfällen ist die Prognose gut. Gleiches gilt für Kinder. Bei ihnen verschwinden die Krankheitszeichen in der Pubertät oft vollständig, die Überempfindlichkeit der Atemwege bleibt allerdings ein Leben lang bestehen. Ansonsten hängt die Langzeitprognose davon ab, ob Schädigungen an Lunge oder Herz vermieden werden können. Die Aussichten sind gut, wenn die medikamentöse Dauertherapie dem jeweiligen Bedarf angepasst ist und konsequent durchgeführt wird.

Selbsthilfe

Mit dem richtigen Wissen über Ihre Krankheit und dem festen Willen, sich von Ihrem Asthma nicht unterkriegen zu lassen, können Sie Ihre Lebensqualität entscheidend verbessern. Die folgenden Maßnahmen umreißen besonders bewährte Felder der Selbsthilfe.

Angst bewältigen. Die Angst, im Asthmaanfall zu ersticken, begleitet den Betroffenen ein Leben lang. Mit dieser Bedrohung zurechtzukommen und trotzdem offen für die Freuden des Lebens zu bleiben gehört zu den Herausforderungen der Erkrankung. Viele Asthmapatienten profitieren von dem Erlernen einer Entspannungsmethode. Empfohlen werden vor allem Autogenes Training, Qigong, Yoga, Progressive Muskelentspannung und Meditation. Wenn die Ängste dennoch übermächtig werden und einen normalen Tagesablauf unmöglich machen, sollte eine Psychotherapie in Erwägung gezogen werden.

Asthmaschulung. Im Rahmen einer Asthmaschulung lernen Sie Ihre Erkrankung im täglichen Leben und auch in Krisensituationen eigenverantwortlich zu meistern. Schwerpunkte sind der Umgang mit Ihren Medikamenten und die Maßnahmen zur Selbstkontrolle. Dazu gehören z. B. die regelmäßigen Messungen mit dem Peakflow-Meter, die Einübung von Entspannungs- und Atemübungen sowie bestimmte Körperhaltungen und Atemtechniken, um die Atmung während eines Asthmaanfalls zu erleichtern:

  • Kutschersitz: Hierbei setzen Sie sich leicht nach vorn gebeugt auf einen Stuhl. Mit den Unterarmen bzw. mit den Ellenbogen stützen Sie Ihren Oberkörper auf den leicht gespreizten Oberschenkeln ab.
  • Torwartstellung: Sie stehen mit leicht gespreizten Beinen, beugen sich leicht nach vorn und stützen sich mit den Händen auf die Oberschenkel.
  • Lippenbremse: Sie atmen langsam und dosiert gegen den Widerstand Ihrer gespitzten und locker aufeinanderliegenden Lippen aus. Auf diese Weise entsteht bei der Ausatmung eine leichte (Luft-)Druckerhöhung in der Mundhöhle. Dieser erhöhte Druck setzt sich bis in die kleinsten Bronchiolen hinein fort, sodass diese nun nicht mehr zusammenfallen können und mehr Luft ausgeatmet werden kann. Auch langsames Einatmen mit nachfolgendem Luftanhalten kann helfen.

Auch Angehörige können an einer Asthmaschulung teilnehmen, da sie oft entscheidend dazu beitragen, dass ein Asthmaanfall nicht zu einer lebensbedrohlichen Situation wird, indem sie Ruhe bewahren und hilfreiche Maßnahmen durchführen bzw. rechtzeitig den Notarzt holen.

Therapieplan. Bitten Sie Ihren behandelnden Arzt um einen schriftlichen Therapieplan, der auf Ihre persönliche Lebenssituation abgestimmt ist und Vorgaben für ein angemessenes Verhalten in Ausnahme- und Notsituationen enthält.

Da einige Arzneimittel Asthmaanfälle auslösen können, ist es wichtig, bei jedem neuen Arztkontakt auf die Asthmaerkrankung hinzuweisen. Dazu gehören z. B. Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin®), NSAR-Schmerzmittel oder Beta-Blocker (auch Augentropfen, z. B. für die Behandlung des Grünen Stars), die bei Asthmatikern eine Verengung der Bronchien bewirken. Gleiches gilt für einige naturheilkundliche Präparate wie z. B. Gelee royale und Echinacea.

Häusliche Umgebung sanieren. Davon profitieren Sie vor allem, wenn Sie ein exogen-allergisches Asthma haben und gegen Hausstaubmilben allergisch sind. Die Maßnahmen sind an anderer Stelle ausführlich erklärt.

Sport. Untersuchungen haben ergeben, dass ein guter Trainingszustand sich günstig auf den Verlauf der Asthmaerkrankung und sogar auf Anstrengungsasthma auswirkt. Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert bei jedem Menschen die Lungenfunktion, und so steigt auch bei einem Asthmakranken die Reizschwelle für die Auslösung eines Asthmaanfalls. Besonders günstig sind dynamische Sportarten, mit denen zugleich die Ausdauer trainiert werden kann, wie etwa Schwimmen (in chlorarmem Wasser), Segeln, Tanzen, Rudern, Radfahren, Nordic Walking oder Jogging. Disziplinen, die plötzlich starke Kraftanstrengungen oder vermehrte Pressatmung erfordern, sind dagegen für Asthmatiker nicht empfehlenswert. Dazu gehören z. B. schnelles Radfahren, Krafttraining oder Sprinten. In Lungensportgruppen können Asthmatiker unter Anleitung eines speziell ausgebildeten Übungsleiters und unter ärztlicher Aufsicht Sport treiben.

Banal, aber wichtig: Asthmasprays und ggf. Allergiepass beim Sport nicht vergessen!

Tipps zum Reisen mit Asthma

Komplementärmedizin

Die Pflanzenheilkunde empfiehlt u. a. Extrakte aus getrocknetem Efeu (Hedera helix, z. B. Prospan®), Thymian (Thymus vulgaris, z. B. Aspecton®), Pestwurz (Petasites hybridus, z. B. Petadolex®) und Spitzwegerich (Plantago lanceolata, z. B. Broncho Sern® Sirup), die eine bronchienerweiternde und schleimlösende Wirkung haben. Die Heilpflanzen werden bevorzugt als Fertigarzneien eingesetzt und sind rezeptfrei erhältlich, sollten jedoch erst nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden (Allergiegefahr!).

Homöopathie. Nach verschiedenen Erfahrungsberichten lindert eine individuell abgestimmte Konstitutionstherapie die Beschwerden und wirkt sich positiv auf Häufigkeit und Schwere der Anfälle aus. Der schwere akute Asthmaanfall ist jedoch kein Fall für die Homöopathie.

Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Massage die Lungenfunktion bei Asthmapatienten verbessert [H02]; Biofeedback lindert vor allem bei Kindern die Asthmabeschwerden , und Erfahrungsberichte weisen auf eine Linderung der asthmatischen Beschwerden durch Akupunktur hin.

Spezielle Atemtechnik. Mit der Atemtechnik nach Buteyko(eukapnisches Atmen) wird trainiert, langsam und flach zu atmen. Es gibt Hinweise, dass mit dieser Methode die Einnahme von Asthmamedikamenten reduziert und die Lebensqualität verbessert werden kann.

Klimatherapie (Nordsee). Das Reizklima der Nordsee ist stärker als das an der Ostsee, denn durch den stärkeren Wellengang gelangen entzündungshemmende Salzwasserpartikel als Aerosol vermehrt in die Atemwege und lindern die Beschwerden.

Vorsorge

Mütter mit Asthma sollten stillen. Dadurch senken sie das Risiko, dass ihre Kinder später selbst an Asthma erkranken. Denn eine aktuelle Studie ergab, dass Babys, die gestillt werden, später eine bessere Lungenfunktion haben. Sie können freier atmen und besitzen eine größere Lunge als Flaschenbabys. Das Saugen an der Brust ist anstrengender und verlangt eine spezielle Atemtechnik, die das Lungenwachstum stimuliert. Je länger die Kinder gestillt werden, desto besser ist die Lungenfunktion. In der Muttermilch stecken zusätzlich Abwehrstoffe

Weiterführende Informationen

  • www.atemwegsliga.de – Website der Deutschen Atemwegsliga e. V., Bad Lippspringe: Unter anderem Downloads zu Spezialfragen wie Schwangerschaft, Reisen oder Asthma bei Kindern.
  • www.patientenliga-atemweg.de – Website der Patientenliga Atemwegserkrankungen e. V., Dienheim: Ausführliche Informationen zum Thema Lungensport sowie Broschüren zum Herunterladen, z. B. zu den Themen Selbsthilfe und (alternative) Behandlungsmöglichkeiten des Asthmas.
  • www.lungensport.org – Website der Arbeitsgemeinschaft Lungensport in Deutschland e. V., Oppenheim: Bietet u. a. ein Adressenverzeichnis der regional organisierten Lungensportgruppen.
  • H. Fabel (Hrsg.): Asthma Management. Thieme, 2001. Faktenreicher medizinischer Fachratgeber.
  • C. Kroegel: Asthma. Trias, 2005. Verständlicher Ratgeber über Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie des Asthmas; mit Tipps für den Alltag.
  • M. Schirner: Atem-Techniken. Schirner, 2000. Verständlich dargestellte und leicht zu lernende atemgymnastische Übungen zur besseren Beherrschung des Asthmas.
  • S. Theiling: Der Luftikurs für Kinder mit Asthma. Trias, 2001. Das Buch basiert auf dem Osnabrücker Asthmabetreuungskonzept und richtet sich zunächst explizit an betroffene Kinder und – im zweiten Teil des Buchs – ihre Eltern.

Bronchiektasen

Bronchiektas[i]en: Irreversible Erweiterung und Aussackung von Bronchien, meist erworben durch wiederkehrende Infekte wie Tuberkulose, Masern und Keuchhusten. Auch der Verschluss eines Bronchus durch einen Tumor oder eingeatmete Fremdkörper begünstigt die Bildung von Bronchiektasen. In diesen Bronchialaussackungen sammelt sich Schleim, der einen Nährboden für Bakterien oder Pilze darstellt. Häufige und meist chronische Infekte sind die Folge. Die Leitsymptome sind Husten und Auswurf. Bronchiektasen sind glücklicherweise selten geworden, weil sie früher entdeckt und die auslösenden Infekte besser therapiert werden können. Die Erkrankung ist nur selten durch eine operative Entfernung der betroffenen Lungenabschnitte heilbar.

Leitbeschwerden

  • Chronischer Husten
  • Vor allem morgens reichlich Auswurf, der typischerweise aus drei Schichten besteht: Schaum, Schleim, grün-gelber Eiter; häufig sind auch kleine Blutmengen enthalten
  • In späteren Stadien der Erkrankung zunehmende Luftnot.

Die Erkrankung

Bronchiektasen sind narbige bindegewebige Aussackungen der Bronchialwand, die sich gerne entzünden und von Krankheitserregern besiedelt werden. In der Folge breitet sich die Entzündung auf das umliegende Gewebe aus. Der normale Wandbau der Luftwege wird zerstört und durch Narbengewebe ersetzt. Da sich in den Bronchiektas[i]en Schleim ansammelt, der einen guten Nährboden für Bakterien und Pilze bietet, kommt es zu Atemwegsinfekten mit Fieber, verstärktem Husten und Atemnot. Besonders morgens und nach Lagewechsel werden große Mengen an Schleim und Eiter abgehustet.

Das macht der Arzt

Die Diagnose ergibt sich aus der Anamnese und anhand der häufigen, meist fieberhaften Atemwegsinfekte mit regelmäßigem grün-gelblichem Auswurf (Sputum). Eine CT zeigt die Erweiterung der Bronchien. Die mikrobiologische Untersuchung des Auswurfs ermöglicht eine gezielte Antibiotikatherapie.

In schweren Fällen wird der Lungenfacharzt eine Operation erwägen, sie ist bei einem Befall nur eines Lungenflügels und bei Begrenzung auf wenige Lungensegmente möglich.

In den meisten Fällen ist eine Langzeittherapie erforderlich, um die Infektionen der Lunge auf ein Minimum zu reduzieren.

Die Physiotherapie führt die Bronchialtoilette mit Lagerungsbehandlung und Klopfmassage, Atemgymnastik und Abhustetechniken durch; der Patient sollte die Methoden der Bronchialtoilette selbst erlernen und konsequent zu Hause anwenden. Weiter empfiehlt der Arzt die jährliche Grippeimpfung und alle 5–6 Jahre die Impfung gegen Pneumokokken.

Das Voranschreiten der Krankheit wird durch diese Maßnahmen verlangsamt, eine Heilung ist jedoch nur durch eine operative Entfernung der Bronchiektasen möglich.

Selbsthilfe

Neben der Atemtherapie sind Antibiotika die wichtigsten Verbündeten, um die Krankheit zu bekämpfen. Nehmen Sie die Medikamente wirklich konsequent und regelmäßig ein.

Chronische Bronchitis und COPD

Chronische Bronchitis („Raucherhusten“, simple chronic bronchitis): Anhaltende Entzündung der Bronchien mit chronischem Husten und schleimig-weißem Auswurf (Sputum). Es ist die häufigste chronische Lungenerkrankung. Hierzulande sind 10–15 % der Bevölkerung über 40 Jahre betroffen, davon sind 90 % Raucher. Bei konsequentem Rauchverzicht ist die chronische Bronchitis heilbar. Wird weiter geraucht, geht sie in 20 % der Fälle in die COPD über. Ebenso steigt das Lungenkrebsrisiko.

COPD (chronisch-obstruktive Bronchitis, chronic obstructive pulmonary disease): Auf dem Boden einer chronischen Bronchitis entstandenes unheilbares Krankheitsbild mit anhaltender Verengung der Bronchien (Atemwegsobstruktion) und anderen nicht mehr rückbildungsfähigen Um- und Abbauprozessen des Bronchialsystems. Zu den Symptomen einer chronischen Bronchitis kommen hier noch zäher Schleim, Atemnot bei Belastung (Belastungsdyspnoe) und akute Schübe hinzu, die zu einer Verschlimmerung der Symptome (infektiöse Exazerbation) mit teilweise lebensbedrohlichem Verlauf führen, meist als Folge von Infekten. Die Übergänge zur chronischen Ateminsuffizienz sind fließend. Weltweit ist die COPD die vierthäufigste Todesursache: Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt unter 35 %; bei absolutem Rauchverzicht und konsequenter medikamentöser Dauertherapie ist die Lebenserwartung höher.

Asthma-COPD-Overlap-Syndrom (ACOS): Mischform aus Asthma und COPD, bei der die Patienten Symptome beider Erkrankungen aufweisen.

Leitbeschwerden

Chronische Bronchitis:

  • Morgens Husten mit schleimig-weißem Auswurf (Raucherhusten).

COPD:

  • Frühstadium: Atemnot bei mäßiger Belastung (z. B. Treppensteigen), Engegefühl in der Brust, nächtlicher Husten, Auswurf von zähem Schleim, Anfälligkeit für Atemwegsinfekte
  • Im weiteren Verlauf: Atemnot als Dauerzustand (auch in Ruhe), Keuchen, massiver Auswurf, fassförmiges Aussehen der Brust, oft Gewichtsverlust
  • Spätstadium: Bläuliche Verfärbung von Haut und Schleimhäuten, eventuell Zittern und Unruhe.

Wann zum Arzt

Innerhalb der nächsten Tage, wenn die Atemnot und der Husten zunehmen.

Heute noch, wenn bei bekannter COPD Anzeichen einer Atemwegsinfektion auftreten (Verdacht auf Bronchitis).

Die Erkrankung

Die COPD ist ein über Jahre und Jahrzehnte fortschreitender komplexer Krankheitsprozess. Anfangs, in der Phase der chronischen Bronchitis, ist die Schleimhautschädigung noch rückbildungsfähig, sie führt jedoch beim weiteren Fortschreiten der Krankheit zu einer unwiderruflichen Verengung der Bronchien (Atemwegsobstruktion) und schließlich zum Lungenemphysem. Hierbei nimmt die Leistung der Lunge ständig ab, und der Patient leidet an Atemschwäche (chronische Ateminsuffizienz), denn das Emphysem führt zu einer Verringerung des Lungengewebes, das am Gasaustausch beteiligt ist.

Raucherhusten. Im Mittelpunkt steht die Entzündung der Bronchialschleimhaut als Folge der ständigen Reizung durch eingeatmete Schadstoffe, die in 90 % der Fälle aus dem Zigarettenrauch stammen. Dies hemmt die Aktivität der Flimmerhärchen, die den Bronchialschleim abtransportieren. Vor allem nachts kommt es zu vermehrter Schleimansammlung, die dann den Raucherhusten, das typische morgendliche Abhusten, auslöst, wodurch zumindest ein Teil des Schleims hinausbefördert wird.

Besteht die Reizung weiter, beginnt sich die Bronchialschleimhaut umzuwandeln: Sie schwillt an und wird dicker (Schleimhautödem), die Schleimdrüsen vermehren und vergrößern sich, die Schleimproduktion nimmt weiter zu. Gleichzeitig gehen immer mehr Flimmerhärchen zugrunde. Die schwer geschädigte Schleimhaut vermag ihre Transportfunktion kaum mehr zu erfüllen, sodass die immer größeren Mengen des zähen Schleims immer weniger nach außen gelangen und damit den Boden für die Besiedelung mit Krankheitserregern liefern. Die Betroffenen leiden nun häufig unter akuten Atemwegsinfektionen, was zu Husten, vermehrtem Auswurf, Keuchen und Atemnot bereits bei minimaler körperlicher Anstrengung (wie z. B. Treppensteigen) führt. Am Ende des Teufelkreises steht die weitgehende Rückbildung der Bronchialschleimhaut und die Verdickung und Erschlaffung der Bronchialwand, die zum Kollaps einzelner Bronchien führt, sowie die Neigung der Bronchialmuskulatur, zu verkrampfen (Bronchospasmus). Dadurch kommt es zu einer bronchialen Hyperreagibilität, also einer dauerhaften Verengung und oft auch Überempfindlichkeit der Bronchien, die sich durch anfallsartig auftretende Atemnot äußert und von einem „echten“ Asthmaanfall kaum mehr zu unterscheiden ist.

Komplikationen und Folgeerkrankungen

Lungenemphysem. Durch die anhaltende Verengung der Atemwege bleibt beim Ausatmen vermehrt Luft in den Lungen zurück (erhöhtes Residualvolumen). Dies hat eine Überblähung der Lunge zur Folge, die über kurz oder lang in ein nicht mehr rückbildungsfähiges Lungenemphysem mündet.

Infektiöse Exazerbation. Virale und bakterielle Infektionen der Bronchien sowie Lungenentzündungen zählen zu den häufigsten und gefährlichsten Komplikationen einer COPD, da sie meist eine deutliche Verschlimmerung der Symptome (infektiöse Exazerbation) bis hin zum Versagen der Atemmuskulatur oder sogar des Herzens (in Folge der Belastung des rechten Herzens) nach sich ziehen.

Bedrohlich ist die Exazerbation, wenn der Betroffene eine inverse Atmung zeigt: Bauchatmung und – falls noch vorhanden – Brustatmung wechseln sich miteinander ab, der Betroffene atmet – als Reaktion des Körpers auf ein zu niedriges Sauerstoffangebot – sehr schnell mit einer Atemfrequenz von über 20 Atemzügen pro Minute. Zudem nimmt er eine die Atmung erleichternde Stellung ein: aufrecht, mit vornüber geneigtem Oberkörper und aufgestützten Armen. In diesem Fall ist umgehend der Notarzt zu rufen. Gegebenenfalls muss künstlich beatmet werden, um einen Atemstillstand aus Erschöpfung zu verhindern.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Das Beschwerdebild zusammen mit Angaben zu den Rauchgewohnheiten (Seit wann wird geraucht? Wie viele Zigaretten pro Tag?) sind für die Diagnose richtungweisend. Beweisend sind die Atemnebengeräusche im Rahmen der körperlichen Untersuchungen sowie die Ergebnisse der Lungenfunktionstests. Bisher gängige Praxis war es, einen Lungenfunktionswert dann als krankhaft anzusehen, wenn er weniger als 80 Prozent des Sollwertes beträgt. Dieses Vorgehen berücksichtigt aber nicht, dass ältere Menschen naturgemäß „schlechtere“ Lungenfunktionsparameter aufweisen. Deshalb steht derzeit (2014) zur Diskussion, ob in der neuen Fassung der COPD-Leitlinie der Deutschen Atemwegsliga altersangepasste Normwerte übernommen werden sollen.

Ein Röntgenthorax dient dem Ausschluss von Lungenkrebs und anderen möglichen Erkrankungen wie z. B. Tuberkulose.

Medikamentöse Therapie der COPD. Während die chronische Bronchitis in den meisten Fällen bei sofortiger Rauchabstinenz nach wenigen Monaten von allein abklingt, ist selbst bei leichteren Formen der COPD eine medikamentöse Dauertherapie unumgänglich. Im Wesentlichen wird die gleiche Therapiestrategie wie bei Asthma verfolgt: Wirkstoffe zur Erweiterung der verengten Bronchien und bei schwerer COPD zusätzlich inhalierbares Kortison. Im Gegensatz zu Asthmatikern dürfen Menschen mit COPD zu Behandlungsbeginn kein inhalierbares Kortison als Monotherapie erhalten. Für sie ist eine gut wirksame bronchienerweiternde Therapie essentiell. Die weitere Therapie folgt dem Stufenplan der Asthmatherapie.

Die Gabe von Kortison in Tablettenform bleibt der akuten Verschlimmerung oder sehr schweren chronischen Krankheitsverläufen vorbehalten. Vor einer dauerhaften Kortisonbehandlung wird zunächst ein Therapieversuch gemacht. Nur bei nachweisbarer Wirkung wird eine längerfristige Behandlung in niedriger Dosierung (Erhaltungsdosis) fortgeführt. Bei fehlender Wirkung wird Kortison nach 3 Monaten wieder abgesetzt. Eine untergeordnete Rolle spielen schleimlösende Medikamente (z. B. Acetylcystein) und hustenstillende Mittel (z. B. Codein), ihr therapeutischer Effekt ist ohnehin umstritten.

Da Codein die Atmung abflacht, wird es bei ausgeprägten Atemwegserkrankungen nicht mehr empfohlen. Auch für Kinder unter 12 Jahren, Schwangere und Patienten mit erhöhtem Stoffwechsel, wie zum Beispiel bei einer Schilddrüsenüberfunktion, ist Codein kontraindiziert.

In Anbetracht der häufigen und für den COPD-Patienten gefährlichen Atemwegsinfekte spielen in der COPD-Therapie zudem Antibiotika eine wichtige Rolle. Der Arzt setzt sie bereits bei den ersten Anzeichen oder zum Schutz vor einer bakteriellen Zusatzinfektion ein. Darüber hinaus kann im akuten Schub die Gabe von Sauerstoff notwendig werden.

Weitere Therapien der COPD. In fortgeschrittenen Stadien hat die Sauerstoff-Langzeittherapie zur Erhöhung der Sauerstoffkonzentration im Blut lebensverlängernde Wirkung. Allerdings muss zur wirksamen Behandlung der Sauerstoff mindestens 16 Stunden am Tag inhaliert werden; sporadisches Inhalieren nützt nichts. Der Nachteil der Sauerstoff-Langzeittherapie: Sie erhöht das Risiko für die Patienten, an einem Herz-Kreislauf-Leiden zu sterben. Wie eine aktuelle Studie zeigt, liegt dieses Risiko bei etwa 60 Prozent. Die Studienautoren raten Ärzten daher, die Vor- und Nachteile einer Sauerstoff-Langzeittherapie künftig besser abzuwägen. Zur Milderung einer Rechtsherzbelastung sind bei nachgewiesener Polyglobulie (Hämatokrit > 50 %) vorsichtige Aderlässe sinnvoll.

Die Krankengymnastik zielt darauf ab, Reizhustenattacken zu vermindern, das Abhusten zu erleichtern, die Atemnot zu lindern und die körperliche Leistungsfähigkeit der Patienten zu verbessern. Im Vordergrund stehen u. a. regelmäßige Klopfmassagen zur Lockerung des Schleims. Auch das Erlernen spezieller Atemtechniken wie z. B. der Lippenbremse atemerleichternder Körperhaltungen (z. B. Kutschersitz) sowie bestimmter Ausatmungstechniken (z. B. FET = forced expiration technique) ist hilfreich und nötig.

Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, um den Krankheitszustand zu stabilisieren, kommt noch eine bronchoalveoläre Lavage infrage.

Laut einer aktuellen Studie profitieren COPD-Patienten im fortgeschrittenen Stadium, wenn sie hochdosiertes Vitamin D erhalten. Diejenigen, die zusätzlich zum Reha-Programm einmal monatlich 100.000 Einheiten Vitamin D einnahmen, erholten sich besser als diejenigen, die das nicht taten. Den Vitamin-unterstützten Patienten fiel nicht nur das Atmen leichter, auch ihre körperliche Leistungsfähigkeit nahm zu. In einer weiteren Studie reduzierte die tägliche Gabe von 120.000 Einheiten (3 mg) Vitamin D deutlich die Exazerbationen bei COPD-Patienten – allerdings nur bei Patienten mit einem Vitamin-D-Ausgangswerten unterhalb von 50 nmol/l. Bei COPD-Patienten mit ohnehin guter Vitamin-Versorgung hatte die zusätzliche Supplementierung keine Effekte.

Selbsthilfe

Nur wenige gehen wegen ihres Raucherhustens zum Arzt: Die meisten haben sich an den morgendlichen Husten und Auswurf gewöhnt und schreiben den Symptomen keinen Krankheitswert zu. Ein Arzt wird oft erst dann aufgesucht, wenn Atembeschwerden und Atemnot auftreten – also in einem Stadium, in dem es bereits zu bleibenden Organschädigungen gekommen ist. Deshalb:

Bagatellisieren Sie Ihren Raucherhusten nicht, sondern machen Sie sich bewusst, dass er nur ein Vorbote eines Geschehens ist, an dessen Ende Sie im Extremfall kaum mehr in der Lage sein werden, richtig zu atmen – und damit eine dramatische Einbuße Ihrer Lebensqualität erleben. Die Konsequenz kann dann nur sein, umgehend mit dem Rauchen aufzuhören!

Wenn Sie es nicht allein schaffen, sprechen Sie mit einem Arzt über Möglichkeiten, an einem Raucherentwöhnungsprogramm teilzunehmen – es gibt heute wirksame Strategien, die Ihnen dabei helfen, von Ihrer Sucht loszukommen. Auch medikamentös, z. B. mithilfe von Nikotinkaugummi (Nicorette KG®, Nicotinell KG®), lässt sich die Entwöhnung unterstützen.

Trotz verbesserter therapeutischer Möglichkeiten der COPD ist und bleibt der sofortige, lebenslange Verzicht auf das Rauchen die einzig wirksame Maßnahme, um die fortschreitende Zerstörung der Lunge aufzuhalten. Dies gilt auch dann, wenn die medikamentösen und physiotherapeutischen Maßnahmen konsequent umgesetzt werden.

Regelmäßige körperliche Bewegung, z. B. in einer Lungensportgruppe, unter ärztlicher Anleitung ist wichtig, denn die medikamentöse Therapie reicht allein meist nicht aus, um eine Verschlechterung der körperlichen Situation von COPD-Patienten aufzuhalten. Lungenkranke Patienten, insbesondere mit COPD, fühlen sich durch die Atemnot oft in ihrer körperlichen Aktivität gebremst. Aus Angst vor Atemnot kommt die Bewegung immer mehr zu kurz und die Betroffenen tragen selbst nicht trägt u. a. dazu bei, die Atemmuskulatur zu stärken und die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Experten der Deutschen Lungenstiftung (DLS) empfehlen den Verzehr von Soja. Dies bremst den fortschreitenden Verlust der Lungenfunktion und schützt vor Atemnot. Dabei ist es egal, in welcher Form man Soja zu sich nimmt: ob als Sojabohnen, -sprossen, -milch oder Tofu. Optimal sind mehr als 75 g reines Soja pro Tag, wobei auch schon 50 g Soja täglich Wirkung zeigen.

Komplementärmedizin

Komplementärmedizinische Maßnahmen wie Akupunktur oder Homöopathie können die Beschwerden nur lindern, wenn das Rauchen aufgegeben wird.

Das Gleiche gilt für pflanzliche Naturheilmittel mit schleimlösender Wirkung; als hilfreich haben sich z. B. Präparate mit Efeuextrakten erwiesen (z. B. Prospan®).

Weiterführende Informationen

  • www.leitlinien.net (Suchbegriffe COPD und chronische Bronchitis) – Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) und der Deutschen Atemwegsliga e. V.
  • www.leichter-atmen.de/copd-gold-stadien Hier werden die Stadien und die Therapie der COPD beschrieben.
  • H. Zwick: Praxishandbuch COPD 2004. Uni-Med Verlag. Faktenreicher fachärztlicher Ratgeber über Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie der COPD.
  • J. Baltsch: 100 Fragen zum Thema COPD. Chronische Bronchitis und Lungenemphysem. Dustri, 2004. Laienverständlicher Ratgeber für Patienten und Angehörige.

Erkältung

Erkältung (grippaler Infekt): Meist durch „Erkältungsviren“ wie Rhino- und Coronaviren hervorgerufene Erkrankung der oberen Luftwege, die mit Schnupfen, Halsschmerzen, Heiserkeit, Husten und leichten Kopfschmerzen einhergeht. Sind die Beschwerden von Fieber begleitet, spricht man auch von einem grippalen Infekt. Medikamente können den Krankheitsverlauf nicht abkürzen. Erkältungen heilen spontan.

Leitbeschwerden

  • Schnupfen
  • Halsschmerzen
  • Husten
  • Leichte Kopfschmerzen
  • Geringes Krankheitsgefühl
  • Eventuell Fieber.

Wann zum Arzt

Meist nicht nötig.

Die Erkrankung

Erkältungen treten häufig im Winter auf, besonders wenn sich viele Menschen in schlecht gelüfteten Räumen aufhalten. Die Schleimhäute der Atemwege sind durch die trockene Heizungsluft strapaziert, werden rissig, und so können Krankheitserreger leichter eindringen. Bei manchen Menschen entsteht eine Schädigung der Nasenschleimhaut durch eine reflektorische Minderdurchblutung, wenn sie mit nackten Füßen über kalte Böden gehen oder mit nassen Füßen an einer Haltestelle stehen. Die Viren, die in feinsten „Sprühnebeln“ von Mensch zu Mensch fliegen, beispielsweise beim Husten, Niesen oder Sprechen, haben nun leichtes Spiel. Sehr häufig werden sie auch über das Händeschütteln bei der Begrüßung übertragen und weiter verteilt.

Schnupfen, Halsschmerzen, leichte Kopfschmerzen und Husten sind typische Beschwerden bei der Erkältung. Das Krankheitsgefühl ist nicht sehr ausgeprägt, dennoch fühlen sich Betroffene wenig leistungsfähig. Ein Besuch beim Arzt ist in der Regel nicht notwendig und die Erkrankung heilt nach wenigen Tagen von selbst. Der Volksmund sagt: „Eine Erkältung kommt drei Tage, bleibt drei Tage und geht drei Tage.“ Oder auch: „Mit Arzt dauert sie sieben Tage, ohne Arzt eine Woche.“ Medikamente beeinflussen die Krankheitsdauer nicht, machen aber die Beschwerden erträglicher.

Selbsthilfe

Symptomatische Maßnahmen. Meist genügen zur Linderung von Erkältungsbeschwerden symptomatische Maßnahmen. (Bett-) Ruhe, frische Luft im Schlafzimmer und abgedunkelte Fenster machen die Situation erträglicher. Es ist wichtig, genügend zu trinken, d. h. mindestens 2 l pro Tag. Viele Leute kennen ein eigenes „Erkältungsgetränk“, auf das sie schwören: z. B. heiße Milch mit Honig, Erkältungstee, heißes Zitronenwasser, heißer Holunderbeersaft, mit Wasser aufgebrühter frischer Ingwer oder auch heiße Bouillon. Darüber hinaus feuchten Dampfinhalationen die Schleimhäute an und helfen beim Abhusten von Sekret. Alternativ kann man versuchen, mit einer Salzwasserlösung (½ TL Kochsalz auf 1 große Tasse warmes Wasser) den Schleim in der Nase zu lösen, wodurch die Nasenatmung erleichtert wird (weitere Tipps bei der akuten Bronchitis).

Je nachdem, wie quälend die Beschwerden sind, können auch Medikamente, z. B. zum Dämpfen des Hustens oder zum Abschwellen der Schleimhäute eingesetzt werden. Nasentropfen und -sprays lassen die Nasenschleimhaut abschwellen, wodurch Nase und Nasennebenhöhlen besser durchlüftet werden. Auf diese Weise lässt sich das Risiko einer Nasennebenhöhlenentzündung verringern. Allerdings sollten abschwellende Präparate  nicht länger als sieben Tage angewendet werden. Sonst droht die Nasenschleimhaut auszutrocknen und die Nase chronisch zu verstopfen.

Leichte Schmerzmittel wie Paracetamol (z. B. Benuron®), Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin®) oder Ibuprofen lindern Kopf- und Gliederschmerzen und fördern – vor dem Einschlafen genommen – die Nachtruhe. Viel Schlaf und, nach Besserung des Befindens, Spaziergänge an der frischen Luft unterstützen die Genesung.

Nahrungsergänzungsmittel. Erkältungen sind nach aktuellen Forschungsergebnissen von einem niedrigen Zinkspiegel begleitet, wenn der Betroffene sich vegetarisch oder einseitig ernährt oder unter einer chronischen Darmerkrankung leidet (ob ein Zinkmangel generell besteht, ist dagegen umstritten). Diese Beobachtungen weisen darauf hin, dass bei Erkältungen Zink verbraucht wird und ein erhöhter Bedarf besteht. Eine aktuelle Auswertung mehrerer Studien hat gezeigt, dass die Einnahme von Zink die Schwere von Erkältungskrankheiten verringert und die Dauer der Symptome um 3–4 Tage verkürzt. Auch beugen Zinkpräparate Erkältungen effektiv vor. Noch ist allerdings unklar, in welcher Dosis Zink am besten wirkt und wie lange es eingenommen werden sollte. Eine aktuelle Untersuchung legt nahe, dass mehr als 75 mg Zinkacetat pro Tag einen krankheitsverkürzenden Effekt erzielen. Diese Dosis verringerte bei den Studienteilnehmern die Erkältungszeit um fast die Hälfte. Mit anderen Zinksalzen und ebenfalls einer Tagesdosis von über 75 mg verkürzte  sich die Krankheitsdauer um 20 Prozent. Weniger als 75 mg erzielten hingegen keinen Effekt.

Möglicherweise wirkt sich auch eine „Stoßtherapie“ mit Vitamin C (1 000 mg pro Tag) günstig auf den Krankheitsverlauf aus, was aber ebenfalls umstritten ist.

Bei chronischen Erkältungskrankheiten helfen auch Wechselfußbäder. Beide Füße werden zweimal hintereinander abwechselnd in eine Wanne mit warmem Wasser und kaltem Wasser getaucht, anschließend ziehen Sie warme Wollsocken an.

Komplementärmedizin

Homöopathie. Die Homöopathie empfiehlt u. a. Aconitum, Belladonna, Bryonia, Causticum, Dulcamara und Sanguinaria als Akutmittel.

Stärkung der Abwehrkräfte zur Vorbeugung. Phytopharmaka wie roter Sonnenhut (Echinacea purpurea) dienen der Stärkung der Abwehrkräfte. Sie gelten als wirksam, wenn sie vorbeugend eingenommen werden.

Vorsorge

Regelmäßige Saunagänge und Kneippanwendungen wie tägliche Wechselduschen, aber auch regelmäßiges Trockenbürsten, etwa nach dem kalten Abduschen, sind bewährte Maßnahmen zur Steigerung der Immunabwehr.

Ansonsten scheinen die körpereigenen Abwehrkräfte auch von regelmäßigen Entspannungsübungen (z. B. autogenes Training, Yoga, Qigong) zu profitieren: Studien legen nahe, dass die bewusste Herbeiführung von Entspannungszuständen auch zur Vorbeugung von (Atemwegs-)Erkrankungen eingesetzt werden kann.

Grippe

Grippe (Influenza, „echte“ Grippe): Infektion, hervorgerufen durch das Influenzavirus (Myxovirus influenzae) A, B oder C (mit zahlreichen Subtypen). In 80 % der Fälle zeigen sich keine oder nur leichte Erkältungsbeschwerden. Ansonsten beginnt eine „echte“ Grippe plötzlich und heftig mit hohem Fieber, ausgeprägtem Krankheitsgefühl, Kopf- und Gliederschmerzen, Schnupfen, Halsschmerzen und trockenem Husten. Gefährlich ist die Grippe für Personen mit geschwächtem Immunsystem, für ältere Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen. Sie machen das Gros der jährlichen 5 000–8 000 Grippetodesfälle in Deutschland aus.

Leitbeschwerden

  • Plötzlicher Krankheitsbeginn mit Frösteln
  • Rasch auftretendes Fieber (über 38,5 °C)
  • Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen
  • Müdigkeit, starkes Krankheitsgefühl
  • Husten mit keinem oder wenig Auswurf
  • Manchmal Schnupfen, Halsschmerzen.

Wann zum Arzt

Am selben Tag, wenn das hohe Fieber länger als 2–3 Tage anhält oder nach Abfall der Temperatur erneut ansteigt (bakterielle Zweitinfektion).

Die Erkrankung

Influenzaviren werden hauptsächlich beim Husten, Niesen oder Sprechen freigesetzt und von anderen Menschen eingeatmet. Ansteckend ist Grippe schon 24 Stunden vor Auftreten der Beschwerden und bleibt es fünf bis sieben Tage nach Erkrankungsbeginn. Das klinische Bild einer Influenzaerkrankung reicht von unbemerkter Infektion bis zu einem schwersten Verlauf mit tödlichem Ausgang. 1–3 Tage nach Ansteckung treten die klassischen Beschwerden der Grippe auf: plötzlicher Beginn mit hohem Fieber (mehr als 38,5 °C), Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, zunächst trocken-schmerzhafter Husten, Schnupfen und starkes Krankheitsgefühl. Neben den geschilderten Beschwerden können auch Halsschmerzen, Lichtscheu oder Bindehautentzündungen auftreten. Das Fieber hält meist 2–3 Tage an. (Wenn es nach Temperaturabfall erneut ansteigt, kann eine zusätzliche Infektion mit anderen Erregern – meist Bakterien – vorliegen.)

Gefährliche Komplikationen sind die Influenzapneumonie (Grippelungenentzündung) und Entzündungen des Herzmuskels oder des Gehirns, die sogar tödlich enden können. Ausgedehnte Schädigungen der Schleimhäute durch die Viren führen teilweise zu zusätzlichen bakteriellen Lungenentzündungen. Der infektbedingte Blutdruckabfall kann vor allem beim Aufstehen zu Schwindel und Schwarzwerden vor Augen führen. Nach einer Grippe halten die Müdigkeit und Schwäche zum Teil wochenlang an; die Genesung ist typischerweise verzögert. Komplikationen können auch bei sonst gesunden Erwachsenen auftreten, betreffen aber vor allem Menschen mit Grundkrankheiten wie chronischen Herz- oder Lungenerkrankungen, Diabetes, Immundefekten sowie Kinder bis 4 Jahre oder Erwachsene über 65 Jahre.

Das macht der Arzt

Während einer Grippewelle fällt dem Arzt die Diagnose durch die typischen Grippebeschwerden mit plötzlichem Erkrankungsbeginn, Schüttelfrost, hohem Fieber, trockenem Husten, Muskel- und Kopfschmerzen sehr leicht. Mit dem Influenza-Schnelltest kann aus Nasensekret und aus Abstrichen der Rachenschleimhaut die Diagnose gesichert werden. Dies kommt insbesondere bei diagnostischer Unsicherheit oder vor einer geplanten antiviralen Therapie infrage. Röntgenaufnahmen werden bei Verdacht auf Lungenentzündung angefertigt.

Bei einem unkomplizierten Verlauf bei ansonsten gesunden Erwachsenen reicht es, die Beschwerden zu lindern (Schmerzmittel, eventuell Fiebersenkung) und auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Bei schlechtem Allgemeinzustand wird die Behandlung im Krankenhaus notwendig. Kommt es zusätzlich zu einer bakteriellen Zweitinfektion, werden Antibiotika zur Behandlung eingesetzt. Ein vorbeugender Einsatz von Antibiotika kann bei Risikopatienten (z. B. immungeschwächten Menschen) sinnvoll sein, um eine bakterielle Zweitinfektion zu verhindern.

Medikamentöse Therapie. Als Medikamente, die speziell gegen das Influenza-Virus wirken, kann der Arzt Neuraminidasehemmer (Zanamivir, z. B. Relenza®, und Oseltamivir, z. B. Tamiflu®) verschreiben, die gleichwertig sind und entweder als Kapsel oder Lösung (Oseltamivir) oder als Inhalation (Zanamivir) verabreicht werden.

Wenn Neuraminidasehemmer bis spätestens 48 Stunden nach Krankheitsbeginn eingenommen werden, können sie die Dauer der Grippe bei zuvor gesunden Erwachsenen um etwa einen Tag verkürzen. Dieser Effekt ist aber genauso wie ein weiterer, nämlich die Verhütung von Komplikationen der unteren Atemwege wie die erwähnte Influenzapneumonie, umstritten. Bei Kindern sind Neuramidasehemmer leider nur wenig wirksam (die Gründe sind unbekannt). Eine aktuelle Studie weist darauf hin, dass bei Patienten Neuramidasehemmer auch dann die Virus-Ausscheidung senken, wenn die Einnahme erst am dritten Tag nach Auftreten der Symptome begonnen wird.

Nebenwirkungen von Neuraminidasehemmern sind Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen, gelegentlich grippeähnliche Symptome oder asthmatische Beschwerden. Sehr selten treten allergische Reaktionen, Leberfunktionsstörungen oder neurologische Störungen (Schlaflosigkeit, Nervosität) auf.

Selbsthilfe und Komplementärmedizin

Symptomatische Maßnahmen. Zur Behandlung einer Grippe dienen auch symptomatische Maßnahmen. (Bett-) Ruhe, frische Luft im Schlafzimmer und abgedunkelte Fenster machen die Situation erträglicher. Es ist wichtig, genügend zu trinken, d. h. mindestens 2 l pro Tag. Viele Leute kennen ein eigenes „Erkältungsgetränk“, auf das sie schwören: z. B. heiße Milch mit Honig, Erkältungstee, heißes Zitronenwasser, heißer Holunderbeersaft, mit Wasser aufgebrühter frischer Ingwer oder auch heiße Bouillon. Darüber hinaus feuchten Dampfinhalationen die Schleimhäute an und helfen beim Abhusten von Sekret. Alternativ kann man versuchen, mit einer Salzwasserlösung (½ TL Kochsalz auf 1 große Tasse warmes Wasser) den Schleim in der Nase zu lösen, wodurch die Nasenatmung erleichtert wird (weitere Tipps bei der akuten Bronchitis).

Je nachdem, wie quälend die Beschwerden sind, können auch Medikamente, z. B. zum Dämpfen des Hustens oder zum Abschwellen der Schleimhäute eingesetzt werden. Nasentropfen und -sprays lassen die Nasenschleimhaut abschwellen, wodurch Nase und Nasennebenhöhlen besser durchlüftet werden. Auf diese Weise lässt sich das Risiko einer Nasennebenhöhlenentzündung verringern. Allerdings sollten abschwellende Präparate  nicht länger als sieben Tage angewendet werden. Sonst droht die Nasenschleimhaut auszutrocknen und die Nase chronisch zu verstopfen.

Leichte Schmerzmittel wie Paracetamol (z. B. Benuron®), Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin®) oder Ibuprofen lindern Kopf- und Gliederschmerzen und fördern – vor dem Einschlafen genommen – die Nachtruhe. Viel Schlaf und, nach Besserung des Befindens, Spaziergänge an der frischen Luft unterstützen die Genesung.

Nahrungsergänzungsmittel. Erkältungen sind nach aktuellen Forschungsergebnissen von einem niedrigen Zinkspiegel begleitet, wenn der Betroffene sich vegetarisch oder einseitig ernährt oder unter einer chronischen Darmerkrankung leidet (ob ein Zinkmangel generell besteht, ist dagegen umstritten). Diese Beobachtungen weisen darauf hin, dass bei Erkältungen Zink verbraucht wird und ein erhöhter Bedarf besteht. Eine aktuelle Auswertung mehrerer Studien hat gezeigt, dass die Einnahme von Zink die Schwere von Erkältungskrankheiten verringert und die Dauer der Symptome um 3–4 Tage verkürzt. Auch Grippe können Zinkpräparate vorbeugen. Noch ist allerdings unklar, in welcher Dosis Zink am besten wirkt und wie lange es eingenommen werden sollte. Eine aktuelle Untersuchung legt nahe, dass mehr als 75 mg Zinkacetat pro Tag einen krankheitsverkürzenden Effekt erzielen. Diese Dosis verringerte bei den Studienteilnehmern die Erkältungszeit um fast die Hälfte. Mit anderen Zinksalzen und ebenfalls einer Tagesdosis von über 75 mg verkürzte  sich die Krankheitsdauer um 20 Prozent. Weniger als 75 mg erzielten hingegen keinen Effekt.

Möglicherweise wirkt sich auch eine „Stoßtherapie“ mit Vitamin C (1 000 mg pro Tag) günstig auf den Krankheitsverlauf aus, was aber ebenfalls umstritten ist.

Wechselfußbäder können den Genesungsprozess unterstützen. Beide Füße werden zweimal hintereinander abwechselnd in eine Wanne mit warmem Wasser und kaltem Wasser getaucht, anschließend ziehen Sie warme Wollsocken an.

Inhalieren. Sinnvoll sind auch Dampfinhalationen mit Zusätzen von Kochsalz (ein Esslöffel Salz auf einen Liter heißes Wasser) oder ätherischen Ölen.

Ergänzend kann man 2–3 Tropfen Eukalyptusöl in ein Taschentuch träufeln und dann immer wieder daran riechen; bei stark verstopfter Nase reicht diese Maßnahme allerdings nicht aus.

Schleimlösen. Bei Sekretstau empfiehlt die Naturheilkunde Präparate zur Schleimlösung (z. B. Gelomyrtol®). Myrtol ist ein ätherisches Öl, das u. a. aus je 25 % Limonen und Cineol (dem Hauptbestandteil des Eukalyptusöls) besteht. Seine Wirksamkeit bei Bronchitis und akuter Nebenhöhlenentzündung wurde in zwei Studien bestätigt. Eukalyptusöl gibt es auch in Form von Kapseln (z. B. Aspecton® Eukaps). Es wird schnell in den Blutkreislauf aufgenommen und zu den Atemwegen transportiert, wo es dann zur Erleichterung der Nasenatmung beiträgt. Eine weitere Alternative ist Thymian, das die Sekretabgabe in den Bronchien anregt und die Flimmerhärchen in den Atemwege aktiviert. Außerdem wirkt Thymian auch krampflösend, was den Hustenreiz lindert.

Ätherische Öle dürfen nicht im Gesichtsbereich von Säuglingen und Kleinkindern angewendet werden. Dies betrifft besonders Präparate, die Eukalyptusöl, Menthol und Kampfer enthalten.

Ist das Krankheitsgefühl ausgeprägt, empfiehlt die Phytomedizin die frühzeitige Anwendung von Angocin Anti-Infekt®, das Extrakte von Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel enthält. Bei diesen Inhaltsstoffen handelt es sich um Senfölglukoside. Sie wirken ähnlich gut wie Standard-Antibiotika. Im Vergleich zu Antibiotika verursachen Senfölglukoside aber deutlich weniger Nebenwirkungen und sind daher besser verträglich.

Populär ist die Einnahme von Präparaten aus Sonnenhut (Echinacea purpurea, z. B. Echinacea-ratiopharm® Liquid oder Echinacin®) zur Vorbeugung und Behandlung von Schnupfen. Der Wirkstoff soll die Aktivität des Immunsystems anregen. Inzwischen ist eine moderate Wirkung relativ sicher belegt.

Vorbeugung

Zur Vorbeugung wird die jährliche Grippeschutzimpfung empfohlen, die vorzugsweise im Oktober stattfinden sollte. Im Falle einer drohenden Epidemie kann die Impfung auch noch später nachgeholt werden. Die Impfung verhindert den Ausbruch der Erkrankung bei gesunden Menschen zu 75–80 %.

Die ständige Impfkommission STIKO empfiehlt die Grippeschutzimpfung:

  • Personen über 60
  • Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit chronischen Krankheiten von Herz, Lunge, Leber, Niere, Diabetes oder Immundefekten
  • Schwangeren
  • Medizinischem Personal
  • Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr
  • Allen Personen, wenn eine Epidemie droht oder eine neue Erregervariante zu erwarten ist und der Impfstoff die neue Variante enthält.

Einer aktuellen Studie zufolge schützt die Grippe-Impfung auch vor einem Herzinfarkt. Davon profitieren sowohl Herzpatienten als auch Gesunde. Demnach sank bei geimpften Personen über 40 Jahren das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden um 20 Prozent.

Als weitere Vorsorgemaßnahme sollten ungeimpfte Personen kleinen Kindern, Schwangeren, Grippekranken und Abwehrgeschwächten fernbleiben, also deren Nähe und erst Recht den Hände- und Hautkontakt strikt meiden.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Grippeimpfung.

Für Kinder zwischen 2 und 6 Jahren steht eine nasale Impfung zur Verfügung. Dabei wird ein Lebendimpfstoff in die Nase gesprüht und über die Schleimhaut aufgenommen. Die Wirksamkeit ist laut Studien sogar höher als bei der intramuskulären Verabreichung.

Lungenemphysem

Lungenemphysem (Emphysem, Lungenüberblähung): Überdehnung und Überblähung des Lungengewebes. Im Laufe der Erkrankung gehen immer mehr Lungenbläschen und kleinste Bronchien zugrunde und werden durch für die Atemfunktion nutzlose Emphysemblasen ersetzt. Dadurch vermindert sich die Gasaustauschfläche und damit die gesamte Lungenfunktion. Dies äußert sich als Atemnot zunächst bei Belastung, später auch in Ruhe. Betroffen sind vor allem langjährige Raucher, Männer häufiger als Frauen. Die Erkrankung ist nicht heilbar, bei konsequentem Rauchverzicht kann ein Fortschreiten aber aufgehalten werden.

Selten ist ein angeborener Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (AAT-Mangel) die Ursache (betrifft 1 von 2 000 Menschen). Alpha-1-Antitrypsin (AAT) ist ein in der Leber gebildetes Eiweiß, das die Lungenschleimhaut vor eiweißspaltenden Enzymen (Proteasen) schützt.

Leitbeschwerden

  • Husten
  • Kurzatmigkeit bei Anstrengung mit erschwerter Atemtätigkeit
  • Atemnot bei Belastung
  • Immer wiederkehrende Infekte oder Lungenentzündungen.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn das Atmen bei Anstrengung ohne erkennbare Ursache (wie z.B. eine Erkältung) schwerfällt.

Die Erkrankung

Dem Lungenemphysem liegt eine teilweise Zerstörung der Lungenbläschen und feinsten Bronchien zugrunde, dadurch reduziert sich die Fläche zum Gasaustausch zwischen Blut und Luft. Die Zerstörung des Lungengewebes umfasst auch die Schädigung der elastischen Fasern, die die kleinen Atemwege bei der Ausatmung offen halten. Das führt auch zum Kollaps der kleinen Bronchiolen. Die Luft kann nur teilweise abgeatmet werden, was allmählich zur Überblähung der Lunge führt.

Durch die Überblähung wird das Zwerchfell tiefer in Richtung Bauchraum gedrückt, das Brustbein und die Brustwirbelsäule wölben sich nach außen, die Rippen stellen sich waagerecht: dieser so genannte Fassthorax (Thorax = Brustkorb) ist ein Zeichen für ein fortgeschrittenes Lungenemphysem. Dabei ist der gesamte Brustkorb steifer, die Einatmung erfolgt nicht durch die Zwischenrippenmuskulatur und das Zwerchfell, sondern fast nur noch durch das Zwerchfell. Dies führt zu einer erschwerten Einatmung.

Auslöser dieses lungenzerstörenden Prozesses ist ein Ungleichgewicht zwischen Faktoren, die das Lungengewebe schützen (wie das Alpha-1-Antitrypsin), und solchen, die das Gewebe angreifen, allen voran der Tabakrauch. Aber auch langjährige Asthmatiker und von chronischer Bronchitis Betroffene entwickeln nicht selten ein ausgeprägtes Lungenemphysem.

Weniger häufig ist das Altersemphysem. Es ist durch die nach dem 5. Lebensjahrzehnt abnehmende Elastizität von Lunge und Brustkorb bedingt. Luftschadstoffe am Arbeitsplatz, ein schwerer angeborener AAT-Mangel und Überdehnung des Lungengewebes in der Umgebung von schrumpfenden Narben oder operativ entferntem Lungengewebe sind seltene Gründe für ein Lungenemphysem.

Die Folgen des Emphysems bleiben jahrelang verdeckt, bis eine kritische Grenze an zerstörtem Gewebe überschritten ist. Dann kommt es zunächst zum Sauerstoffmangel im Blut; bei Fortschreiten der Erkrankung auch zusätzlich zu erhöhtem Kohlendioxid, das nicht mehr ausreichend ausgeatmet werden kann. Die Patienten leiden ständig unter Atemnot.

Außerdem sind die Emphysemblasen Sammelbecken für Sekrete. Diese bilden einen idealen Nährboden für Bakterien und andere Infektionserreger und fördern die Entstehung hartnäckiger Atemwegsinfekte.

Folgeerkrankungen des Lungenemphysems sind Lungenhochdruck und Rechtsherzbelastung sowie gelegentlich ein Spontanpneumothorax.

Das macht der Arzt

Die Diagnose ist möglich anhand von klinischem Untersuchungsbefund, Röntgenbild, CT, Lungenfunktion und gegebenenfalls Alpha-1-Antitrypsin-Bestimmung. Durch eine Blutgasanalyse kann das Ausmaß der Gasaustauschstörung genau gemessen werden.

Die Behandlungsmöglichkeiten sind begrenzt, da sich zerstörtes Lungengewebe nicht ersetzen lässt. Man kann aber durch striktes Nichtrauchen einen Stillstand der Erkrankung erreichen. Gleichzeitig muss auf einen staubfreien Arbeitsplatz geachtet werden (Bäckereien und Schreinereien z. B. sind ungeeignet). Auch Smog und Passivrauchen sollten gemieden werden. Entzündungen der Lunge müssen konsequent behandelt werden und jährliche Impfungen gegen Grippe und alle 5–6 Jahre gegen Pneumokokken werden zur Vorbeugung von Infekten empfohlen.

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel. Bei einem schweren Alpha-1-Antitrypsin-Mangel kann dieses Eiweißmolekül als Konzentrat zugeführt und damit die Erkrankung günstig beeinflusst werden. Infekte müssen rasch antibiotisch behandelt werden und Beschwerden, die durch Verengungen der Bronchien verursacht werden, folgen dem Therapieschema für Asthma.

Atemphysiotherapie kann durch das Training der Atemmuskulatur und Einüben spezieller Atemtechniken die körperliche Belastbarkeit steigern und die Atemnot lindern.

Bei schwerem Sauerstoffmangel im Blut ohne Kohlendioxidanstieg kann eine Sauerstoff-Langzeittherapie die Lebensqualität erheblich verbessern und die Überlebenszeit steigern.

Sauerstoff-Langzeittherapie

Die Gabe von Sauerstoff über mindestens 16 Stunden pro Tag hilft bei chronischen Erkrankungen, wenn die geschädigte Lunge dem Körper nicht mehr genug Sauerstoff zuführen kann (Sauerstoff-Langzeittherapie). Dies wird zuvor mit einer Blutgasanalyse (BGA) geprüft.

Für Erkrankte, die die Wohnung nicht verlassen, kommt ein Sauerstoffkonzentrator infrage. Er benötigt nur eine Steckdose, ist unkompliziert in der Handhabung und ermöglicht einen Bewegungsspielraum von ~ 15 m.

Für Patienten, die viele Stunden außer Haus sein können, gibt es mobile Geräte, die bequem in einem Rucksack mitgeführt werden können. Der Sauerstoff wird meist über einen Nasenschlauch zugeführt.

Im ersten Jahr sind Kontrollen von Lungenfunktion und BGA im Abstand von 8–12 Wochen nötig, danach halbjährlich.

Während der Therapie ist offenes Feuer (z. B. Rauchen, brennende Kerzen, Gasherd) tabu, denn es besteht Explosionsgefahr! Auch müssen die Geräte regelmäßig gereinigt werden, weil sich sonst gefährliche Bakterien wie z. B. Legionellen (Erreger der Lungenentzündung) im Gerät vermehren und in der Atemluft verteilen.

Bei Erschöpfung der Atemmuskulatur durch Überanstrengung und bei Anstieg der Kohlendioxidkonzentration im Blut kommt eine Heimbeatmung infrage. Sie wird nachts über Mund oder Nasenmaske zu Hause durchgeführt. Es gibt verschiedene Geräte zur Selbstbeatmung. Sie werden in einem Schlaflabor oder einer Lungenfachklinik auf die Bedürfnisse des Kranken eingestellt.

Bei sehr großen Emphysemblasen oder bei häufigem Pneumothorax werden operative Maßnahmen erforderlich. Das geschädigte Lungengewebe wird dabei entfernt, um mehr Platz für die weniger betroffenen Lungenteile zu schaffen und die Atemmuskulatur zu entlasten. Dies kann im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs oder einer Bronchoskopie geschehen. Bei den bronchoskopischen Verfahren kommen unter anderem Ventile, Spiralen oder Polymerschaum zum Einsatz. Da die bronchoskopischen Verfahren erst in den letzten Jahren entwickelt wurden, ist eine Nutzenbewertung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich.

Im Endstadium eines Lungenemphysems bleibt in manchen Fällen nur noch die Lungentransplantation.

Nur wer das Rauchen aufgibt, kann das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten. Die mittlere Lebenserwartung von Rauchern mit Emphysem liegt bei nur 48 Jahren.

Selbsthilfe

Wenn Sie mit Ihrer Erkrankung zurechtkommen wollen, müssen Sie ein Gefühl dafür entwickeln, was Ihnen guttut und was nicht. Spazierengehen (auch wenn es nur ein paar Schritte sind), Familienangehörige oder Freunde treffen, arbeiten – versuchen Sie Ihre Einschränkungen und Möglichkeiten realistisch einzuschätzen und das zu praktizieren, was Ihnen guttut.

Atemerleichternde Maßnahmen wie der Einsatz der Lippenbremse helfen dabei, die Luft aus der Lunge auszuatmen.

Komplementärmedizin

Mit komplementärmedizinischen Verfahren kann die Zerstörung der Lungenbläschen weder aufgehalten noch rückgängig gemacht werden.

Ein sinnvoller Ansatzpunkt ist die Stärkung der Immunabwehr durch Bewegung, Kreislauftraining und eventuell zur Vorbeugung von Atemwegsinfekten (z. B. Nasennebenhöhlenentzündung).

Weiterführende Informationen

  • www.selbsthilfe-lot.de – Deutsche Selbsthilfegruppe für Sauerstoff-Langzeittherapie e. V. (LOT, Bad Reichenhall): Informative Website mit Forum und vielen Tipps, z. B. zur Sauerstoffversorgung im Urlaub.
  • www.emphysem.de – Interessante Website der Deutschen Emphysemgruppe (Selbsthilfegruppe, Braunschweig): Mit Kontaktforum Betroffener, Adressenliste spezialisierter Kliniken in Deutschland und Österreich und Adressen von Selbsthilfegruppen.

Lungenentzündung

Lungenentzündung (Pneumonie): Entzündliche Erkrankung des Lungengewebes, die durch Bakterien, Viren oder Pilze ausgelöst wird. Sie betrifft häufig ältere oder geschwächte Menschen sowie Patienten mit Vorerkrankungen (z. B. chronische Lungenerkrankung, Herzinsuffizienz, herabgesetzte Immunabwehr). Die typischen Beschwerden sind Husten, eitriger Auswurf und Fieber. Lungenentzündungen sind meist gut mit Antibiotika behandelbar, erfordern aber oft eine Krankenhauseinweisung.

Wenn allergische, chemische oder physikalische Ursachen eine Lungenentzündung hervorrufen, spricht man von Alveolitis (Lungenbläschenentzündung) bzw. Pneumonitis. Mögliche Auslöser sind die Bestrahlung eines Lungentumors, die Inhalation von Reizgasen und die Behandlung mit manchen Chemotherapeutika (Zytostatika).

Leitbeschwerden

  • Fieber
  • Husten, Atemnot
  • Schleimig-eitriger Auswurf
  • Eventuell Schmerzen beim Atmen durch begleitende Rippenfellentzündung
  • Kurzatmigkeit
  • Oft starke Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Allgemeine Abgeschlagenheit.

Wann zum Arzt

Am selben Tag bei oben genannten Beschwerden. Vor allem ältere Menschen, Patienten mit Diabetes oder anderen Vorerkrankungen und Raucher sollten früh zum Arzt gehen, während ansonsten gesunde Patienten tendenziell abwarten können, außer sie fühlen sich wirklich schlecht und abgeschlagen.

Die Erkrankung

Lungenentzündungen werden in über 90 % der Fälle durch Bakterien, seltener von Viren, Pilzen oder Parasiten verursacht. Die Entzündung erfasst die Lungenbläschen (Alveolen) und das umliegende Bindegewebe. Der Arzt unterscheidet:

Ambulant erworbene Pneumonie. Die „zu Hause“ oder „außerhalb des Krankenhauses“ ambulant erworbene Pneumonie von Menschen ohne Immunschwäche ist in der Regel gut durch Standardantibiotika behandelbar. Ambulant erworbene Pneumonien lassen sich in typische und atypische Formen einteilen:

  • Die typische Lungenentzündung (typische Pneumonie) wird am häufigsten durch Pneumokokken (Streptococcus pneunomiae) ausgelöst. Sie zeigt meist einen schweren Krankheitsverlauf mit hohem Fieber und Atemnot.
  • Erreger der atypischen Pneumonie sind Chlamydien, Mykoplasmen, Legionellen oder Viren. Sie heißen „atypisch“, weil der Krankheitsverlauf – zumindest anfangs – einhergeht mit nur leicht erhöhter Temperatur, trockenem Husten und oft unauffälligem Untersuchungsbefund. Manchmal zeigen sich flüchtige Hautveränderungen oder Gelenkschmerzen. Vor allem leicht verlaufende Infektionen mit Chlamydien, Mykoplasmen und Viren werden deshalb oft spät erkannt oder als hartnäckige Bronchitis fehlinterpretiert. Die Legionellose (Legionärskrankheit) ist eine wichtige umweltbedingte Infektionskrankheit. Der Erreger gelangt mit Wassertropfen, die feinst verteilt mit der Luft eingeatmet werden, in die Lunge. Legionellen kommen weltweit in schlecht gewarteten Klimaanlagen, Pflanzen-Berieselungsanlagen, Whirlpools und Wasserreservoirs vor. Die Erkrankung wird meist auf Reisen erworben. 90 % der Fälle zeigen einen asymptomatischen Verlauf, dagegen kommt es vor allem bei Risikopatienten zur gefährlichen Legionellenpneumonie. Es ist wichtig, die Infektionsquelle zu kennen und für deren Sanierung zu sorgen, um weitere Erkrankungen zu verhindern.

Nosokomial erworbene Pneumonie. In der Klinik, also nosokomial erworbene Pneumonien werden oft durch besonders aggressive Keime verursacht, die gegen übliche Antibiotika resistent sind. Diese multiresistenten Erreger (MRE, z. B. MRSA) sind auf dem Vormarsch. Sie stellen ein besonderes Risiko für Patienten im Krankenhaus dar, vor allem für jene mit einem geschwächten Immunsystem und lang dauernder künstlicher Beatmung, z. B. auf Intensivstationen.

Immunschwächebedingte Lungenentzündung, z. B. bei Patienten, die an Krebs, malignen Lymphomen, Leukämien oder AIDS erkrankt sind. Betroffen sind auch Patienten, die langfristig Kortison, Immunsuppressiva oder Zytostatika einnehmen müssen, sowie zu früh geborene Babys: Pilze und bestimmte Viren, die bei Gesunden keine Erkrankung hervorrufen, führen bei Menschen mit herabgesetzter Immunabwehr zu immunschwächebedingter Lungenentzündung. Die Diagnose „Lungenentzündung“ ist jedoch oft erschwert, da wegen der Grunderkrankung die klassischen Beschwerden der Lungenentzündung oft wenig ausgeprägt sind. Wird die Therapie jedoch erst spät begonnen, kann die Lungenentzündung tödlich enden.

Aspirationspneumonie. Nach dem falschen „Einatmen“ (Aspiration) von Magensaft oder Mageninhalt kommt es häufig durch Besiedelung von geschädigten Schleimhäuten mit Keimen des Magen-Darm-Trakts zu einer Lungenentzündung. Das Hauptrisiko für diese Aspirationspneumonie ist ein herabgesetzter Schluckreflex bei Bewusstseinsstörungen, z. B. durch Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie bei Krampfanfällen, Narkose oder Schlaganfall.

Komplikationen. Als Komplikation droht neben Pleuraerguss und Rippenfellentzündung auch ein Lungenabszess. Er entsteht, wenn Lungengewebe durch die Bakterien eitrig einschmilzt und sich der entstandene Hohlraum mit Eiter füllt (Abszess). Der Abszess führt zu einem schleichenden Krankheitsverlauf mit Fieber, Nachtschweiß, Schwäche und Gewichtsverlust. Der Lungenabszess wird mit Antibiotika behandelt. Selten ist ein chirurgischer Eingriff erforderlich.

Das macht der Arzt

Der Arzt fragt nach Symptomen und Vorerkrankungen. Bei bakteriellen Lungenentzündungen sind bei der Einatmung oft typische Rasselgeräusche zu hören und die körperliche Untersuchung ergibt einen veränderten Klopfschall der Lunge beim Abklopfen. Im Zweifelsfall bestätigt das Röntgenbild des Brustkorbs die Verdachtsdiagnose einer Lungenentzündung. Der Arzt entscheidet anschließend, ob der Patient zu Hause mit einem Antibiotikum behandelt werden kann oder ob eine stationäre Aufnahme in ein Krankenhaus erforderlich ist.

Bei allen Patienten mit Lungenentzündungen wird noch am Tag der Diagnosestellung eine Antibiotika-Therapie begonnen. Die Unterscheidung von typischer und atypischer bzw. ambulant oder im Krankenhaus erworbener Pneumonie dient dazu, das richtige Antibiotikum auszuwählen. Bessern sich die Symptome nicht innerhalb weniger Tage, wird auf ein anderes Antibiotikum umgestellt.

Allgemeine Maßnahmen bei Lungenentzündung sind das Einstellen des Rauchens, körperliche Schonung und eine ausreichende Trinkmenge.

Bei schweren Lungenentzündungen mit einer Atemfrequenz über 30 pro Minute, Blutdruck unter 90 mmHg, Zeichen einer Nierenschwäche oder Verwirrtheit ist eine sofortige Einweisung ins Krankenhaus erforderlich; ebenso bei Risikopatienten mit Vorerkrankungen oder in höherem Lebensalter.

Prognose

Wenn keine Komplikationen auftreten, ist für ansonsten gesunde Patienten die Prognose gut, trotzdem sollte eine Lungenentzündung nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Immerhin ist die Lungenentzündung in den Industrieländern die häufigste tödlich verlaufende Infektionskrankheit. Besonders bei älteren Menschen muss wegen nicht immer eindeutiger Krankheitszeichen mit einem längeren Krankheitsverlauf und mit einem Flüssigkeitsmangel bei Fieber gerechnet werden.

Vorsorge

Die Vorbeugung gegen potentiell lebensgefährdende Lungenentzündungen empfiehlt der Haus- und Facharzt vor allem älteren Patienten ab 60 Jahren und chronisch Kranken in jedem Lebensalter. Die folgenden Maßnahmen sind alle effektiv und risikoarm:

  • die jährliche Grippeimpfung, da Grippe Lungenentzündungen begünstigt
  • die Pneumokokken-Impfung alle 5 Jahre
  • die Aufgabe des Zigarettenrauchens
  • bei starker Staubbelastung im Beruf konsequenter Atemschutz oder Tätigkeitswechsel

Lungenkrebs

Lungenkrebs (Bronchialkarzinom): Bösartiger Tumor der Bronchialschleimhaut und häufigste Krebserkrankung bei Männern, aber es erkranken auch immer mehr Frauen. In Deutschland sterben pro Jahr ~ 37.000 Patienten an Lungenkrebs, v. a. durch Tabakrauch, Schadstoffe am Arbeitsplatz und sonstige Luftschadstoffe. 20 Jahre täglich 20 Zigaretten zu rauchen erhöht das Lungenkrebsrisiko etwa um das 20-Fache, aber auch Passivraucher sind gefährdet. Die Prognose ist sehr schlecht und abhängig vom feingeweblichen Bau des Karzinoms sowie vom Tumorstadium zum Zeitpunkt der Diagnose.

Selten sind gutartige oder nur gering bösartige Tumoren wie das Bronchuskarzinoid, das von spezialisierten Zellen der Bronchialschleimhaut ausgeht. Es macht 4 % aller Bronchialtumoren aus und kommt eher bei jungen Männern und Frauen vor.

Häufig sind dagegen Lungenmetastasen (Tochtergeschwülste anderer Krebsarten wie Nieren-, Darm- oder Brustkrebs). Sie weisen auf das fortgeschrittene Stadium des Ursprungstumors hin.

Leitbeschwerden

Häufig keine Leitbeschwerden; wenn, dann:

  • Über Wochen anhaltender Husten
  • Aushusten von geringen Blutmengen, Speichel mit Blutauflagerungen oder geringem glasigem Auswurf
  • Eventuell Fieber, Gewichtsabnahme und nachts starkes Schwitzen (B-Symptomatik)
  • Durch Einwachsen des Tumors in benachbarte Regionen: Heiserkeit; Schmerzen und Schwäche in Schulter und Arm; Zwerchfelllähmung.

Atemnot tritt auf, wenn große Bronchien ganz oder teilweise durch den Tumor zugeschnürt sind oder wenn ein Pleuraerguss aufgetreten ist. Als Komplikation kann es zu einer schweren Lungenblutung kommen, wenn ein großes Gefäß durch den Tumor zerstört wird.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn Husten länger als 3 Wochen anhält oder trotz guten Appetits sehr viel Gewicht verloren wird.

Die Erkrankung

Lungenkrebs ist ein bösartiger Tumor, der von der Bronchialschleimhaut ausgeht. Weltweit führt Lungenkrebs am häufigsten von allen Tumoren zum Tode, jährlich sterben daran 1 Million Menschen.

Risikofaktoren. Als Hauptrisikofaktoren sind gesichert:

  • Tabakrauch (~ 85 % der Fälle). Dauer und Menge bestimmen das Risiko (eine Zigarettenpackung täglich für ein Jahr zählt als ein „Packungsjahr“ (packyear). Passivrauchen erhöht das Risiko für Lungenkrebs um den Faktor 1,3 bis 2,6, je nach inhalierter Rauchmenge.
  • Schadstoffe am Arbeitsplatz (~ 7 % der Fälle). Risikogruppen sind Arbeiter in gummiverarbeitender Industrie, Gießereien und Bergbau, Schweißer, Anstreicher und Arbeiter, die mit Asbest, Pestiziden oder Herbiziden umgehen. Zusätzliches Rauchen potenziert das Risiko.
  • Andere Ursachen wie z. B. die Feinstaubbelastungen.

Differenzierung. Nach dem feingeweblichen Aufbau unterscheidet man kleinzellige Bronchialkarzinome (SCLC, small cell lung cancer) und nicht kleinzellige Bronchialkarzinome (NSCLC, non SCL, Plattenepithel- und Adenokarzinom). Die kleinzelligen Bronchialkarzinome machen 20–30 % der Krebsfälle aus. Sie neigen zu starkem Wachstum und früher Streuung in andere Organe und haben eine ungünstige Prognose. Die nicht kleinzelligen Bronchialkarzinome kommen in 70–80 % der Fälle vor. Sie sind die häufigsten Lungentumoren bei Nichtrauchern, streuen relativ spät und haben eine bessere Prognose.

Verlauf. Der wachsende Tumor führt manchmal zu Husten, ist aber lange Zeit symptomlos. Bei Zerstörung kleiner Kapillaren durch den Tumor kommt es zu Blutauflagerungen im Auswurf. Bronchialkarzinome, die am Lungenrand sitzen, machen lange Zeit keine Beschwerden. Wenn sie in die Brustwand oder das Rippenfell hineinwachsen, verursachen sie Schmerzen. In späteren Stadien tritt Husten auf. Bei Einwachsen des Tumors in den Bereich zwischen den beiden Lungen (Mediastinum) kann es durch Schädigung des Stimmbandnervs zu Heiserkeit kommen. Ist der Zwerchfellnerv betroffen, führt dies zu Atemnot und Schluckauf. Ein Übergreifen des Tumors auf den Herzbeutel zeigt sich in einem Erguss und einer akuten Rechtsherzinsuffizienz. Ein Einwachsen in die Speiseröhre verursacht Schluckstörungen.

Die Tumoren befallen früh die Lymphknoten der betroffenen Region. Auf dem Blutweg gelangen Metastasen v. a. in Leber, Gehirn, Nebennieren und Skelett. Hirnmetastasen führen zu Schwindel, Kopfschmerzen, Krampfanfällen und Lähmungserscheinungen. Skelettmetastasen verursachen Knochenbrüche und Schmerzen, Lebermetastasen Verdauungsbeschwerden und Gelbsucht (Ikterus).

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung

Bei Verdacht auf Lungenkrebs veranlasst der Arzt Röntgenaufnahmen der Lunge. Tumoren zeigen sich u. a. als Rundherde in der Lunge, als Verdichtungen des Lungengewebes oder als Atelektase (nicht belüfteter Lungenabschnitt) infolge einer Bronchusverlegung.

CT und Bronchoskopie erhärten die Verdachtsdiagnose eines malignen Tumors. Knochensintigrafie und Ultraschall der Leber dienen dem Nachweis von Metastasen. Tumormarker im Blut sind für die Diagnose bedeutungslos. Eine Ausnahme ist die neuronspezifische Enolase (NSE), die recht zuverlässig auf ein kleinzelliges Bronchialkarzinom hinweist. Eine Gewebeprobe (Biopsie) muss zur Bestimmung des feingeweblichen Aufbaus aus dem Tumor entnommen werden. Hiervon hängt die weitere Behandlung ab. Der Arzt entnimmt die Gewebeprobe entweder im Rahmen einer Bronchoskopie oder durch die operative Entfernung eines vergrößerten Lymphknotens.

Therapie nicht kleinzelliger Bronchialkarzinome

Operation. Nicht kleinzellige Tumoren können mit einer Operation geheilt werden, wenn sie noch keine Fernmetastasen gebildet haben und nur wenige oder noch gar keine Lymphknoten befallen sind. In diesem Fall überleben 40–70 % der Patienten die ersten 5 Jahre. Mögliche Operationen sind je nach Größe und Lage des Tumors die Entfernung eines einzelnen Lungenlappens (Lobektomie) oder einer ganzen Lungenhälfte (Pneumektomie). Natürlich sind diese Operationen nur möglich, wenn sichergestellt ist, dass die durch das Rauchen vorgeschädigte Restlunge den Körper nach der OP ausreichend mit Sauerstoff versorgen kann.

Strahlentherapie. Bei ausgedehnterem Lymphknotenbefall wird die Lunge etwa 4–5 Wochen nach der Operation bestrahlt. Diese adjuvante Strahlentherapie wird auch dann durchgeführt, wenn nach der Operation ein Resttumor in der Lunge verblieben ist. Einen wichtigen Stellenwert hat die Bestrahlung auch bei der palliativen Behandlung. Symptome wie Bluthusten, Luftnot, Hustenreiz oder Schmerzen lassen sich durch eine Bestrahlung deutlich lindern. Sie ist auch durchführbar, wenn der Zustand des Patienten sehr schlecht ist.

Chemotherapie. Eine Chemotherapie kann begleitend zu einer Operation oder Strahlenbehandlung oder auch als alleinige Behandlung infrage kommen. Die Entscheidung, welche Zytostatika-Kombination sinnvoll ist, hängt von der Ausdehnung des Tumors, dessen feingeweblicher Einordnung und dem Zustand des Patienten ab.

Zweitlinientherapie. Schreitet das Tumorwachstum trotz Chemotherapie fort, kann durch die Einnahme alternativer Wirkstofft wie Docetaxel oder Nivolumab der Überlebenszeitraum um bis zu 9 Monate verlängert werden. Im Vergleich schneidet Nivolumab in Bezug auf Überlebenszeitraum wie Nebenwirkungshäufigkeit nach neuen Studien besser ab.

Palliative Behandlung. Sind bereits Fernmetastasen vorhanden oder Lymphknoten der anderen Lungenseite befallen, richten sich die ärztlichen Bemühungen vor allem darauf, dem Kranken mehr Lebenszeit bei möglichst guter Lebensqualität zu verschaffen.

Therapie kleinzelliger Bronchialkarzinome

Das kleinzellige Bronchialkarzinom ist bei Diagnosestellung zumeist fortgeschritten und hat bereits Fernmetastasen gebildet. In diesen Fällen steht die palliative Therapie im Vordergrund.

Operation. Eine operative Tumorentfernung ist nur bei sehr kleinen Tumoren sinnvoll.

Strahlen- und Chemotherapie. Glücklicherweise sprechen kleinzellige Bronchialkarzinome gut auf Chemotherapie und Strahlenbehandlung an. Für die Therapieplanung wird unterschieden zwischen:

  • Very limited disease (kleine Tumoren ohne Lymphknotenbefall). Hier kann eine rechtzeitige Operation Erfolg versprechend sein.
  • Limited disease (Befall einer Lungenhälfte mit oder ohne Lymphknotenbefall der gleichen Seite). In diesem Stadium können auch Lymphknoten des Mittelfellraums und unterhalb des Schlüsselbeins befallen sein, oder ein Pleuraerguss kann vorliegen.
  • Extensive disease (alle anderen Fälle, die weder very limited disease noch limited disease sind).

Eine Chemotherapie wird beim kleinzelligen Bronchialkarzinom immer mit verschiedenen Zytostatika durchgeführt. Es gibt sehr viele Behandlungsprotokolle, deren Zusammensetzungen sich aufgrund neuer Therapiestudien häufig ändern.

Gängige Protokolle sind:

  • ACO-Protokoll (Adriamycin + Cyclophosphamid + Vincristin)
  • CEV-Protokoll (Carboplatin + Etoposid + Vincristin)
  • PE-Protokoll (Cisplatin + Etoposid).

Meist sind 4–6 Zyklen Chemotherapie in dreiwöchigen Abständen erforderlich. Bei limited disease oder very limited disease kommt es in 40–70 % der Fälle zur Rückbildung des Tumors, in fortgeschrittenen Stadien allerdings nur in etwa 30 % der Fälle. Bei der limited disease wird nach Beendigung der Chemotherapie im Abstand von etwa 3–4 Wochen noch eine Bestrahlung durchgeführt. Gelingt eine vollständige Rückbildung des Tumors oder nach operativer Tumorentfernung wird prophylaktisch der Schädel bestrahlt, um auch mögliche Gehirnmetastasen zu erfassen. Sollte die Chemotherapie nicht ausreichend wirksam sein oder müssen Komplikationen (Atemnot, Bluthusten, Schmerzen) behandelt werden, kann durch die Strahlentherapie die Tumorgröße oder die Wachstumsgeschwindigkeit verringert werden.

Sowohl nach vollständiger Tumorrückbildung als auch nach operativer Tumorentfernung wird der Schädel prophylaktisch bestrahlt, um mögliche Gehirnmetastasen zu erfassen. Ist die Chemotherapie nicht ausreichend wirksam oder müssen Komplikationen wie Atemnot, Bluthusten oder Schmerzen behandelt werden, lässt sich durch die Strahlentherapie Tumorgröße und Tumorwachstum zumindest vorübergehend verringern.

Therapie von Sonderformen und Komplikationen

Pancoast-Tumor: Sonderform des Bronchialkarzinoms in der Lungenspitze, der früh in benachbarte Rippen, Wirbel oder Nerven einwächst und deshalb auch als „Ausbrecherkrebs“ bezeichnet wird. Der Patient bemerkt als Erstes oft Schmerzen in Schulter oder Arm, Missempfindungen im Arm oder hängende Augenlider. Zur Behandlung erfolgt früh eine Bestrahlung. Danach erfolgt die operative Entfernung des Tumors. Die Bestrahlung wird nach der Operation wiederholt.

Maligner Pleuraerguss (krebsbedingte Flüssigkeitsansammlung im Pleuraspalt): Verursacht der Erguss Luftnot oder ist die Ursache des Pleuraergusses noch nicht 100 % klar, muss er punktiert und abgesaugt werden; die entnommene Flüssigkeit wird im Labor mikroskopisch untersucht. Ist nach vollständiger Entfernung eines Ergusses bereits nach wenigen Tagen wieder ein Erguss nachweisbar und macht Beschwerden, kann mittels einer speziellen Therapie eine Verklebung der Pleurablätter (Pleurodese) durchgeführt werden. Hierzu wird zuerst mittels einer eingelegten Drainage die Flüssigkeit vollständig entfernt und dann mit speziellen Medikamenten (Tetrazyklin, Bleomycin oder Talkum) eine chemische bzw. entzündliche Reaktion zwischen den Pleurablättern ausgelöst – dadurch verkleben sie und der Erguss kann nicht mehr nachlaufen. Diese Methode ist in etwa 80 % der Fälle erfolgreich.

Vena-Cava-Superior-Syndrom: Bei diesem bedrohlichen Krankheitsbild engt der Krebs die obere Hohlvene (Vena cava superior) ein und der Blutabfluss wird behindert. Es kommt zur Schwellung von Arm oder Gesicht, zu Schwindel und Kopfschmerzen. Neben der raschen Einlage eines Stents zum Offenhalten des Blutgefäßes kann durch notfallmäßige Bestrahlung der Tumor verkleinert werden.

Nebenwirkungen der Bestrahlungstherapie. Die Nebenwirkungen der Bestrahlung hängen vor allem davon ab, welcher Körperteil mit welcher Strahlendosis behandelt wird. Beim Bronchialkarzinom können nach der Bestrahlung eine Herzbeutelentzündung, eine erhöhte Infektanfälligkeit, eine Pneumonitis (durch die Bestrahlung des Lungengewebes ausgelöste Entzündung), eine Lungenfibrose, Entzündungen der Speiseröhre (Ösophagitis) sowie Magenreizung mit Übelkeit und Müdigkeit auftreten. Veränderungen der bestrahlten Hautbereiche (trocken, gerötet und empfindlich) sind häufig zu beobachten. Bei trockener, empfindlicher Haut sind gute Hautpflegeprodukte mit niedrigem pH-Wert hilfreich. Eine strahlenbedingte Pneumonitis oder Lungenfibrose wird mit Kortison behandelt. Meist zeigt sich eine rasche Besserung.

Palliative Therapie

Zur Linderung der Beschwerden und zur Lebensverlängerung kann der Tumor durch Laser-, Chemo- oder Strahlentherapie über Monate verkleinert werden. Spezielle Röhrchen aus Metall oder Silikon (Stents) können eingesetzt werden, um einen weiteren Verschluss des Bronchus zu verhindern. In seltenen Fällen wird auch operiert. Es ist immer wichtig, die Vorteile einer Therapie (Gewinn an Lebenszeit, Linderung von Krankheitsbeschwerden) gegen die Nebenwirkungen und Risiken abzuwägen. Die Lebensqualität des Patienten sollte bei allen Therapien im Vordergrund stehen.

Verlaufskontrolle

Für die Patienten sind Verlaufskontrollen und die Nachsorge nach der Therapie wichtig. Komplikationen sollen frühzeitig erkannt und behandelt werden. Beschwerden können gelindert und Schmerzen durch konsequente und wirksame Therapie verhindert werden.

Prognose

Die Prognose hängt wesentlich von dem Stadium ab, in dem der Lungenkrebs diagnostiziert wurde, vom feingeweblichen Bau und von den Vorerkrankungen des Patienten. In sehr frühen Stadien eines nicht kleinzelligen Bronchialkarzinoms, wenn noch keine Lymphknoten befallen sind, ist eine Heilung möglich, die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt ~ 60 %. Kleinzellige Bronchialkarzinome wachsen schnell und die Tumormasse verdoppelt sich in nur 55 Tagen. Aus diesem Grund befindet sich der Krebs in ~ 70 % der Fälle bei Diagnosestellung bereits in einem fortgeschrittenen Stadium und hat meistens schon Fernmetastasen gebildet; die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt dann lediglich 10 %.

Selbsthilfe

Wählen Sie für eine eventuell bevorstehende Operation eine Lungenfachklinik oder eine Klinik, die viel Erfahrung mit Lungenkrebs-Operationen hat, die z. B. über eine Abteilung für Thorax-Chirurgie verfügt.

Wenn Chemotherapie oder Bestrahlung geplant ist, informieren Sie sich vorher über den Ablauf und die Wirkungsweise dieser Therapien. Gut informiert zu sein hilft Ihnen, Ihre Angst abzubauen.

Übersicht zu komplementärmedizinischen Krebstherapien

Vorsorge

Weil vor allem Raucherinnen und Raucher lungenkrebsgefährdet sind, gibt es spezielle Selbstzahlerangebote zur Vorsorge (IGeL), so den Raucher-Check mit Blutuntersuchungen und - vor allem - einem CT des Brustraums. Der Nutzen dieser Vorsorgeuntersuchungen ist aber wissenschaftlich umstritten. Nach neueren Studien werden zwar mehr frühe Krebsfälle entdeckt, die Zahl zu spät entdeckter Lungenkrebse und der Todesfälle ändert sich jedoch nicht .

Weiterführende Informationen

  • www.info-lungenkrebs.de – Website des Pharmaunternehmens Roche GmbH, Grenzach-Wyhlen: Informativ, mit Themen rund um den Lungenkrebs, herkömmliche und neue Therapieansätze.
  • www.selbsthilfe-lungenkrebs.de – Website der Bundesweiten Selbsthilfegruppe für Lungenkrebs: Bietet Lexikon, das wichtige medizinische Fachbegriffe erklärt, Adressen und viele Links.
  • H. Delbrück: Lungenkrebs. Rat und Hilfe für Betroffene und Angehörige. Kohlhammer, 2007. Sehr informatives Buch, das viele Fragen klärt und Tipps für den Alltag bereithält.

Schweinegrippe

Schweinegrippe ("neue" Influenza): Im Jahr 2009 zunächst in Mexiko aufgetretene Form der Influenza, bei der das Influenzavirus des Schweines auf den Menschen übertragen wurde. Inzwischen wurde nachgewiesen, dass ein aus dem Vietnamkrieg bekannter Grippeerreger dazu identisch ist. Durch Flugreisende verbreitete sich das Virus rasch weltweit.

Die Erkrankung

Die Übertragung des Schweinegrippevirus erfolgt überwiegend durch Tröpfcheninfektion beim Sprechen, Husten und Niesen. Daher helfen einfache Hygienemaßnahmen dabei, sich vor einer Infektion zu schützen, wie häufiges Händewaschen, die Verwendung von Papiertaschentüchern und häufiges Lüften.
Die Symptome der durch einen Subtyp des Influenza-A-Virus H1N1 hervorgerufenen Schweinegrippe ähneln denen der jährlich im Winter auftretenden Grippe mit Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und Appetitlosigkeit, sind aber in aller Regel milder ausgeprägt. Todesfälle traten vor allem unter Menschen mit Vorerkrankungen und anderen Risikogruppen auf wie Schwangeren, Kleinkindern und älteren Menschen. In Deutschland wurden schwere Verläufe bislang nur bei Patienten mit Grunderkrankungen beobachtet.

Das macht der Arzt

Neben der symptomatischen Behandlung der Grippebeschwerden werden Neuraminidasehemmer (Oseltamivir und Zanamivir) eingesetzt, um den Krankheitsverlauf abzukürzen und die Schwere der Erkrankung zu reduzieren.

Vorsorge

Gegen die Schweinegrippe steht seit Oktober 2009 ein Impfstoff zur Verfügung. Die amtliche Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts empfiehlt die Impfung in erster Linie für die oben genannten Risikogruppen (mit Ausnahme von Säuglingen) und Personen, die im Gesundheitswesen tätig sind. Der Nutzen der Impfung ist angesichts der geringen Pathogenität der Schweinegrippe dennoch umstritten.

Während der zahlreichen Impfungen gegen Schweingerippe im Frühjahr/Sommer 2010 hatte die schwedische Arzneimittelagentur (MPA) im August 2010 von Narkolepsiefällen berichtet, die zeitlich mit Pandemrix®-Impfungen gegen Schweinegrippe zusammenfielen. Weitere Untersuchungen ergaben aber keinen plausiblen kausalen Zusammenhang zwischen Narkolepsie und dem Schweinegrippen-Impfstoff.

Gegen Ansteckung helfen einfache Hygienemaßnahmen wie häufiges und gründliches Händewachen. Hautkontakt zu Erkrankten gilt es zu vermeiden. Bei Grippebeschwerden muss ein Arzt aufgesucht werden.

Tuberkulose

Tuberkulose (TBC, Tb, Schwindsucht): Chronische Infektionskrankheit durch die langsam wachsenden, aber extrem widerstandfähigen Tuberkulosebakterien(Mycobacterium tuberculosis, TBC-Bakterien, „Tuberkelbakterien“) hervorgerufen. Weltweit ist die Tuberkulose vor allem in armen Ländern sehr verbreitet, über 1,5 Milliarden Menschen gelten als infiziert. In Deutschland nimmt die Erkrankung wieder zu (etwa 10 000 Fälle pro Jahr). In 85 % ist die Tuberkulose auf die Lunge beschränkt, aber sie kann über Streuung der Bakterien jedes Organ befallen. Durch eine konsequente antibiotische Therapie über mindestens 6 Monate sind 95 % der Betroffenen heilbar.

Leitbeschwerden

  • Mäßiges Fieber verbunden mit Nachtschweiß
  • Gewichtsverlust, Schwäche
  • Husten, Atemnot
  • Auswurf (eventuell leicht blutig).

Je nachdem, in welches Organ die Tuberkulosebakterien eingewandert sind, kommt es zu ganz unterschiedlichen Beschwerden. Am häufigsten ist jedoch die Lunge betroffen.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn die oben genannte Beschwerden auftreten.

Die Erkrankung

Die Übertragung der Tuberkulosebakterien erfolgt durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch beim Husten, Sprechen oder Niesen. In einem schlecht gelüfteten Raum können die Bakterien 1–2 Tage überleben, aber verglichen mit anderen Erkrankungen ist die Ansteckungsfähigkeit der Tuberkulose gering. Für die Ausbreitung der Tuberkulose spielen schlechte soziale und hygienische Verhältnisse eine große Rolle. Mangelernährung und enges Zusammenleben von vielen Menschen auf kleinem Raum begünstigen die Verbreitung. Die Erkrankung betrifft deshalb hierzulande fast nur noch Obdachlose und Unterernährte, Menschen mit herabgesetzter Immunabwehr, Alkoholkranke, Drogenabhängige, ältere Menschen und Migranten aus Ländern mit vielen Tuberkulosekranken.

Im Durchschnitt hat ein unbehandelter Patient mit offener Tuberkulose innerhalb eines Jahres engeren Kontakt zu 100 Menschen und steckt davon etwa zehn Personen an. Bei welcher dieser zehn Personen eine Erkrankung ausbricht, hängt von der Menge der eingedrungenen Bakterien und der Immunabwehr des Infizierten ab. Bei Menschen mit intakter Immunabwehr grenzen die weißen Blutkörperchen die Tuberkulosebakterien mit einem Zellwall ein; sie bilden einen Lungenherd (Granulom). Auch die Tuberkulosebakterien, die in die Lymphwege gelangt sind, werden in den Lymphknoten von Immunzellen eingekreist. Lungenherd und Lymphknoten bilden zusammen den tuberkulösen Primärkomplex. Dieser kann vernarben und verkalken und bleibt im Röntgenbild lebenslang sichtbar.

In über 90 % der Fälle endet mit dem Primärkomplex die Erkrankung; der Infizierte hat keine Beschwerden.

Offene Tuberkulose. Nur bei 5–10 % der Infizierten überwinden die Tuberkulosebakterien ihre „Mauern“, vermehren sich und breiten sich über die Lymphbahnen oder über das Blut im Körper aus. Der Primärkomplex kann aber auch erweichen und in die Atemwege einbrechen. So gelangen die Tuberkulosebakterien in die Ausatemluft: es handelt sich um eine offene Tuberkulose, die in die Umgebung streut; der Erkrankte ist ansteckend.

Verlauf der Tuberkulose. Die Symptome sind uncharakteristisch: Husten, ausgeprägte Schweißneigung – vor allem nachts –, erhöhte Temperaturen bis 38 °C, Schwäche, ständige Müdigkeit, geringe Belastbarkeit, Auswurf mit Blutauflagerungen. Manchmal führen Appetitlosigkeit und Brechreiz zu massivem Gewichtsverlust, daher der deutsche Name „Schwindsucht“. Die Krankheitssymptome treten entweder gleich im Anschluss an die Erstinfektion auf (progressive Primärtuberkulose) oder erst viele Jahre später. Tuberkulosebakterien können Jahrzehnte in den Lungenherden überleben und wieder aktiv werden, wenn die Immunabwehr der Betroffenen geschwächt ist, z. B. durch eine chronische Allgemeinerkrankung, einen Tumor oder eine immunsuppressive Therapie (Kortison).

Die Streuung von Tuberkulosebakterien über das Blut kann viele Organe betreffen:

  • Die Gehirnhaut bei der Meningitis tuberculosa (tuberkulöse Hirnhautentzündung): Sie tritt typischerweise in den ersten 3 Monaten nach Erstinfektion auf. Fieber, Appetitlosigkeit, Kopfschmerz und Bewusstseinsstörungen sind mögliche Beschwerden.
  • Lunge, Gehirn, Leber, Milz, Nieren und Nebennieren bei der Miliartuberkulose. Es bilden sich kleine bis hirsekorngroße (milium = Hirsekorn) Herde in diesen Organen.
  • Die Harn- und Geschlechtsorgane bei der Urogenitaltuberkulose, die Jahrzehnte nach einem Primärinfekt auftreten kann: Tuberkulöse Knötchen entlang der Schleimhaut und im Nierengewebe führen durch Umbauvorgänge zu Harnleiterverengungen, Schrumpfung der Blase und Veränderungen der Nierenkelche und schließlich zur Zerstörung der Niere.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Eine Lungenentzündung, die nicht heilt, ungeklärtes Fieber, über Wochen anhaltender Husten, eine entsprechende Vorgeschichte des Patienten (Kontakt mit Infizierten, Aufenthalt in Ländern mit hohen Infektionszahlen) legen den Verdacht auf Tuberkulose nahe. Der Arzt wird klären, ob der Patient früher schon an Tuberkulose erkrankt war, die jetzt möglicherweise wieder aufflammt. Er fragt auch nach Tuberkulosefällen in der Familie oder im Bekanntenkreis.

Der Tuberkulin-Hauttest nach Mendel-Mantoux (Tuberkulintest) gibt weitere Hinweise. Eine Standardmenge gereinigtes Tuberkulin (aus Tuberkulosebakterien gewonnen) wird an der Beugeseite eines Unterarms in die Haut gespritzt. Nach frühestens 72 Stunden wird die Hautreaktion abgelesen: Zeigt sich eine Verhärtung um die Einstichstelle (positives Ergebnis), ist dies ein Zeichen für eine durchgemachte Erstinfektion oder eine frühere Tuberkulose-Impfung. 6–8 Wochen nach der Infektion wird die Tuberkulinreaktion positiv als Zeichen, dass sich der Körper mit Tuberkulosebakterien auseinandergesetzt hat.

Therapie. Handelt es sich um eine Miliartuberkulose, ist ein rascher frühzeitiger Therapiebeginn wichtig. Jede aktive Tuberkulose muss monatelang konsequent mit Tuberkulostatika behandelt werden. Dies sind speziell gegen Tuberkulosebakterien wirksame Antibiotika. Für die Therapie der Tuberkulose stehen sog. Erstrang- oder Standardmedikamente zu Verfügung: Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid, Ethambutol und Streptomycin. Auf Basis der für Deutschland bekannten Resistenzsituation wird eine initiale Vierfachtherapie mit Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol empfohlen – wenn nötig auch mit einer Dauer von mehr als 2 Monaten. Bisher erhalten Patienten diese Wirkstoffe einzeln als Tabletten. Seit Neuestem gibt es auch eine Tablette, die alle vier Wirkstoffe in sich vereint und genauso gut wirkt. Wenn gegenüber den Erstrangmedikamenten eine Sensibilität nachweisbar ist, reicht im weiteren Verlauf der Initialphase eine Dreifachtherapie ohne Ethambutol aus. In der Kontinuitätsphase sollte dann der Patient als Stabilisierungstherapie mit Isoniazid und Rifampicin bis zum Ende der 6-monatigen Gesamttherapiedauer behandelt werden.
Die Gefahr einer initialen Dreifachtherapie mit Isoniazid, Rifampicin und Pyrazinamid liegt vor allem in einer nicht bekannten Isoniazid-Resistenz, da in einem solchen Fall wegen der Unwirksamkeit des Pyrazinamids de facto eine Rifampicin-Monotherapie verabreicht wird. Diese Therapie kann in einer großen Erregerpopulation zur Selektion Rifampicin-resistenter Mutationen führen,  was Ethambutol als viertes Medikament zu verhindern hilft. Wird eine Einfachresistenz vermutet, sollte die Chemotherapie immer mindestens mit Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol oder Streptomycin begonnen werden.

    Therapie verschiedener Tuberkuloseformen:

    • Lungentuberkulose: Standardtherapie bei Erwachsenen ist die 2-monatige Initialtherapie mit Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol, gefolgt von einer 4-monatigen Kontinuitätstherapie mit Isoniazid und Rifampicin.
    • Urogenital- und Abdominaltuberkulosen: Wenn ein klinisch eindeutiger Therapieerfolg nachweisbar ist, reicht eine 6-monatige Standardtherapie aus.
    • Knochen- und Gelenktuberkulosen: Die im Knochen und Gelenkknorpel von Isoniazid, Rifampicin und Pyrazinamid erreichten Konzentrationen sind ausreichend hoch, um den Patienten mit einer 6-monatigen Standardtherapie zu behandeln.
    • Tuberkulosen des zentralen Nervensystems: Hier muss das Durchtrittsverhalten der Medikamente durch die Blut-Hirn-Schranke beobachtet werden. Während Isoniazid, Pyrazinamid und Protionamid immer eine ausreichend gute Durchtrittsrate zeigen, ist dies bei Rifampicin nicht der Fall. Ethambutol und Streptomycin durchdringen die Blut-Hirn-Schranke nur bei entzündlich veränderter Hirnhaut in ausreichender Menge und wirken daher nur zu Therapiebeginn. Zwar wird auch hier die Standardtherapie empfohlen, aber mit einer verlängerten Therapiedauer von mindestens 12 Monaten; davon 2–3 Monate Initialtherapie und 9–10 Monate Kontinuitätstherapie.

    Da Nebenwirkungen durch Tuberkulostatika häufig sind, müssen regelmäßig in 2- bis 4-wöchigen Abständen das Blutbild sowie Leber- und Nierenwerte kontrolliert werden. Zur Verbesserung der Verträglichkeit kann der Arzt ein Vitamin-B-Präparat verordnen. Die Erregerausscheidung wird ebenfalls regelmäßig kontrolliert. Wenn drei negative Sputumproben vorliegen, darf ein Patient mit ehemals offener Tuberkulose wieder in die Öffentlichkeit. Röntgenkontrollen werden zunächst alle 4, dann alle 8 Wochen durchgeführt. Tuberkulostatika ändern die Wirksamkeit vieler Medikamente wie der Pille oder bestimmter Gerinnungshemmer und können den Urin orange färben.

    Als aktive Schutzimpfung gegen die Tuberkulose ist die sogenannte BCG-Impfung verfügbar. Ihre Wirkung gilt als unsicher, daher wird sie von der Ständigen Impfkommission (STIKO) nicht mehr empfohlen. Neue inhalative Impfungen befinden sich derzeit in der klinischen Entwicklung. 

    Selbsthilfe

    Um die Krankheit möglichst sicher zu bekämpfen, werden Sie mit mehreren Medikamenten (einer so genannten Vierer-Kombination) gleichzeitig behandelt. Sie sollten unbedingt alle Medikamente regelmäßig einnehmen, auch wenn Sie sich schon wieder besser fühlen. Wenn Sie die Krankheit nicht richtig bekämpfen, kommt es zu Resistenzen: Die Bakterien lernen in solchen Fällen, trotz der Tabletten zu überleben, und die Medikamente verlieren ihre Wirkung.

    Vogelgrippe

    Vogelgrippe (aviäre Influenza): Infektion durch die für Geflügel tödlichen Influenza-A-Viren vom Subtyp H5. Weltweit wurden bislang 100 Millionen Vögel und etwa 300 Menschen infiziert. Insbesondere Mitarbeiter von Geflügelbetrieben sind gefährdet. Für alle anderen Menschen ist die Gefahr einer Erkrankung bisher sehr gering. Ein direkter Kontakt zu allen verendeten Vögeln und Wildtieren sollte dennoch vermieden werden.

    Die Erkrankung

    Nach Kontakt mit den Erregern tritt im Erkrankungsfall nach 4 Tagen Fieber begleitet von Husten und Atemnot auf. Häufig folgen Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Die sich im weiteren Verlauf entwickelnde Lungenentzündung ist oft schwer und kann zum Tod führen.

    Das macht der Arzt

    Neben der symptomatischen Behandlung der Grippebeschwerden werden Neuraminidasehemmer (Oseltamivir und Zanamivir) eingesetzt, um den Krankheitsverlauf abzukürzen und die Schwere der Erkrankung zu reduzieren.

    Vorsorge

    Gegen Ansteckung helfen einfache Hygienemaßnahmen wie häufiges und gründliches Händewachen. Hautkontakt zu Erkrankten gilt es zu vermeiden. Bei Grippebeschwerden muss ein Arzt aufgesucht werden.

    Zur Vermeidung der Vogelgrippe ist Verzicht auf Geflügelfleisch nicht erforderlich, da das Virus sehr hitzeempfindlich ist und beim Erhitzen des Fleisches rasch abgetötet wird.

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